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Eintracht Frankfurt-Präsident Peter Fischer: Die rauchige Stimme der Fans

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Von: Georg Leppert

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Eintracht-Präsident Peter Fischer ist nach dem 3:2-Sieg im Camp Nou des FC Barcelona einfach nur beseelt.
Eintracht-Präsident Peter Fischer ist nach dem 3:2-Sieg im Camp Nou des FC Barcelona einfach nur beseelt. © Imago Images

Eintracht Frankfurt-Präsident Peter Fischer wurde bundesweit bekannt für klare Äußerungen gegen Rechts. In Sevilla will er aus dem Pokal trinken.

Frankfurt – Erst singen es nur ein paar wenige Fans, die ihn gerade getroffen haben. „Peter gibt einen aus…“ Dann stimmen es einige Dutzend an: „Peter gibt einen aus…“ Und schließlich grölen es alle: „Peter, Peter, Peter gibt einen aus.“ So geschieht es wieder und wieder auf großen Plätzen in Mailand oder Barcelona, Tallinn oder London. Wo sich Eintracht-Fans auf Europareise eben versammeln. Und Peter Fischer, der Mann, um den es in dem Lied geht, tut oft genug, wie ihm geheißen. Es gibt Videos vom Präsidenten der Frankfurter Eintracht, da reicht er Fans eine durchaus beachtliche Summe Bargeld, damit die Bier davon kaufen.

Seit fast 22 Jahren ist Fischer Eintracht-Präsident. Obwohl er in dieser Funktion weniger mit dem operativen Geschäft zu tun hat, obwohl er keine Trainer entlässt und keine Spieler verpflichtet, ist das eine unglaublich lange Zeit für einen Fußballfunktionär.

Eintracht Frankfurt: Mitgliederzahlen explodieren unter Präsident Peter Fischer

Als er das Amt antrat, standen bei der Eintracht Spieler wie Uwe Bindewald und Alexander Schur unter Vertrag, der Trainer hieß Felix Magath, der Verein pendelte zwischen Erster und Zweiter Fußball-Bundesliga und hatte um die 5000 Mitglieder. Heute sind es 20-mal so viele. Das liegt auch daran, dass die Eintracht die Vergabe von Tickets bei besonders nachgefragten Spielen an eine Mitgliedschaft koppelt. Den eigenen Erfolg zu nutzen – auch das hat die Eintracht unter Peter Fischer gelernt.

Das Gespräch mit der FR muss der 66-Jährige kurzfristig absagen. Insofern bleiben aktuelle Fragen unbeantwortet. Aber was hätte er sagen können, wenige Tage vor dem Europapokal-Endspiel der Eintracht in Sevilla, dem größten Ereignis in seiner Zeit als Präsident?

Vermutlich dass er aufgeregt ist, kaum noch schlafen kann und bei einem Sieg sieben Tage und Nächte durchfeiert… Aufs Feiern versteht sich Fischer, er besaß mal Discos und Clubs auf Mallorca und Ibiza. Der Mann mit der rauchigen Stimme hat intensiv gelebt in den vergangenen Jahrzehnten.

SGE-Präsident Peter Fischer: Anfangs wünscht er sich in den Fanblock zurück

Zur Eintracht kam der 2,01 Meter große Hüne über den Basketball. Als Jugendlicher war er in der Sportart sogar Deutscher Meister. Doch auch für den Fußball begeisterte er sich schnell. Fischer nahm die klassische Fan-Karriere. In den 70er Jahren im G-Block, später Gegentribüne, dann Haupttribüne.

Anfangs habe er als Präsident mit der Schnittchen-Gesellschaft auf den teuren Plätzen gefremdelt und sich zurück in den Fanblock gewünscht, sagte er einmal. Mittlerweile hat sich Fischer arrangiert mit dem, was von einem Mann in seiner Position erwartet wird.

Über Präsidenten von Fußballvereinen, deren Geschäft meistens von einer Aktiengesellschaft oder einer GmbH geführt wird, heißt es oft, sie seien so etwas wie die Diplomaten des Vereins. Im Fall von Peter Fischer wäre diese Aussage grundfalsch. Zum einen teilte er schon in seinem ersten Gespräch mit der FR mit, er sei kein „Grüß-August“. Zum anderen fehlt dem Mann, der zunächst durch einen extravaganten Kleidungsstil auffiel, mittlerweile modisch etwas zurückgenommener auftritt, beim Besuch im ZDF-Sportstudio aber immer noch knallrote Sneaker trägt, das Talent für Diplomatie.

DIE SERIE

Am 18. Mai spielt Eintracht Frankfurt gegen die Glasgow Rangers um den Europapokal. Dann steigt in Sevilla das Finale der Fußball-Europa-League. Ein Sieg wäre der größte Erfolg der Vereinsgeschichte seit 42 Jahren.

Bis dahin erinnern wir jeden Tag mit Geschichten, Bildern und Interviews daran, was Eintracht Frankfurt für diese Stadt, für diese Region bedeutet.

Peter Fischer: Ein Diplomat ist der SGE-Präsident nicht

Bei besagtem Auftritt im Sportstudio wurde Fischer gefragt, ob er beim Europacup-Halbfinale der Eintracht in London Krawalle befürchte. Die diplomatische Antwort wäre gewesen: „Ich wünsche mir ein friedliches Fußballfest und bin mir sicher, dass sich unsere Fans, die tollsten Fans der Welt, nicht provozieren lassen.“ Tatsächlich sagte Fischer: „Unsere Jungs bleiben auch stehen und werden nicht weglaufen.“

Auch der Eklat um den extrem harten Polizeieinsatz beim Spiel gegen Donezk im Jahr 2019, der später die Gerichte beschäftigte, nahm seinen Anfang mit einer Aussage von Peter Fischer. „Das Stadion muss brennen“, sagte der Präsident in einem TV-Interview. Nahm die Polizei diese völlig übliche Fußball-Floskel zum Anlass, die Räume der Ultras nach Pyrotechnik zu durchsuchen, was im weiteren Verlauf des Abends zur Eskalation mit einem schwer verletzten Fan führte?

Nicht ganz, aber oft wird unterschlagen, dass Fischer in dem Interview auch sagte: „Ihr sollt kaputtgehen, weil ihr so viel Licht habt und das Spiel für euch etwas neblig wird.“ Erfahrene Polizist:innen rieten dennoch von dem Einsatz ab. Aber sicher kann man sich geschickter ausdrücken als Peter Fischer.

Eintracht Präsident-Peter Fischer zeigt klare Kante gegen rechts

Man kann aber auch mal Klartext reden. Das tut Fischer, wenn es um den russischen Präsidenten Wladimir Putin geht, den er im Sportstudio einen „asozialen vollkommenen Psychopathen“ nannte. Und er tut es vor allem, wenn er über die AfD spricht. Die rechtspopulistische Partei widert den Präsidenten regelrecht an, man merkt es in jedem Wort, das er über sie verliert. „Es kann niemand bei uns Mitglied sein, der diese Partei wählt, in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen gibt“, sagte er in einem Interview 2017. Die AfD schäumte.

Rund drei Jahre später, bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des rechtsterroristischen Anschlags von Hanau wurde Fischer noch deutlicher. „90.000 Mitglieder in meinem Verein sind gegen diese scheiß Rassisten, gegen diese scheiß AfD, sie zeigen klare Kante: Wir wollen keine Nazis. Wir brauchen euren braunen Sumpf nicht.“ Vielen Fans, die im Waldstadion direkt nach dem Anschlag „Nazis raus“ skandierten, sprach er damit aus der Seele.

SGE-Präsident Peter Fischer: 2004 überlebt er den Tsunami in Thailand

Peter Fischer ist Unternehmer. Einer der früh gelernt hat, auf eigenen Beinen zu stehen. Sein Vater starb früh. Mit gerade einmal 13 Jahren schmiss er die Schule, verließ das Elternhaus im mittelhessischen Lich und begann eine Lehre beim Kaufhof in Frankfurt. Vieles, was er anfing, war ihm nicht gut genug, um es für den Rest seines Lebens zu machen. Er eröffnete eine Modeboutique. Er investierte in besagte Clubs auf den Balearen. Er wurde Unternehmensberater.

Umtriebig nennt man ein solches Leben wohl. Ein Leben, das 2004 einen Einschnitt nahm. Fischer war mit seiner Familie in Thailand, als der Tsunami kam. „Als das Wasser zurückging, wusste ich, dass es wiederkommen würde“, sagte er in einem Interview. Fischer, seine damalige Frau und sein kleiner Sohn konnten flüchten, weil in ihrer Nähe ein Berg war. Zehntausende andere Menschen starben. Mit viel Geld engagierte sich der Eintracht-Präsident für den Wiederaufbau der Küstenregion.

Peter Fischer: Als Botschafter von Eintracht Frankfurt fast komplett

Im vergangenen Jahr bekam Fischer die renommierte Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen. Wie er da auf der Bühne stand, hatte man den Eindruck: Als politischer Botschafter seines Vereins hat es dieser Mann jetzt geschafft. Aus sportlicher Sicht wird Peter Fischer es geschafft haben, wenn er am kommenden Mittwoch den Europapokal in die Höhe stemmt. „Ich will aus diesem verdammten Pokal trinken“, hatte er bereits vor dem Spiel in Barcelona gesagt. Natürlich umringt von Hunderten Fans, denen er an diesem Tag nicht nur einen ausgegeben hat. (Georg Leppert)

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