+
Die Eisbahn am Eisernen Steg hat am Sonntag erstmals geöffnet.

Frankfurt

Eisbahn in Frankfurt frei

  • schließen

Am Eisernen Steg kann man jetzt auch Schlittschuh laufen – wenn auch nur Kurzstrecke.

Wenn Kinder im Winter maulen wollen, verlangen sie ein Eis. „Im Winter gibt’s kein Eis“, sagen die Eltern dann so lange, bis sie das Maulen leid sind und den Kindern ein Eis kaufen, weil es das im Winter natürlich doch gibt. Anschließend maulen Kinder (zu klein, zu kalt) und Eltern (zu teuer) gemeinsam.

Die Frankfurter sind in vielerlei Hinsicht wie Kinder. Um der ewigen Nörgelei zu entgehen, hat die Stadt diesmal versucht, den Bewohnern ein Eisbähnchen unterzumogeln. Seit dem Nikolausfreitag gibt es nun die Möglichkeit, am Eisernen Steg zwischen Weihnachtsmarkt und Schiffsanlegestelle Pirouetten zu drehen. Normalerweise hätte man um sowas eine Riesen-Buhei gemacht, mit Oberbürgermeister und Fototermin und Pressekonferenz, aber der Feldmann begibt sich offenbar nur aufs Eis, wenn ihm zu wohl ist, und das scheint gegenwärtig nicht der Fall zu sein.

Nun ist die Eisbahn halt da. Der erste Eindruck: zu klein! Die Eisfläche von siebeneinhalb mal 30 Metern macht einen zünftigen Wurf-Lutz schwierig bis unmöglich, aber das Angebot richtet sich in erster Linie auch an Eislaufnovizen. Wer angeben will, ist in der Angeberkommune Bad Homburg (500 Quadratmeter Eisfläche, Champagnerluft) traditionell besser aufgehoben.

Wenigstens ist es nicht zu kalt. Am frühen Sonntagabend ziehen ein paar Unverdrossene im Nieselregen ihre Bahnen. Sie hinterlassen, ähnlich wie die Schiffe im Main, gut sichtbare Bugwellen auf dem Wasser, das das Eis bedeckt. Die meisten sind Anfänger. Ein Könner und Poser, der das spärliche Publikum mit einer gewagten Pirouette in Ekstase versetzen will, verheddert sich in den Fluten, stürzt und wird mit einem nassen Hintern und höhnischen Kommentaren belohnt. Ein paar Kinder sammeln die Matscheisbrocken, die hin und wieder von der Bahn spritzen, und versuchen sie zu Schneebällen zu formen. Es gelingt nicht, weil es sich eher um Schneeersatzflüssigkeit handelt.

Und zu teuer ist es auch nicht. Die Stadt ist guten Mutes, dass das Budget von 100 000 Euro für das Eisbähnchen ausreichen wird bis zum Ende am 19. Januar. Aber wer was zum Meckern sucht, der findet es auch: Hanns-Peter Laux, Vize-Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, hatte bereits vor der Eröffnung in der „Hessenschau“ gemosert, dass an diesem Standort „definitiv nichts los sei“ (falsch) und die Eisbahn dem Einzelhandel keinen Gewinn bringe (richtig). Manche vermuten auch, die Stadtverwaltung wisse immer noch nicht so recht, was sie mit dem für den Autoverkehr gesperrten nördlichen Mainufer eigentlich anfangen solle, und habe jetzt halt mal eine Eisbahn dorthin gestellt.

Die Eisbahn ist in jedem Fall der gefrorene Beweis dafür, dass die Uhren in Frankfurt ein bisschen anders ticken als anderswo. Da sind zum einen die Besucher: Stoisch drehen die meisten Eisläufer ihre Runden im Uhrzeigersinn, wohlgefällig ruhen ihre Augen bei jeder Runde auf einem Schild, das „Immer gegen den Uhrzeigersinn laufen“ befiehlt.

Und da sind zum anderen die Aufsteller: Während die meisten Eisbahnbauer ihr Werk mit Tannenbaum und Weihnachtsplunder verkitschen, hat die Stadt Frankfurt in direkter Nachbarschaft in Reih und Glied eine Batterie schmucker Einheits-Klohäuschen aus Plastik drapiert, damit auch Gäste aus dem Europaviertel sich wie zu Hause fühlen können.

Ein paar junge Leute auf E-Scootern betrachten am Sonntagabend kurz diese neue, hippe Form der Fortbewegung auf glattem Grund, verlieren aber schnell das Interesse, als sie feststellen, dass man Schlittschuhe hier zwar leihen kann, sie aber anschließend zurückgeben muss und nicht mitten auf den Gehweg schmeißen darf – und fahren weiter. Das ist wohl auch gut so, denn die Eisbahn ist ohnehin ein bisschen zu klein und der Weihnachtsmarkt ein bisschen zu voll.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare