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Nashornbulle Kalusho sagt hallo auf seine Art.      

Zoo Frankfurt wieder geöffnet

Emotionales Wiedersehen im Frankfurter Zoo

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Die Zootiere empfangen ihre ersten Besucher seit dem 13. März - die Freude ist auf beiden Seiten zu spüren. Einige Bereiche sind noch abgesperrt.

Punkt 9 Uhr am Mittwoch, ein weiterer kleiner Sieg gegen Corona, und ein sehr emotionaler: Die ersten Besucher seit dem 13. März betreten den Zoo. Unter ihnen: Familie Weckesser aus Hanau. Das sind Mutter Christine, Vater Tilmann, dessen letzter Tag der Elternzeit heute ist, und Tochter Martha (13 Monate), die gleich zum ersten Mal im Leben ein Zebra sehen wird, das nicht in einem Buch wohnt.

„Sie ist jetzt in der Phase, in der sie den Tauben hinterherrennt“, sagt Marthas Mama. Der Zoo: für sie eine ganz neue Sensation. Deshalb hat sich Tilmann Weckesser am Dienstag ganz dem Projekt Zootickets im Internet gewidmet – und tatsächlich drei für den Mittwoch ergattert. Inzwischen sind die Karten bis einschließlich Sonntag ausverkauft. 750 Menschen täglich dürfen hinein, in drei Schichten.

Der Zoo hat endlich wieder geöffnet. Einige Besucher stehen am Mittwochmorgen in der Schlange an der Kasse.

Alles strahlt: die Menschen, die Sonne und ja, auch die Tiere scheinen begeistert zu sein. Möglich, dass dieser erwachsene Besucher (männlich, von Beruf Journalist) der Erste ist, der am Morgen bei den Erdmännchen vorbeikommt – denn die sind fast außer sich. Zu dritt rennen sie auf den Mann zu und drängen sich an die Fensterscheibe. Die anderen etwa 100 Kerlchen schauen mit großen Augen. Na gut, nicht 100, aber ein gutes Dutzend ist es schon. Die haben wohl die Corona-Krise genutzt, um sich ordentlich zu vermehren. Eine gewisse Rührung ist offenkundig. Auf beiden Seiten der Scheibe.

Bei den Brillenbären begrüßt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) die Besucher einzeln, gibt ihnen Zoo-Informationsmaterial und hat für jedes der Kinder ein kleines Spielzeugtier. Martha bekommt einen Pinguin. „Ein großer Erfolg, dass die Eintrittskarten für die ganze Woche gleich ausgebucht sind“, sagt Feldmann, der sich schon tags zuvor mit Kulturdezernentin Ina Hartwig im Tierpark umgesehen und den Stand der Vorbereitungen bewertet hat. Etwa 23 000 Menschen, rechnet er hoch, können unter den geltenden Bedingungen binnen eines Monats in den Zoo kommen – immerhin. Verkauft werden die Karten zunächst nur für die ersten 14 Tage, um zu sehen, wie es läuft. Der OB geht davon aus, dass es gut läuft. Kein Gedränge am Eingang, alle sind vernünftig. Und voller Wiedersehensfreude. Die Gürteltiere im Außengehege des Grzimek-Hauses purzeln übereinander. Die Pfauen miauen (es hört sich jedenfalls so an), und wann war der Westkaukasische Steinbock je derart beliebt? Heute werden alle Tiere gefeiert und begrüßt – alle, die draußen zu sehen sind, denn die Häuser bleiben ausnahmslos geschlossen.

Familie Weckesser, vorfreudig.

Das ist bitter für die Menschenaffen, die bekanntlich besonders irritiert sind vom Ausbleiben der wenig behaarten Verwandten. Ihr Borgori-Wald ist großräumig abgesperrt, ebenso der Katzendschungel und der Spielplatz. Das bedeutet: Es kann auch noch niemand zu Kea Hobbit, dem Patentier der FR, das dahinter wohnt. Nur ein paar Worte zurufen kann man ihm. „Sei brav, Hobbit!“ – „Halt’s Maul!“

Man verhört sich mitunter im Zoo. Hervorragend ist der Blick auf die Humboldtpinguine, die wie aufgezogen wirken und an der Scheibe vor den Besuchern wirbeln, dass man sie gar nicht auseinanderhalten kann. Bei Nashorn Kalusho bleiben Kinder stehen und wollen erkannt haben: „Der langweiligt sich.“ Na, aber auf keinen Fall so sehr, wie er sich tags zuvor gelangweiligt hat. Der Mandschurenkranich sucht auffallend den Kontakt zu Menschen und bleibt unter Missachtung der sozialen Distanz (aber mit Zaun) vor ihnen stehen. Bei den Giraffen ist gerade die Familie Weckesser angekommen. Wer ist Marthas Favorit? „Bisher die Pinguine.“

Es ist ein emotionales Wiedersehen nach langer Zeit. Fast acht Wochen: „So lang war der Zoo nie geschlossen“, sagt Kurator Stefan Stadler, noch nie nach dem Krieg. Draußen auf der Rhönstraße hört man die Bonobos aus dem Menschenaffenhaus kreischen. Auch für sie soll sich die Lage wieder normalisieren, möglichst bald. Ein Anfang ist gemacht.

Tickets: www.zoo-frankfurt.de

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