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Eisregen sorgt für Rutschpartie in Frankfurt

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Von: Steven Micksch, Florian Leclerc

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Kurze Erholungspause an der Säule, bevor die Rutschpartie am Südbahnhof weitergeht.
Kurze Erholungspause an der Säule, bevor die Rutschpartie am Südbahnhof weitergeht. Monika Müller © Monika Müller

Der Eisregen sorgt für viele Unfälle, legt den Schienenverkehr teilweise lahm und lässt Flugzeuge nicht landen.

Die Straße im Frankfurter Stadtteil Bockenheim war am Montagmorgen glatt. So glatt, dass man in Winterstiefeln meterweit rutschen konnte. Um sich dann an einer Straßenlaterne festzuhalten. Und den Weg mit kleinen, bedachten Schritten fortzusetzen. Am besten dort, wo gestreut war.

Die Warnungen der Meteorolog:innen waren berechtigt. In der Nacht zum Montag fiel Regen auf den gefrorenen Boden, und es bildete sich gefährliches Glatteis. Das sorgte für chaotische Verhältnisse im Verkehr.

Feuerwehr spricht von Ausnahmezustand

Die Frankfurter Feuerwehr fasste ihren Montag mit dem Wort „Ausnahmezustand“ zusammen. Ab vier Uhr morgens führte der gefrorene Regen zu einem rasanten Anstieg von Einsätzen für den Frankfurter Rettungsdienst. Vorrangig mussten gestürzte Personen versorgt werden. Damit verbunden waren chirurgische Notfälle wie Prellungen, Platzwunden oder auch Knochenbrüche, so die Feuerwehr in ihrer Pressemeldung. Gegen halb acht sei dann der Ausnahmezustand im Rettungsdienst ausgerufen worden.

Bis zum Mittag gab es doppelt so viele Rettungsdienstfahrten wie an einem normalen Tag. Über den ganzen Tag gesehen, werden üblicherweise bis zu 400 Einsätze gefahren. Am Montag könnten es durchaus 800 werden, hieß es zwischenzeitlich. Um die Notfallversorgung aufrechtzuerhalten, wurden frühzeitig Löschfahrzeuge und weitere Rettungswagen der Feuerwehr zur Erstversorgung eingesetzt. Die Einsatzkräfte auf diesen Fahrzeugen seien auch rettungsdienstlich ausgebildet, so die Mitteilung.

Im weiteren Verlauf wurden Rettungs- und Krankentransportwagen durch die Hilfsorganisationen (ASB, DRK, JUH und MHD) besetzt. Zusätzlich wurden Einsatzkräfte der freiwilligen Feuerwehren und weitere Katastrophenschutzeinheiten aus Frankfurt alarmiert, teilweise um die Feuerwachen im Grundschutz für Brände und Hilfeleistungen zu ergänzen, da die Berufsfeuerwehr zu Notfalleinsätzen eingesetzt werden musste. Teils um Mannschaftstransportfahrzeuge zu fahren, die mit Rettungssanitätern und Auszubildenden der Notfallsanitäterlehrgänge besetzt waren, um Menschen erstzuversorgen oder in Kliniken zu bringen.

Straßenbahnen und U-Bahnen fallen aus

Innerhalb kurzer Zeit seien an diesem Morgen so mehr als 30 zusätzliche Rettungsfahrzeuge mit dienstfreiem und ehrenamtlichem Personal besetzt und in den Einsatz geschickt worden. Am Mittag habe sich die Lage dann entspannt. Bis dahin registrierte die Polizei etwa 60 Unfälle im gesamten Stadtgebiet - „alles Blechschäden“, wie ein Sprecher sagte. Verletzte habe es glücklicherweise nicht gegeben. Betroffen war auch die Busgesellschaft ICB, die nach eigenen Angaben zwei kleine Unfälle zu verzeichnen hatte. Ansonsten hätten die Busse aber fahren können.

Das bestätigte auch die Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq. Im Busverkehr sei es am Montagmorgen zu Verspätungen und einzelnen Ausfällen gekommen, ansonsten sei der Busverkehr aufgrund der frühzeitigen Information weitgehend störungsfrei gelaufen, sagte der Sprecher. Straßenbahnen und U-Bahnen fuhren bis zum Mittag nicht; Dann fing es an zu tauen. Laut Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) wurden für die U-Bahnen U1, U2, U3 und U8 Schienenersatzverkehr-Taxen im Abschnitt zwischen Dornbusch und Heddernheim angefordert. Zwischen Dornbusch und Südbahnhof verkehrten vereinzelte Züge.

Bei den S-Bahnen kam es laut Sprecherin in den frühen Tagesstunden zu Verspätungen. Zwischen 12.30 Uhr und 14 Uhr sei die S3 aufgrund von Eisglätte vorsorglich nicht zwischen Bad Soden und Frankfurt Rödelheim, ebenso die S4 nicht zwischen Kronberg und Frankfurt Rödelheim gefahren. Auch auf der Linie RB 15 kam es demnach zu Fahrtausfällen. Ersatzbusse waren im Einsatz. Der Frankfurter Flughafen musste 190 Flüge streichen - 1100 Starts und Landungen waren an diesem Tag angesetzt. Die Wartezeiten in den Terminals waren laut Fraport höher als sonst. Reisende wurden gebeten, sich vor ihrem Flug zu informieren, ob ihre gebuchte Maschine startet, und dann möglichst früh zum Check-in-Schalter zu kommen.

Müll wird mit Verzögerung abgeholt

In Bockenheim machten die Menschen das Beste aus der Situation. Ein Vater zog seinen Sohn auf einem Schlitten über den Eisparcours - das Kind jauchzte vergnügt. Eine Mutter erzählte ihrer Tochter, sie habe gehört, man solle alte Socken über die Schuhe ziehen, um nicht wegzurutschen. „Das hätten wir mal machen sollen.“ Ein Verkäufer an einem Stand für Obst und Gemüse verteilte derweil eifrig Streusalz auf dem Gehweg, damit es rund um den Stand an der Leipziger Straße rutschfrei zuging. Unterdessen liefen viele Menschen auf der Straße statt auf dem Bürgersteig, weil auf den Straßen gestreut war.

Das Straßenverkehrsamt registrierte insgesamt weniger Autoverkehr als an einem gewöhnlichen Montagvormittag. „Unsere Verkehrsleitzentrale hat den Eindruck, dass sehr viele Menschen den Verhaltensempfehlungen der Unwetterwarnung gefolgt und daheim geblieben sind, wenn sie denn konnten“, sagte der Sprecher. Es sei auch kein Problem gewesen, dass Fußgänger:innen auf den gestreuten Straßen unterwegs gewesen seien.

Auch die Post erklärte auf Nachfrage, dass die Auswirkungen des Glatteises spürbar waren. „Allerdings sind unsere Betriebsstätten unterschiedlich betroffen, so dass man das entsprechend differenziert betrachten muss und sich kein einheitliches Bild ergibt“, erklärte ein Unternehmenssprecher. Die Sicherheit gehe in jedem Fall vor, weshalb die Leitungen vor Ort entscheiden würden, „was unter dem Aspekt Sicherheit für unsere Mitarbeiter:innen betrieblich möglich ist – und was eben nicht“. Verzögerungen in der Postzuführung und -zustellung könnten in Einzelfällen nicht ausgeschlossen werden. Das Winterwetter könne jetzt vor Weihnachten immer eine Variable sein, die auch das Postgeschäft beeinflussen und folglich zu Verzögerungen führen könne.

Die FES (Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH) konnte eigenen Angaben zufolge den Müll erst später oder gar nicht abholen. Das habe Sperrmüll, Hausmüll und Altglas betroffen. Die Touren seien am späten Vormittag neu gestartet worden, weitere Touren würden im Laufe der Woche nachgeholt.

Hand in Hand rutscht es sich besser.
Hand in Hand rutscht es sich besser. © Monika Müller

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