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Familiensache Klimaschutz: Am Samstag demonstrierten Eltern und Kinder.

Demo für mehr Klimaschutz

Eltern demonstrieren mit ihren Kindern für Klimaschutz

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Jung und Alt gehen gemeinsam für mehr Klimaschutz auf die Straße. Rund 500 Teilnehmer zählt die Polizei bei „People for Future FFM“ mit ihren Kindern.

Es ist dann doch eine beeindruckende Menschenmenge, die sich am Samstagabend um 19.30 Uhr am Brunnen vor der Alten Oper trifft. Irgendeine Zahl zwischen 400 und 500, schätzt die Polizei vor Ort. Und es werden auch nicht weniger, als Vera Schilling, eine der Organisatorinnen, vor Beginn alle der Demo verweist, die an Rassismus, Homophobie und ähnlichen Übeln leiden. Zudem scheinen auch alle gewillt, beim Demonstrieren keinen Müll auf die Straße zu schmeißen und weder Bier zu trinken noch zu rauchen, „weil ja auch Kinder mitlaufen“.

Das ist keinesfalls übertrieben. Deutlich mehr als die Hälfte der Menschen, die dem Aufruf von „People for Future FFM“ gefolgt sind, sind wohl Schülerinnen und Schüler – wenige davon noch im Martinsumzug-Alter, die meisten eher Oberstufe oder Postabiturienten mit ersten Outdoor-Demo-Erfahrungen im Hambacher Forst. Jedenfalls sind es die Jungen, die im Verlauf des Zuges von der Alten Oper zum Römer die Song- und Parolenauswahl übernehmen - vom eher modernen „Oh rettet das Klima“ zur Melodie des White-Stripes-Fanblockriffs „Seven Nation Army“ bis zum auch für die Alten generationsgerechten „We want climate justice“ zur Queen-Kamelle „We Will Rock You“.

Aus „Parents for Future“ wird „People for Future“

„People for Future“ ist ein Frankfurter Original. Die Initiative speist sich aus den Schülern, die auch in Frankfurt schon seit Wochen freitags für das Weltklima demonstrieren, und den ebenfalls bundesweit aktiven „Parents for Future“, die ihren Nachwuchs bei der freitäglichen Klassenraumumgehung nicht nur moralisch unterstützen wollen. „People für Future“ will niemand ausgrenzen, nicht Alt noch Jung, nicht Dick noch Dünn, lediglich Rassisten und Konsorten – und da muss man sagen: Zumindest dem Augenschein nach hat das ganz gut funktioniert.

Außer die Teilnehmerzahl zu schätzen, hat die Polizei an diesem Abend nicht viel zu tun; die Demo ist stattlich, unüberseh- und -hörbar, hat ansonsten aber das Aggressionspotenzial einer Skifreizeit. Einige der Abendschwärmer, die wie gewohnt um diese Zeit ihre Sundowner in Citynähe zu sich nehmen, registrieren die Eltern-Kind-Demo mit einer Mischung aus Befremden und Erheiterung. „Das ist auch euer Planet!“, ruft eine junge Demonstrantin den Gästen entgegen, die am Friedrich-Stoltze-Platz draußen vor dem „Helium“ hocken, erntet dafür aber bloß ungläubiges Gekicher. Lediglich eine junge Frau scheint ganz kurz mal über die Erwärmungsproblematik als solche nachzudenken und schiebt ihren geeisten Mojito ein Stückchen weiter weg vom Heizpilz.

Verkehr zur „Earth Hour“ zum Erliegen gebracht

Einen kurzen Moment des Ungehorsams gibt es lediglich einmal, als der Zug die Berliner Straße zum Paulsplatz überquert. „Hoch mit dem Widerstand, runter mit der Kohle“, rufen die Demonstranten, und wer das Dank der Kraft der Jugend noch kann, hockt sich im Takt hin und erhebt sich wieder. Für ein paar Minuten kommt der Verkehr entlang der Wiege der deutschen Demokratie zum Erliegen, aber die Autofahrer tragen es mit stoischer Gelassenheit. Schließlich ist gerade „Earth Hour“, da verpasst man ohnehin nichts Spektakuläres.

So endet der Zug denn auch vor einem zur Feier der Stunde stockfinsteren Römer. Es wird gesungen, wer gegen Kohle ist, der hüpft auch dazu. Fast alle sind gegen Kohle. Wer nicht hüpft, hat eine Kerze in der Hand. Manche Eltern filmen die Szene mit ihrem Handy, weil sie das vom Schülertheater so gewohnt sind – bis eine Schülerin sie darauf hinweist, dass das zur „Earth Hour“ verboten ist. Dabei hatten die Organisatoren im Vorfeld mitgeteilt, dass Handys erlaubt seien, „die ihr zu Hause mit 100 Prozent Ökostrom aufgeladen habt“. Aber wie will man das in dem Moment beweisen?

„Der Zorn der Eltern“, ruft Vera Schilling am Ende, „trifft normalerweise die Teenager, aber die können das ab!“ Ob Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU), der die Freitagdemonstranten als Schulschwänzer diffamiere, den auch abkönne, bezweifelt sie. Dann aber verrät sie abseits der Öffentlichkeit, was die vereint Marschierenden dennoch trennt: „Die Jungen sind enttäuscht, dass die Demo jetzt schon zu Ende ist, die wollen weitermachen. Aber wir Alten sind müde und wollen endlich ins Bett!“

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