Bildungsausschuss im Bürgerhaus Bornheim mit Teddy-Demo
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Bildungsausschuss im Bürgerhaus Bornheim mit Teddy-Demo

Frankfurt

Eltern fordern mehr Unterricht

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Eltern und Kinder protestieren mit Teddys vor dem Bildungssausschuss in Frankfurt und verlangen ein Konzept für die Kita-Öffnung.

Das Einhorn will zurück in die Kita. Das Löwenbaby fordert mehr Unterricht. Und der Bär findet: „Kinder brauchen Kinder.“ So steht es auf den Plakaten, die neben den Plüschtieren am Montagnachmittag vor dem Bürgerhaus Bornheim in Frankfurt sitzen. Dort soll gleich der Bildungsausschuss der Stadt tagen und die Initiative „Familien in der Krise“ hatte deshalb zur „Teddy-Demo“ aufgerufen. Weil Eltern mit „der Politik der hessischen Landesregierung und dem städtischen Umgang mit der Öffnung der Kitas und Schulen nicht einverstanden“ sind, sagt Angela Wolf von der Initiative.

Rund 40 Erwachsene und Kinder waren vor dem Bürgerhaus erschienen. Aber es sollte gar keine richtige Demo sein. Die findet am heutigen Dienstag um 15 Uhr in Wiesbaden vor der Staatskanzlei statt. Deswegen protestierten vor allem Teddys in Frankfurt. In Hessen haben die Viertklässler und die Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen bereits wieder eingeschränkten Unterricht, die weiteren Schulen und die Kitas öffnen am Montag. Eingeschränkt. Die Initiative fordert, dass an den Schulen mindestens 20 Stunden Präsenzunterricht stattfinden sollen. „So wie bisher geht es nicht weiter“, sagte Wolf. Ihre Grundschulkinder hätten einmal die Woche fünf Schulstunden Unterricht.Was mit dem Hort sei, sei noch völlig unklar. „Das ist alles ein schlechter Witz.“ Alles mögliche habe geöffnet, Veranstaltungen bis 100 Leute seien erlaubt, „aber wir Familien sind die letzten in der Kette.“ Ihre Mitstreiterin Isabelle Varga-Schmidt sagte: „Wir Eltern funktionieren nur noch. Das geht nicht mehr lange gut.“

Wann welches Kind wie oft in die Kita gehen darf, steht noch nicht fest. Die Initiative will erreichen, dass in Kitas die Unterscheidung zwischen systemrelevanten und nicht systemrelevanten Eltern aufgehoben wird. Bisher haben Eltern in systemrelevanten Berufen Anspruch auf eine Notbetreuung, sie werden auch weiterhin Priorität haben. „Alle Kinder sind systemrelevant“, sagte Susanne Kern von der Initiative. Die Kitas und Schulen müssten kreativer werden. Sich alternative Räume erschließen. Etwa Außenflächen, Turnhallen, Parks nutzen. Und Lehramtsstudierende einsetzen, zum Beispiel in der Notbetreuung, um die Kapazitäten an Lehrkräften für den Präsenzunterricht zu erhöhen. „Wir wollen auch die Arbeitgeber sensibilisieren“, sagt Varga-Schmidt. „Die gehen mehrheitlich davon aus, dass die Kita am Montag wieder losgeht und wollen das Homeoffice abschaffen.“

Die Organisatorinnen von „Familien in der Krise“ trugen ihre Forderungen im anschließenden Bildungsausschuss im Bürgerhaus vor. Zur Organisation der Schulen mit Lehrkräften und Unterricht konnte Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) keine Auskunft geben. Dafür ist das Land zuständig. Aber auch Sabine Fischer (CDU) wollte wissen, wann ein Konzept für die Rückkehr der Kita-Kinder vorliege. Weber sagte, dass man sich zwar schon etwas vorbereitet, aber man auf die Vorgaben vom Land gewartet habe. Doch das Land habe sich erst vergangene Woche geäußert und eigentlich keine Vorgaben gemacht. „Nun müssen wir es innerhalb von einer Woche hinbekommen.

Am heutigen Mittwoch gebe es Gespräche mit Ärzten und dem Gesundheitsamt, am Donnerstag mit den Trägern. Es werde um Gruppengrößen, Präsenzzeit, Essen gehen. „Am Freitag können wir das Konzept vorstellen“, sagte Weber. Ziel sei es, eine einheitliche Regelung zu verankern, „damit alle wissen woran sie sind.“ Und allen Kindern solle „ein Betreuungsangebot gemacht werden können – wie umfangreich es sein wird, wird man sehen“.

Birgit Ross (Grüne) findet, dass das Land nicht schon vor drei Wochen hätte Vorgaben machen können. Bei der Dynamik der Pandemie sei das nicht zu leisten. „Und ein Konzept kann nur von jeder Kita selbst entwickelt werden.“ Nur sie wüssten um die personellen und räumlichen Bedingungen. Ross ist gespannt auf das Konzept der Dezernentin. „Es kann kein Großes sein – nicht, weil Sie es nicht können, sonder weil wir in einer Krise sind und nicht wissen, was nächste Woche ist.“

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