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Die Ärztin Wafa Ahmed darf sich in Deutschland niederlassen.

Mediziner

Endlich zugelassen

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Die Beramí-Akademie hilft bei der Anerkennung ausländischer Medizinabschlüsse.

Wer in einem anderen Land studiert hat, kennt vielleicht das Problem von Wafa Ahmed: Der eigene Abschluss wird in Deutschland nicht ohne weiteres anerkannt.

Ahmed hat im Sudan Medizin studiert. Sechs Jahre lang war sie an der Frauenuniversität Ahfad in der Stadt Omdurman eingeschrieben, gefolgt von einer eineinhalbjährigen praktischen Phase. Auch als Ärztin hatte Ahmed schon gearbeitet, bevor sie 2004 nach Deutschland ging: beim sudanesischen Militär.

Sie verließ den Sudan, um mit ihrem Mann zusammenleben zu können. Heute ist Wiesbaden ihr Lebensmittelpunkt. „Es war ein gutes Schicksal“, sagt Ahmed.

Gleich nach ihrer Ankunft hatte sie mehrere Sprachkurse besucht. Trotzdem konnte die 43-Jährige lange Zeit nicht dauerhaft als Ärztin arbeiten. Der Grund: Ihr fehlte die endgültige Berufszulassung, auch Approbation genannt.

Viel Flexibilität notwendig 

Nicht zuletzt deshalb ging Ahmed unterschiedlichen Beschäftigungen nach – oder, wie sie es sagt: „Ich habe mich viel bewegt.“ Beispielsweise arbeitete sie eineinhalb Jahre als Ärztin im Bad Camberger Medical Park – mit einer befristeten Berufserlaubnis. Später leitete sie gemeinsam mit ihrem Mann eine auf Patientenbetreuung spezialisierte Firma. Zudem bekam sie drei Kinder, die heute vier, acht und zwölf Jahre alt sind.

Mit der Zeit wurde ihr Wunsch nach einer eigenen, langfristigen Karriere als Ärztin immer stärker. Anfang 2017 meldete Ahmed sich für einen Kurs an, der Ärztinnen und Ärzte mit ausländischem Abschluss auf die Approbationsprüfung vorbereitet – 13 Jahre, nachdem sie den Sudan verlassen hatte.

Verein hilft Migranten weiter 

Ahmeds Wahl fiel auf die Beramí-Akademie für Heilberufe in der Nähe des Frankfurter Osthafens. Dahinter steht ein Verein, der seit 1990 Migranten beruflich weiterhilft. Neun Monate dauerte der Kurs, gefördert vom Jobcenter.

Die 43-Jährige entschied sich für Beramí, weil die Akademie mehr als nur theoretische Kurse zu Fachwissen und medizinischer Sprache – inklusive der sogenannten Fachsprachenprüfung – anbietet: Zur Vorbereitung konnte sie auch in einer Allgemeinarztpraxis hospitieren und einen Arzt-Patient-Simulationskurs belegen.

„Die machen das wirklich toll“, sagt Ahmed über ihre Dozenten. Sie hätten ihr sogar individuelle Lernpläne angefertigt. Nützlich sei zudem eine Bescheinigung von Beramí gewesen, die ihr bei der Suche nach der Hospitanzstelle geholfen habe: „Da hat man jemanden hinter sich.“

Ergebnis: bestanden!

Besonders wichtig war Ahmed jedoch der Simulationskurs, denn sie hat „immer Prüfungsangst“. Wegen hoher Nachfrage bekam sie für die abschließende Kenntnisprüfung erst im Mai 2018 einen Termin. In Chirurgie und Innerer Medizin musste sie beweisen, dass ihre Kenntnisse mit einem deutschen Abschluss vergleichbar sind. Ein „sehr, sehr spezieller Moment“ sei das gewesen, „eine hektische Situation“. Direkt im Anschluss erhielt sie ihr Ergebnis: bestanden!

Drei Kinder, von denen zwei zur Schule gehen, und ihr eigenes Lernpensum: Mit der erfolgreichen Approbation endete für Ahmed eine Zeit, die „nicht immer einfach war“. Zwischen neun Uhr und halb fünf besuchte sie die Beramí-Kurse im Frankfurter Osten. Hinzu kam die Zeit in der Bahn von und nach Wiesbaden. Gut, dass Ahmed viel „Familiensupport“ hinter sich hatte. 

Anstellung im St.-Josefs-Hospital 

Im September schickte sie ihre um die Approbation erweiterten Bewerbungen los – mit Erfolg: Seit Oktober arbeitet sie im Wiesbadener St.-Josefs-Hospital im Akutkrankenhaus. In rund drei Jahren, rechnet sie vor, werde sie ihre neurologische Facharztausbildung haben. Dafür kann sie sich sogar ihre Zeit in Bad Camberg anrechnen lassen.

Im aktuellen Jahrgang haben 18 Teilnehmer der Beramí-Akademie ihre Approbation erhalten, darunter eine Apothekerin. Weitere 31 Mediziner bekamen eine vorläufige Berufserlaubnis. Während einer Feier im Oktober nahmen sie ihre Urkunden entgegen.

Ahmed war auch dabei. Ab jetzt wird sich ihr Weg als Ärztin wohl nicht mehr so stark von Karrieren unterscheiden, die mit einem Studium in Deutschland begonnen haben.

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