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Sabine Funk ist Hebamme in Wiesbaden.  

Interview

Babywelt-Messe in Frankfurt:  „Die Eltern sollten sich keinen so hohen Druck machen“

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Hebamme Sabine Funk spricht anlässlich der Babywelt-Messe in Frankfurt über zu große Erwartungen und Hilfen für Mütter und Väter.

Sabine Funk ist seit mehr als 30 Jahren Hebamme und ist zusätzlich noch Entwicklungspsychologin. Die 55-jährige Wiesbadenerin hat drei Kinder und hilft besonders auch Frauen, die in emotional herausfordernden Situationen sind.  Auf der Babywelt-Messe in Frankfurt ist sie ebenfalls dabei.

Frau Funk, ist Elternsein heute schwerer als früher?
Ich glaube nicht, dass es schwerer ist. Der Mensch kann Elternsein, weil er ein liebevolles und familienorientiertes Wesen ist. Was es Eltern aber schwer macht, ist oftmals die wahnsinnige Informationsflut im Internet. Sie wissen dann gar nicht mehr, welchen Tipp sie umsetzen sollen. Dazu kommt ein großer Erwartungsdruck, den sich die Eltern selbst machen oder den sie von außen spüren. Gibt es dann Startschwierigkeiten mit dem Baby, können sich Überforderungsgefühle verstärken und die Situation verschlimmert sich, weil man alles perfekt machen möchte.

Wie versuchen Sie Eltern zu helfen?
Ein persönliches Gespräch hilft oft mehr als die Informationsflut, die es im Internet gibt. Eltern versuchen sich oft im Internet Hilfe zu holen, doch es ist meist schwer, für das persönliche Problem relevante Informationen zu bekommen, weil es eine zu große Anzahl von Lösungen gibt. Ich versuche dann, die relevanten Informationen zu vermitteln und maßgeschneiderte Lösungen zu finden und den Druck bei den Eltern rauszunehmen.

Was sind die häufigsten Probleme?
Die Eltern die mich kontaktieren, haben meistens ein Problem damit, dass ihr Kind sehr viel schreit oder ganz schlecht schläft. Das Baby kostet sie sehr viel Kraft, und der Alltag ist sehr anstrengend. Keiner der Tipps aus dem Familien- oder Freundeskreis fruchtet. Die Eltern sitzen dann oft vor mir, heulen und sagen, dass sie vollkommen verzweifelt sind.

Und wie helfen sie dann konkret?
Ganz wichtig ist es erst mal, genau zuzuhören. Welches Problem hat die Familie in welcher Situation? Ich frage die Eltern dann sehr viel und sie erzählen mir dann, wie sie mit ihrem Kind in verschiedenen Situationen umgehen und welche Verhaltensmuster sie haben. Dann überlegen die Eltern und ich gemeinsam und suchen nach einer individuell für die Familie passenden Lösung.

Wann sollten Eltern sich Hilfe suchen?
Grundsätzlich natürlich immer, wenn sie sich mit einer neuen oder schwierigen Situation überfordert fühlen und feststellen, dass allgemeine Tipps keine deutliche Verbesserung bringen. Dann ist es egal, ob sie ein Schreikind haben, Schlafprobleme oder andere emotionale Probleme auftauchen. Ich empfehle immer, sich nicht so lange alleine durchzubeißen. Denn eine frühzeitige Beratung ermöglicht es schon sehr früh, nicht zielführende Verhaltensmuster zu unterbrechen und andere Ansätze zu wählen.

Was werden Sie auf der Messe „Babywelt“ in Frankfurt anbieten?
Ich habe in der Halle einen Stand (C41), wo ich auch für ein persönliches Gespräch zur Verfügung stehe. Außerdem werde ich im Rahmen des Experten-Talks Vorträge im Plaza-Bereich halten. Samstag um 11.30 zum Thema „Babys verstehen“ und Sonntag um 11.30 Uhr zum Thema „Babys schlafen“.

Haben Sie noch einen generellen Tipp für Eltern?
Ich denke, die Eltern sollten sich keinen so hohen Druck machen, alles perfekt machen zu müssen. Sie sollten sich Zeit nehmen, ihr Baby kennenzulernen. Stress überträgt sich negativ auf das Kind und eine entspannte Haltung eben auch – nur sehr positiv.

Interview: Steven Micksch

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