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Empörung über hohe Fahrpreise in Frankfurt

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Von: Timur Tinç, Georg Leppert

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Ganz schön happig: Eine Einzelfahrkarte kostet in Frankfurt jetzt 3,40 Euro.
Ganz schön happig: Eine Einzelfahrkarte kostet in Frankfurt jetzt 3,40 Euro. © rolf oeser

Tickets sind in Frankfurt teils deutlich teurer geworden. Verkehrsdezernent Stefan Majer verweist auf Sparangebote.

Der „Bahnbabo“ reagierte sofort. „Jetzt werden meine Kolleg:innen und ich uns erst einmal eine Zeit lang einiges anhören müssen“, twitterte der Straßenbahnfahrer mit Kultstatus, der mit bürgerlichem Namen Peter Wirth heißt und im März bei der OB-Wahl in Frankfurt kandidiert, am Neujahrstag. Dazu stellte Wirth ein Foto. Er (stilecht mit Sonnenbrille) zeigt auf einen Fahrkartenautomaten, auf dem der Preis für eine Einzelfahrkarte in Frankfurt aufleuchtet: 3,40 Euro.

Bus- und Bahnfahren ist in Deutschlands fünftgrößter Stadt zum Jahreswechsel erheblich teurer geworden – zumindest für Menschen, die nur gelegentlich mit dem ÖPNV unterwegs sind. Der Einzelfahrschein kostet 19 Prozent mehr als im vergangenen Jahr, die Tageskarte ist für 6,65 Euro zu haben (21 Prozent mehr als bisher) und ein Ticket für die Kurzstrecke schlägt mit 2,10 Euro zu Buche – eine Erhöhung um satte 31 Prozent.

Gerade in den sozialen Medien ist die Empörung groß. Bei solchen Preisen könne die Verkehrswende nicht gelingen, so der Tenor. Mehrere Nutzer:innen wandten sich direkt an die Kandidat:innen der OB-Wahl und forderten Abhilfe.

„Die Preisanpassung ist unverhältnismäßig“, sagte dann auch CDU-Bewerber Uwe Becker im Gespräch mit der FR. Dass die Regierungskoalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt diese Entwicklung zulasse, „lässt an ihren Zielen für den Klimaschutz zweifeln“. Hohe Preise „nehmen dem ÖPNV die Attraktivität“.

Sparmodelle

Seit dem 1. Januar hat die App „RMVgo“, die alte RMV-App abgelöst. Digitale Ticketkäufe sind nur noch über die neue App möglich. Es gibt unterschiedlichste Möglichkeiten, günstiger zu fahren. Sowohl über Apps, aber auch über die Vertriebsstellen kann man Vergünstigungen erwerben.

RMV-Sparpass: Der Sparpass, der seit dem 1. 1. gilt, kostet zehn Euro, ist für 30 Tage gültig und muss monatlich verlängert werden. Für Erwachsene reduzieren sich die Kosten für eine Kurzstrecke, Einzel- oder Tageskarte um 25 Prozent. Sie ist auch über die Chipkarte nutzbar. Dafür muss man sie einmal in einer RMV-Vertriebsstelle registrieren. Wenn man den Sparpass einmal auf der Chipkarte hat, kann man ihn an einem Fahrkartenautomaten erneuern.

RMV-Smart: 30 000 Testpersonen sind bei RMV-Smart angemeldet. Bezahlt wird immer nur die Strecke, die gefahren wird. Je entfernter der Ort, desto höher der Preis, aber immer mindestens zwei Euro regulär. Es gibt zwei Möglichkeiten, die Kosten zu senken: Entweder man zahlt zehn Euro im Monat und in dem Zeitraum für alle Tickets die Hälfte des Preises. Oder man nutzt das sogenannte Flex-Modell je Kalendermonat. Ab 20 Euro Umsatz erhält man 20 Prozent Rabatt auf die Tickets, ab 40 Euro sind es 40 Prozent, ab 60 Euro entsprechend 60 Prozent, ab 120 Euro werden es 80 Prozent und ab 240 Euro fährt man für den Rest des Monats kostenlos.

RMV-Prepaid-Rabatt: Dieses Modell ist ein rein digitales Angebot. Es muss ein Startguthaben von 40 Euro aufgeladen werden. Das spart – ausschließlich beim Kauf von Einzeltickets – 20 Prozent. Maximal ist ein Prepaid-Guthaben von 200 Euro möglich, also fünf Aufladungen. tim

In ungewohnter Einigkeit mit Becker äußerte sich die Kandidatin der Linken, Daniela Mehler-Würzbach: „Die Preiserhöhung tut den Leuten richtig weh.“ Die hohen Kosten für Einzelfahrkarten seien ein „fatales Signal“. Auch für Gelegenheitsfahrer:innen müsse der ÖPNV finanzierbar bleiben. Das bleibe er auch, betonte Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne). In der Tat habe die Stadtregierung die starken Rabatte für Einzelfahrkarten und Tagestickets gestrichen – mit der Folge deutlich gestiegener Preise. Dafür mache der RMV aber andere Angebote, etwa den Sparpass. Die 3,40 Euro für eine einfache Fahrt zahle somit kaum jemand. Gleichzeitig unterstütze die Stadt mit dem gesparten Geld die Inhaber:innen des Frankfurt-Passes. Senior:innen und Schüler:innen aus dieser Gruppe zahlen nur rund neun Euro für ein Monatsticket. Für alle anderen Besitzer:innen des Passes kostet eine 9-Uhr-Monatskarte 16,95 Euro. Der Stadt sei es wichtig, Menschen mit wenig Geld zu unterstützen, so Majer.

Die OB-Kandidatin der Grünen, Manuela Rottmann, äußerte sich ebenfalls differenziert. Es sei richtig, Subventionen für Haushalte mit geringem Einkommen einzusetzen. Das bundesweite 49-Euro-Ticket, das im April eingeführt werden soll, mache den Umstieg vom Auto auf den ÖPNV deutlich einfacher. „Aber wir wollen auch Fahrerinnen und Fahrer anständig bezahlen, Stationen sauber halten, neue Linien eröffnen, Barrieren abbauen“, so Rottmann. Als Oberbürgermeisterin werde sie gemeinsam mit anderen Großstädten mit Bund und Land über Finanzierungsmodelle verhandeln.

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