Römerbriefe

Ende der Fastenzeit

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Der Oberbürgermeister schenkt seinen Kolleginnen und Kollegen zu Ostern ein Überraschungsei. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert:Was hältst Du denn da hinter Deinem Rücken versteckt?

Göpfert:Na ja, eigentlich sollte es ja eine Überraschung sein…

Leppert:Das sind ja Schokoladeneier. Mmmhh, und hier sogar mit Marzipan und Eierlikör …

Göpfert:Ich hab’ halt gedacht, wir gönnen uns mal was zu Ostern.

Genauso ist es, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Schließlich geht am heutigen Donnerstag ja die Fastenzeit offiziell zu Ende, der wir beiden Römer-Reporter bekanntlich ohnehin skeptisch gegenüberstehen. Wir bekommen schließlich im Rathaus schon genügend Magerkost geboten: Dürftige Reden, karge Anträge, abgespeckte Spar-Haushalte.

Es gab Zeiten, da wollte der Stadtverordnetenvorsteher uns auf den Pressebänken sogar die Gummibärchen verbieten. Zum Glück ist über diesen Tort der einsetzende Wertewandel hinweggegangen. In der Stadtgesellschaft (und im Römer) fallen immer mehr Schranken.

Wo früher die Tageszeitung vor ihnen lag, klappen die Stadtverordneten mittlerweile ganz selbstverständlich ihre Laptops auf.

Natürlich wollte auch der Oberbürgermeister zum bevorstehenden Fest des Friedens nicht zurückstehen und hat deshalb über ein kleines Geschenk für seine Kolleginnen und Kollegen im Magistrat nachgedacht. Bei seiner Begeisterung für das städtische Weingut, in dem er ja viel Zeit verbringt, hatte Peter Feldmann erst einen edlen Tropfen aus dem Hochheimer Wingert erwogen.

Doch sein Büroleiter Nils Bremer, der ja für die großen politischen Linien zuständig ist, hat ihm das als zu profan wieder ausgeredet.

So wurde die schöne Idee vom Überraschungsei für jedes Magistratsmitglied geboren. Weil man natürlich mit dem Inhalt auch wunderbar politische Botschaften transportieren kann.

Also zum Beispiel: Für die Umweltdezernentin ein Häuflein Sand vom Sachsenhäuser Mainufer als schöne Einstimmung auf den kommenden neuen Dürresommer.

Oder für die Kulturdezernentin den Prototyp des langersehnten neuen städtischen Kultur- und Freizeit-Tickets, mit dem Kinder- und Jugendliche freien Eintritt in alle Frankfurter Museen bekommen sollen.

Das sind natürlich jetzt, wir gestehen es gerne ein, alles nur Mutmaßungen. Das Schöne an so einem Überraschungsei ist ja eben, dass man nicht genau weiß, was drin ist. Deshalb ist es tatsächlich ein Gerücht, dass das Ei für Bau- und Liegenschaftsdezernent Jan Schneider ganz leer sein soll.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppertberichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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