Eltern demonstrieren

Demo für mehr Hortplätze auf dem Römerberg

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Die angespannte Lage bei der Kinderbetreuung treibt in Frankfurt die Eltern auf die Straße.

Auf den Transparenten steht „Kein Hortplatz, kein Arbeitsplatz“. Oder „Hortplatz für jedes Kind – Politik, wann kriegst Du’s hin“. Rund 50 Erwachsene und Kinder aus dem Westend, aus Rödelheim und Nied haben am Montagnachmittag auf dem Römerberg für mehr Betreuungsplätze für Grundschüler demonstriert. Auch Nadja Scholz-Wendenburg. Vergangenes Jahr hat sie bereits ein Kind eingeschult – auf einer Privatschule. Weil sie keinen Hortplatz hatte. Nun steht die berufstätige Mutter aus dem Westend für das nächste Kind bisher wieder ohne da. „Wir sind ohne Betreuungsplatz total aufgeschmissen“, sagt sie. „Die Schule endet um 11.20 Uhr. Es ist utopisch, so arbeiten gehen zu können.“

Auch im Bildungsausschuss am späteren Nachmittag tragen die Demonstranten ihr Anliegen Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) vor. Alexandra Riemann, ebenfalls aus dem Westend, versteht nicht, dass ihr Sohn „fast sieben Jahre auf der Welt ist und Frankfurt es nicht schafft, ihn einzuplanen“. Sie komme sich bei der Suche nach einem Hortplatz vor, als würde sie „Lotto spielen“. Sie hätten im Stadtteil nun einen Vermieter gefunden, in dessen Haus eine Einrichtung aufmachen könnte. „Wir hoffen, dass das nicht an der Finanzierung durch die Stadt scheitert.“

Weber verweist darauf, dass man durchaus wisse, wie viele Kinder in Frankfurt geboren werden. „Doch durch das starke Wachstum der Stadt müssen bis zu 1500 Betreuungsplätze im Jahr geschaffen werden.“ Und bei Neubauten und Nachverdichtungen sei nicht immer abzuschätzen, wie viele Familien einziehen würden. Allein aber schon um auf den für 2025 geplanten Rechtsanspruch für die Betreuung von Grundschülern vorbereitet zu sein, würde man natürlich etwas tun. „Es wäre fahrlässig, zu warten.“

Seit ihrem Amtsantritt 2016 hat Weber mehr als 180 Hortplätze geschaffen und mehr als 1100 Betreuungsplätze an Schulen. Insgesamt gibt es rund 16 300 Plätze in der Stadt. Immer noch nicht genug. Denn der Ausbau ist schwierig. Gerade im Westend etwa, „gibt es kaum Grundstücke“, sagt Weber. Wenn es da einen potenziellen Vermieter gebe, „dann schauen wir uns das natürlich an. Aber wir können auch nicht jeden Preis zahlen“.

Derzeit prüfe die Stadt, ob die Erweiterte Schulische Betreuungen (ESB) an der Elsa-Brandström-Schule im Westend aufzustocken sei. In Rödelheim könnten zehn Plätze an der ESB der Michael-Ende-Schule geschaffen, an der Niddaschule in Nied die ESB um zehn Plätze erweitert werden. „Wir versuchen verschiedene Alternativen zu finden.“

Merve Ayyildiz (Linke) wendet ein, dass der Ausbau der Betreuung für Grundschüler nicht Stadtteil für Stadtteil zu lösen, sondern für die gesamte Stadt angegangen werden müsse. „So wie beim U3-Ausbau.“ Auch Weber will nicht immer nur kurzfristige Lösungen finden müssen und „von der Hand in den Mund leben“, sagt sie. Ein Gesamtkonzept für ganztägig arbeitende Grundschulen werde derzeit erarbeitet. Förderprogramme von Stadt und Land sollen dabei verbunden, drei Modelle der Ganztagsschule entwickelt werden. „Wir brauchen dringend Plätze und wollen es deshalb zügig voranbringen“, sagt Weber.

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