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Im Fan-Bus durch London.

Fußball

Eintracht Frankfurt-Fans inkognito in London

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5000 Eintracht Frankfurt-Fans reisen zum Europacup-Spiel – viele in geheimer Mission.

Und dann, als der ICE den Bahnhof von Brüssel fast erreicht hat, hat der Zugchef noch eine Bitte an die vielen Passagiere, die in den Eurostar in Richtung London umsteigen: „Kommt mit dem Finalticket nach Hause.“ Da klatschen die Herrschaften in den Eintracht-Trikots, und kaum jemand denkt mehr daran, dass die Frankfurter nicht eben als Favorit zum Spiel gegen Chelsea reisen.

Es gibt ein Lied, das in der Fankurve des Stadions gerne gesungen wird – es endet so: „Ob mit Bus oder Bahn oder Flugzeug, scheißegal, Eintracht Frankfurt international.“ Selten war der Gesang so passend wie am Donnerstag, denn die Frankfurter sind auf ganz unterschiedlichen Wegen nach London gelangt: Mit dem Zug. Auf zwölf- bis 16-stündigen Bustouren. Oder mit dem Flugzeug. Wobei viele Anhänger kurzfristig in Panik gerieten. Unter den Flügen, die wegen der Drohnensichtung in Frankfurt gestrichen wurden, war auch eine Verbindung nach London. Um die Fans doch noch nach Großbritannien zu befördern, setzte die Lufthansa am Mittag kurzerhand den riesigen A330 ein.

Wie viele Frankfurter am Donnerstagabend im weltberühmten Stadion an der Stamford Bridge sind? So genau kann das keiner sagen. Fakt ist: Die Eintracht-Fans haben rund 2200 Tickets zur Verfügung gestellt bekommen. Aber: Etwa zehnmal so viele Menschen wären gerne zum Spiel gereist. Also deckten sich viele auf teils teuren, teils auch dubiosen Wegen mit Tickets ein, die eigentlich Chelsea-Fans vorbehalten sind. Dort, so die immer wieder geäußerte Warnung aus London, dürfen sie sich aber keinesfalls als Frankfurter zu erkennen geben. Und so machen sich viele der vielleicht 5000 Eintracht-Anhänger inkognito auf den Weg ins Stadion.

Überhaupt treten die Hessen längst nicht so massiv auf wie zum Beispiel bei den Spielen in Rom oder Mailand. Zwar gibt es einen Fanmarsch, bei dem viele Hundert Eintrachtler gemeinsam die knapp sechs Kilometer vom Leicester Square ins Stadion zurücklegen. Doch den Tag über verteilen sich die Frankfurter in der Stadt.

Vor allem aber trifft man sie in Pubs. Etwa im „Euston Flyer“ gegenüber der Britischen Nationalbibliothek, in dem der Boden klebrig und die Luft stickig ist. Frank und seine Freunde aus der Wetterau hatten dort am Mittwochabend bereits das irre Champions-League-Spiel zwischen Tottenham und Amsterdam verfolgt. Am Ende lagen sich alle im Pub in den Armen, Stühle und Tische fielen um.

Am Donnerstagmittag sitzen die Frankfurter wieder im „Euston“, singen Eintracht-Lieder, bis die Bedienung genervt schaut, und trinken sich Mut an. Dann aber muss Frank ins Hotel, sein Trikot gegen ein Hemd tauschen. Auch er sitzt im Stadion auf einem Platz, der Chelsea-Fans vorbehalten ist. Und so wird aus einem der treuesten Eintracht-Fans mit einem Mal ein ganz normaler London-Tourist.

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