La Poche à Trou auf dem Merianplatz.
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La Poche à Trou auf dem Merianplatz.

Nordend

Der Eisbär heult zu Edith Piaf

  • vonMadeleine Hesse
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Das Trio La Poche à Trou spielt in Frankfurts Fußgängerzonen Chansons und Swing mit eigener Note. Ihr Ziel: Den öffentlichen Raum mit Musik zu beleben.

Der Wind trägt eine eher ungewöhnliche Stimmlage zu eingängigen Akkordeonmelodien, Gitarren- und Kontrabassklängen die U-Bahnstation hinab. Es ist ein Feierabend auf dem Merianplatz. Doch die Fahrgäste und Spaziergänger eilen nicht nach Hause. Sie bleiben stehen, um dem Trio „La Poche à Trou“ zu lauschen, das in einer zugigen Häuserecke zu spielen begonnen hat.

Nicht nur, weil Sänger Elliot Ayling am Akkordeon unter schnellem Wiegen seines ganzen Körpers Eisbärengeheule von sich gibt. Insbesondere während der klassischen Chansons von Edith Piaf oder George Brassens halten Passanten an. Das französische Flair zieht, weiß auch das Trio.

Doch wird Frankfurt das romantische Paris sicher nicht als neue Stadt der Liebe ablösen, da sind sich Elliot Ayling, Moritz Koser und Jens Kleemann einig. Obwohl sie selbst viele Chansons zum Thema l’amour – die Liebe – spielen, möchte das 2015 gegründete Trio nicht mit Romantik in Verbindung gebracht werden. Ihr Repertoire von Reggae über Musette bis Swing haftet mit gelben Wäscheklammern fest am Notenständer. Regelmäßig adaptiert Elliot Ayling die Klassiker mit eigenen, äußerst unromantischen Lautkreationen.

Tatsächlich war es aber die Liebe, die den gebürtigen Elsässer von Istanbul nach Frankfurt zog. In der Türkei spielte Ayling bereits mit anderen Musikern auf der Straße. In der Wahlheimat Hessen suchte er eine neue Gruppe für französische Chansons. Das sei nicht leicht gewesen, erinnert sich der Integrationsassistent. „Es ist schwer, Musiker zu finden, die auf der Straße spielen wollen. Das hat einen schlechten Ruf.“ Elliot Ayling hingegen schätzt die Straße als „Proberaum, auf dem man sich mehr Mühe gibt, mehr Emotionen zeigt.“

Straßenbild mit Musik beleben

Moritz Koser und Jens Kleemann lernte er auf Frankfurter Jam-Sessions kennen, auf denen er gezielt nach Musikern suchte. Sie waren von der Atmosphäre angezogen, die ihnen die Straßenmusik versprach. „Es ist eine schöne Möglichkeit, mit den Menschen Kontakt zu knüpfen“, sagt Gitarrist Jens Kleemann. Auch Musikstudent Moritz Koser geht es darum, „den öffentlichen Raum, das Straßenbild mit Musik zu beleben. Viele Menschen bleiben lieber in ihren vier Wänden.“

Ihre Tonträger mit eigenhändig beklebtem Cover verkaufen La Poche à Trou aus dem Gitarrenkoffer heraus, die Visitenkarte ist ein mit Kontaktdaten bestempelter Bierdeckel. „Wir haben kein richtiges Marketing“, sagt Ayling. „Wir werden aber von vielen Passanten auf der Straße angesprochen, ob wir nicht auf Geburtstagen oder Hochzeiten spielen möchten.“

Der Name des Trios spielt, wenn auch grammatikalisch unkorrekt, auf ein Loch an, das ihnen lauter erspieltes Kleingeld in die Hosentasche reißt. In Bornheim sind die Musiker den Passanten ein Begriff. Sie treten gelegentlich auch auf öffentlichen Festen im Rhein-Main-Gebiet auf. In Frankfurts Fußgängerzonen ziehen La Poche à Trou regelmäßig, aber je nach Wetter und Laune umher. „Je ne sais jamais, ou je vais“ – „ich weiß nie, wohin ich gehe“ – singen sie. Die Textzeile scheint Programm. Die nächsten Auftritte des Trios sind am 1. Juli in der Straußenwirtschaft, Haingasse 4 (Bergen-Enkheim), am 14. Juli im „Niewo“, Günthersburgallee 93 (Nordend) und vom 25. bis 26. August beim Waldeck Freakquenz Festival, Burg Waldeck 1, in Dorweiler.

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