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Eltern unterstützen

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Von: Judith Köneke

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Das Jüdische Familienzentrum bietet zahlreiche Kurse für Kinder und Eltern an, sie sind für alle offen. Christoph Boeckhele r
Das Jüdische Familienzentrum bietet zahlreiche Kurse für Kinder und Eltern an, sie sind für alle offen. Christoph Boeckhele r © christoph boeckheler*

Das erste Jüdische Familienzentrum Deutschlands hat im Westend eröffnet. Es ist offen für alle, unabhängig von Glauben und Herkunft

An den Wänden hängen viele kleine Leinwände. Lachende Gesichter von Eltern und Kindern schauen in den Flur des Jüdischen Familienzentrums im Westend, das am Dienstag offiziell eröffnet wurde. Seit Juni 2021 werden in den Räumen bereits Kurse angeboten, ab der Schwangerschaft, rund ums Baby, Kleinkind und Familienzeit. Aufgrund der Pandemie allerdings in abgespeckter Form, deshalb wurde auch die Eröffnung mehrmals verschoben.

Die anerkannte Bildungsstätte sei die erste derartige Institution in Trägerschaft einer Jüdischen Gemeinde, sagte Daphna Baum, Leiterin des Familienzentrums. „Wir sind offen für alle.“ Sie frage nicht nach der Religionszugehörigkeit und Herkunft. Und genauso bunt gemischt seien auch die Eltern, die kämen. Mehr als 100 Kinder und Eltern besuchten wöchentlich die Kurse. Man wolle zudem Familien unterstützen und bestärken.

Svenja Pasternack ist eine von ihnen. Seit der Geburt ihrer Tochter vor 14 Monaten ist sie ständiger Gast, besuchte den Rückbildungs-, Fabelkurs oder die offenen Krabbeltreffs. Man fühle sich wie in einer Großfamilie, schwärmt sie. Mitglied der Jüdischen Gemeinde ist sie nicht. „Ich habe mir ein komplett neues Netzwerk aufbauen können.“

In einem der Räume mit buntem Teppich, Bällebad und Spielzeug sind auch heute Kinder und ihre Eltern gekommen. Eine Gruppe unterhält sich auf Englisch. „Es ist einfach eine nette Atmosphäre hier“, findet Laura Casali, die gebürtige Amerikanerin wohnt in Sachsenhausen. Das Besondere sei, dass man sich auch um die Mütter und nicht nur um die Babies kümmere. Sie habe viele Freunde gefunden. Für Geflüchtete aus der Ukraine ist das Familienzentrum ebenfalls zur Anlaufstelle geworden. Sie werden durch spezielle Angebote unterstützt und in die Kurse integriert.

„Das Zentrum ist ein wirklicher Meilenstein für die Jüdische Gemeinde“, sagt der zuständige Dezernent und das Vorstandsmitglied Benjamin Graumann, „und keine Selbstverständlichkeit“. Ein wichtiges Signal nach innen und außen - gerade in Zeiten tiefer Verunsicherung unter Juden in Deutschland.

Sie sei ein großer Fan von Familienzentren, sagt Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne). Denn Prävention sei besser als Intervention, also je früher man Kindern und Eltern Hilfe geben könne, umso besser. Und es spare Geld. Hier könnten die Eltern sich Rat holen und zur Ruhe kommen, Kinder ihre ersten Begegnungen mit anderen machen. „Wir brauchen noch viel mehr solcher Orte in Frankfurt.“

Und das Zentrum will sein Angebot noch weiter ausbauen. „Wir haben noch viel vor“, sagt Graumann. Eigentlich seien die Räume jetzt schon zu klein. Man wolle viel erweitern und anpassen, so Baum. Ein Elterncafé, Vorträge und Workshops am Wochenende seien ebenfalls geplant.

Das Familienzentrum , Westendstraße 21, ist unter 768 036 470 oder familienzentrum@jg-ffm.de erreichbar.

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