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Eintracht gegen Barca: „Die Geschichte spricht für uns“

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Von: Thomas Stillbauer, Georg Leppert

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So schön kann Fußball sein: Eintracht-Choreografie 2018 vor dem Spiel gegen Apollon Limassol.
So schön kann Fußball sein: Eintracht-Choreografie 2018 vor dem Spiel gegen Apollon Limassol. © imago/Eibner

Eintracht-Museumsdirektor Matthias Thoma über die historische Dimension des Europa-League-Spiels gegen den FC Barcelona – und über die Chancen aufs Halbfinale.

Herr Thoma, viele bezeichnen die Partie gegen den FC Barcelona als „Jahrhundertspiel“. Wie lässt sich die Bedeutung des Spiels historisch einordnen?

Es ist sicher eines der ganz großen Spiele der Vereinsgeschichte. Wir hatten das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1959, das Europapokal-Endspiel gegen Real Madrid ein Jahr später, auch das Uefa-Cup-Finale 1980... in diese Reihe gehört auch die Partie gegen Barcelona.

Wirklich? Letztlich ist es doch „nur“ ein Viertelfinale in der Europa League.

Klar. Aber es ist der FC Barcelona! Es ist dieser Name, der die Leute elektrisiert. In unserem Stadion spielt ein Verein mit dieser Geschichte, mit diesen Erfolgen, mit diesen Spielern... Und eine Woche später spielt Eintracht Frankfurt in Camp Nou.

Bei einem Verein mit immensen Schulden. Ist das noch fair?

Auch das gehört dazu. Aber ich glaube, das ist eben der moderne Fußball.

Die finanzielle Dimension bei Barca ist jedenfalls eine ganz andere als bei der Eintracht. Hat die Eintracht eine Chance?

Ja. So ein Duell reduziert sich doch nicht nur darauf, wer bei den Finanzen wie steht. Wir haben in der Europapokalsaison 2018/2019 gezeigt, was alles möglich ist. Und die Geschichte spricht für uns.

Eintracht gegen Barca: Gute Bilanz gegen spanische Teams

Inwiefern?

Gegen spanische Mannschaften hat die Eintracht fast immer gut ausgesehen. Okay, das Endspiel gegen Madrid ging verloren, und 1969 sind wir gegen Bilbao ausgeschieden. Aber sonst sind wir immer weitergekommen. In den 1970ern gegen Atletico Madrid, in den 1990ern gegen La Coruña und zuletzt gegen Betis Sevilla.

Gegen den FC Barcelona gab es keine Spiele?

Doch aber nicht im Europapokal. 1976 haben wir dort vor 90 000 Fans das Endspiel um den Joan-Gamper-Pokal verloren, und 1973 gab es ein Freundschaftsspiel für die Erdbebenopfer in Nicaragua, das ging auch verloren. Es ist also Zeit für eine Revanche.

Wir wollen nicht unken, aber bleibt die Partie auch ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte, wenn die Eintracht 1:3 und 0:4 verliert und sang- und klanglos ausscheidet?

ZUM SPIEL

Eintracht Frankfurt spielt an diesem Donnerstag, 7. April, um 21 Uhr im Waldstadion gegen den FC Barcelona. Das Viertelfinale der Europa League ist restlos ausverkauft, wird aber im Fernsehen bei RTL frei empfangbar übertragen.

Für Zuschauerinnen und Zuschauer vor Ort gelten keine Corona-Zugangsbeschränkungen und keine Maskenpflicht mehr. Das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes wird jedoch empfohlen.

Die Waldtribüne, beliebter Treffpunkt vor dem Spiel, kehrt am Donnerstag nach zwei Jahren zurück. Von 19.45 Uhr an gibt es dort vor dem Eintracht-Museum an der Haupttribüne Programm mit Pia Geiger und Axel Hoffmann. Altstar Peter Reichel, Nationalspieler und zweimal Pokalsieger mit der Eintracht 1974 und 1975, wird auf der Waldtribüne zu Gast sein. prar

Dann müsste man schauen, wie man das Spiel im Nachhinein einordnet. Aber ich bin mir sicher, dass wir uns wacker schlagen.

Fliegen Sie zum Rückspiel nach Barcelona?

Ja, klar. Ich werde mir auch das Museum der Kollegen des FC Barcelona anschauen, das ist ja etwas größer als unser schönes Eintracht-Museum.

Manche Fans nehmen ja durchaus abenteuerliche Flugrouten in Kauf oder zahlen Mondpreise für einen Direktflug...

Das ist Wahnsinn, welche Begeisterung die Eintracht im Europacup auslöst. Viele Fans sitzen bei der Auslosung da, haben den PC gestartet und zahlreiche Websites von Flugportalen offen. Sobald der Gegner feststeht, buchen sie. Bevor die Preise massiv anziehen.

Wobei das auch nicht immer klappt. Wir kennen Fälle, da veränderten sich die Preise direkt mit der Auslosung.

Und dann werden eben die teuren Flüge gebucht. Das muss man mal vergleichen mit Europacup-Spielen in vergangenen Jahrzehnten.

Vergleichen Sie bitte.

Als die Eintracht 1980 den Uefa-Cup gewonnen hat, spielte sie im Halbfinale gegen die Bayern. Zum Spiel im Münchner Olympiastadion kamen gerade mal 13 000 Leute. Sie konnten also als Fan einfach mit dem Auto losfahren und haben sich ein Ticket an der Tageskasse gekauft. Auch im Finale war das Hinspiel in Mönchengladbach nicht ganz ausverkauft. Aus heutiger Sicht verrückt. Oder unser Heimspiel gegen La Coruña im Herbst 1993. Das war auch schon das Achtelfinale. Da kamen 12 000 Leute, und die Eintracht hatte zuvor noch Tickets an Schulen verteilt, sonst wären es noch weniger gewesen. Heute hingegen sind Qualifikationsspiele gegen Vaduz ausverkauft, und für Barcelona werden auf dem Schwarzmarkt absurde Preise aufgerufen.

Was ist passiert, dass sich die Wahrnehmung für die Eintracht in der Stadt und der Region so verändert hat?

Zum einen hat sich die Fanszene verändert. Hin zu Fans, die einfach immer kommen. Die Zuschauerzahlen sind ja seit den 1990er Jahren gewaltig gestiegen. Zum anderen gibt es hier in Frankfurt die ganz besondere Sehnsucht nach Europa. Wir haben lange auf internationale Spiele gewartet. Die sind in Frankfurt immer noch etwas ganz Besonderes. Und jetzt will einfach jede/r gerne dabei sein, wenn unsere Mannschaft in Camp Nou einläuft.

Was wird man in 20 oder 30 Jahren über diese Eintracht-Epoche sagen?

Man wird rückblickend sagen, dass es einer der erfolgreichsten Abschnitte in der Vereinsgeschichte war. Das knapp verlorene Pokalendspiel gegen Dortmund, dann der Pokalsieg gegen Bayern, ein Jahr später die Spiele bei Inter Mailand und Chelsea. Die jüngste Vergangenheit der Eintracht ist voller Höhepunkte. Man muss wissen: Wir hatten in den vergangenen fünf Jahren mehr Europapokal-Spiele als in den 70ern, die als große Epoche der Eintracht gelten, oder als in den 90ern, als wir den Fußball 2000 gespielt haben.

Interview: Georg Leppert, Anna Rethmeier und Thomas Stillbauer

Museumsdirektor Matthias Thoma und der Uefa-Cup, den die Eintracht 1980 gewann.
Museumsdirektor Matthias Thoma und der Uefa-Cup, den die Eintracht 1980 gewann. © Renate Hoyer

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