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Emil Mangelsdorff: Sein Saxofon bleibt stumm

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Von: Oliver Teutsch

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Emil Mangelsdorff vor dem Holzhausen-Schlösschen, wo er bis ins hohe Alter auftrat.
Emil Mangelsdorff vor dem Holzhausen-Schlösschen, wo er bis ins hohe Alter auftrat. © dpa

Nach dem Tod der Frankfurter Jazzlegende Emil Mangelsdorff herrscht große Trauer.

Manchmal hat er einfach nur sein Saxofon sprechen lassen. Wie etwa beim Gedenken an den 75. Jahrestag des Hitler-Attentats, das 2019 in der Paulskirche begannen wurde. Während sich die Redner zuvor auf dem Podium über die Motivation des gescheiterten Attentats ausließen, kam der Zeitzeuge Emil Mangelsdorff auf die Bühne und entlockte seinem Altsaxofon nachdenkliche Töne.

Dabei hätte der begnadete Musiker sehr anschaulich aus jener Zeit berichten können, das hat er oft genug getan. Gerade deshalb ist die Trauer in Frankfurt groß. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) kondolierte am Sonntag via Twitter: Mangelsdorff sei nicht nur ein herausragender Musiker und wegweisend für den Jazz gewesen. „Mit ihm verlieren wir auch einen Zeitzeugen der Nazizeit, der am eigenen Leibe spürte, was es hieß, sich als Künstler dem Regime zu widersetzen. Wir werden ihn und seine wunderbare Jazz-Musik weiter in unseren Herzen tragen“, so Feldmann.

Seine Musik habe immer auch eine „politische Komponente“ gehabt, hatte Mangelsdorff noch zu seinem 95. Geburtstag gesagt. So sieht es auch Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg: „Sich als Zeitzeuge unermüdlich für Freiheit, Kultur und Vielfalt einzusetzen, war ihm ein ebenso großes Anliegen wie die Musik selbst.“

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) lobte in ihrer Reaktion nicht zuletzt das musikalische Vermächtnis Mangelsdorffs: „Frankfurt verliert eine Musiklegende. Gemeinsam mit seinem Bruder Albert hat Emil Mangelsdorff die deutsche Jazzlandschaft über Jahrzehnte geprägt. Seine früh geweckte Leidenschaft für den afroamerikanischen Musikstil gründete auf einem tief verwurzeltem Freiheitsverständnis.“ Wie groß sein musikalisches Vermächtnis ist, zeigte sich am Wochenende in den bundesweiten Kondolenzbekundungen. Denn Emil Mangelsdorff ist als musikalischer Botschafter viel herumgekommen und wurde schon 1957 nach Polen eingeladen. In ein Land, das unter dem Naziregime besonders gelitten hat.

Als Zeitzeuge, ergänzt Hartwig, habe Mangelsdorff stets daran erinnert, „dass künstlerische Freiheit eine unverzichtbare Grundlage unserer pluralistisch-demokratischen Gesellschaft ist.“ (Siehe auch Nachruf im Feuilleton)

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