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Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus installiert ein Mitarbeiter in einem Supermarkt eine Plexiglasscheibe.

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Einzelhandel in Frankfurt sucht nach Lösungen im Umgang mit Coronavirus

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Abstand halten ist wegen des Coronavirus notwendig, doch vor allem im Einzelhandel ist das nicht so einfach. Betreiber in Frankfurt suchen jetzt nach Lösungen.

  • Abstand halten ist in Zeiten des Coronavirus besonders wichtig
  • Für Supermärkte in Frankfurt ist das nicht so einfach
  • Verdi fordert einen besseren Schutz für die Beschäftigten  

Frankfurt - Der alte Mann hat gerade seinen Einkauf im Trolley verstaut, da ruft er zum Abschied den Kassierern im Penny auf der Mainzer Landstraße noch zu:„Bleibt gesund. Wir brauchen euch!“ Als Antwort kommt ein müdes Nicken. Gesund zu bleiben ist nicht so einfach in diesen Zeiten. Dicht an dicht stehen die Kunden an der Kasse, außer einem fotokopierten Din-A-4-Blatt mit der Bitte um Rücksicht weist nichts auf die besondere Corona-Situation hin. 

Coronavirus in Frankfurt: Abstand halten ist notwendig

Auch im Tegut an der Friedberger Warte herrscht das übliche Gedränge an der Kasse, aber es gibt keine sichtbaren Schutzvorkehrungen, obwohl alle Stellen darauf hinweisen, wie wichtig Abstand zwischen den Menschen derzeit ist, um Ansteckung zu vermeiden. Beim DM-Drogeriemarkt an der Berger Straße regelt dagegen ein Mitarbeiter den Einlass und achtet darauf, dass nicht zu viele Kunden gleichzeitig den Laden betreten.

Coronavirus große Herausforderung für Supermärkte in Frankfurt: Besserer Schutz für Arbeitnehmer gefordert

Einen besseren Schutz für die Arbeitnehmer im Handel hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bereits gefordert. Alleine im Einzelhandel gebe es täglich 50 Millionen Kundenkontakte. Daher müssten die Pausen enger getaktet werden, um ein regelmäßiges Händewaschen zu ermöglichen. Auch das Arbeitsgerät müsse öfters desinfiziert werden. Außerdem forderte die Gewerkschaft, mehr Möglichkeiten zum bargeldlosen Bezahlen zu schaffen, beispielsweise per Karte oder Handy. Mitarbeiter aus Risikogruppen sollten zudem nicht an Arbeitsstellen eingesetzt werden, die einen engen Kontakt mit Kunden oder Lieferanten voraussetzen.

Coronavirus in Frankfurt: Supermärkte sensibilisieren für Hygienevorschriften

Unternehmen wie Lidl oder Aldi Süd berichten auf Anfrage, dass sie ihre Mitarbeiter bezüglich der Hygienevorschriften sensibilisieren. Außerdem werde zusätzliches Desinfektionsmittel bereitgestellt. Ganz praktisch geht es in Sachen Kundenkontakt bei Aldi in Mainz-Kastel zu. Dort signalisieren Zahlen am Boden dem Kunden, wo er zu stehen hat.Auch die geplante Ausweitung der Ladenöffnungszeiten kritisiert Verdi scharf.

Hohe Belastung für Beschäftigte in Supermärkten durch Coronavirus in Frankfurt

Doch nicht nur die Gesundheit des Marktpersonals macht der Gewerkschaft Sorgen. Auch dass beispielsweise Kassiererinnen und Kassierer nicht als kritische Leistungsträger eingestuft waren, die ihre Kinder trotz der Schließungen von Schulen oder Kitas betreuen lassen können, stieß bei Verdi auf scharfe Kritik.

Arbeitnehmer im Handel besäßen meist keine großen finanziellen Rücklagen, die sie für private Kinderbetreuung aufbringen könnten, sagt Gewerkschaftssekretär Horst Gobrecht. Aus demselben Grund könnten sie auch nicht einfach daheim bleiben. Alleinerziehende träfen die Kita- und Schulschließungen besonders hart.

Coronavirus in Frankfurt: „Individuelle Lösungen" für Mitarbeiter in Supermärkten

Das Thema ist auch bei den Supermarktketten präsent. Die Rewe Group, zu der Rewe und Penny gehören, teilt auf Nachfrage mit, dass sie zusammen mit ihren Mitarbeitern „über ungewöhnliche Lösungsoptionen wie die Betreuung im Mitarbeiterraum des jeweiligen Marktes“ nachdenke. Real und Kaufland, berichtet Horst Gobrecht, würden ihren Mitarbeitern zwischen zwei Tagen bis eine Woche Zeit geben, um die Betreuung ihrer Kinder sicherzustellen. Allerdings variiere dieser Zeitrahmen teilweise von Markt zu Markt. Lidl will seinen Mitarbeitern „möglichst individuelle Lösungen“ anbieten. Wie diese im konkreten Fall aussehen können, teilte das Unternehmen jedoch nicht mit. 

Von Nils Gundel

Wie hart der Coronavirus kleine Tante-Emma-Läden und den Einzelhandel trifft und inwieweit er am Grab noch Probleme macht, darüber schreibt Manfred Niekisch in seiner Kolumne. 

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