PJ Escobio inszeniert mit „Huck Finn“ ein Schlüsselwerk der amerikanischen Literatur.
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PJ Escobio inszeniert mit „Huck Finn“ ein Schlüsselwerk der amerikanischen Literatur.

English Theatre

English Theatre in Frankfurt: Auf dem Mississippi in die Freiheit

  • Anja Laud
    vonAnja Laud
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Das English Theatre in Frankfurt bringt „Huck Finn“ als Familienstück auf die Bühne. Die Inszenierung ist gleich aus zwei Gründen hochaktuell.

Regisseur PJ Escobio steht im English Theatre in Frankfurt auf der Bühne zwischen zwei Blockhütten, während sich Schauspielerinnen und Schauspieler im Zuschauersaal auf den Beginn der Probe vorbereiten. Das Ensemble der größten englischsprachigen Bühne Kontinentaleuropas meldet sich mit „Huck Finn“, einem Jugendstück für die ganze Familie, aus der Corona-Zwangspause zurück. Die Bühnenadaption des Romanklassikers von US-Autor Mark Twain ist derzeit gleich aus zwei Gründen aktuell: Es geht um die Freiheit des Einzelnen und um Rassismus. Premiere ist am Samstag, 25. Juli.

„Die Blockhütten können ganz einfach zum Floß umgebaut werden“, erläutert PJ Escobio das Bühnenbild. Wie jeder weiß, der den Roman „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ gelesen hat, fahren die zentralen Figuren Huck und Jim auf diesem gemeinsam den Mississippi stromab. Huck flieht, weil er von seinem Vater misshandelt wird, Jim, ein entflohener Sklave, will seinen Häschern entgehen. „Der Kern des Stückes ist das Thema Freiheit“, sagt der Regisseur.

Schon im Juni vergangenen Jahres begannen in der Gallusanlage 7 die Proben für „Huck Finn“, mit denen das English Theatre auch auf Tournee durch Schulen in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet gehen wollte. Doch dann machte die Pandemie den Theaterleuten einen Strich durch die Rechnung. Regisseur Escobio, der auch Künstlerischer Leiter des mit dem English Theatre freundschaftlich verbundenen Ensembles Shakespeare Frankfurt ist, das regelmäßig Stücke des Barden im Botanischen Garten aufführt, musste noch einmal von vorne anfangen.

English Theatre

„Huck Finn“ , das Familienstück nach dem Mark-Twain-Klassiker „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ in einer Adaption des Bühnen-Autoren Sean Aita, hat am Samstag, 25. Juli, 17 Uhr, im English Theatre Frankfurt, Gallusanlage 7, Premiere.

Karten sind online über die Homepage erhältlich sowie unter der Rufnummer 069/ 242 316-20. lad

www.www.english-theatre.de

Drei der vier Schauspielerinnen und Schauspieler, mit denen er bereits geprobt hatte, mussten ausgetauscht werden, da es für sie entweder schwierig war, nach Deutschland zu reisen, oder Verträge mit anderen Ensembles sie davon abhielten. Alle, die jetzt in dem einstündigen Stück zu sehen sind, sind Profis aus den USA und Griechenland, die im Rhein-Main-Gebiet leben. Die Schauspielerin Leanne Maksin spielt die Titelrolle, der Schauspieler Keith Wilson den Sklaven Jim. Evan Scott Schweizer und Varvara Pomoni übernehmen die übrigen Rollen.

Mit „Huck Finn“ präsentiert das English Theatre erstmals in der Theaterpause ein Sommertheater für Familien. „Da wir in der Entwicklung des Stücks weit vorangeschritten waren, konnten wir es jetzt schnell auf die Bühne bringen. Außerdem haben wir uns gedacht, dass Eltern, die wegen des Shutdown mit ihren Kindern so lange zu Hause bleiben mussten, vielleicht froh sind, wenn sie in den Ferien als Familie ins Theater gehen können“, sagt Escobio.

Der Inszenierung hat es keinen Abbruch getan, dass sie erst jetzt auf die Bühne kommt, denn die zentralen Themen, Freiheit und Rassismus, haben in den vergangenen Monaten nach der Einschränkung der Grundrechte zur Eindämmung der Pandemie, der Ermordung des Afroamerikaners George Floyd und dem Erstarken der „Black Lives Matter“-Bewegung höchste Aktualität erhalten.

„Ich als US-Amerikaner bin mit der Geschichte meines Landes aufgewachsen und habe mich mit ihr auseinandergesetzt, aber viele Kinder und Jugendliche hier wissen nicht, was Sklaverei bedeutet, was es heißt, für 800 Dollar verkauft und von der eigenen Familie für immer getrennt zu werden“, sagt Escobio. „Huck Finn“ zeigt nicht nur die Grausamkeiten des Lebens, es zeigt auch, wie diese durch Menschlichkeit, Anstand und Freundschaft bewältigt werden können.

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