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Vor Eintracht-Spiel gegen West Ham: Ausschreitungen in Sachsenhausen und im Westend

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Von: Oliver Teutsch

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Die Eintracht-Fans sind heiß aufs Finale, doch nicht alle sind gute Gastgeber. Es gibt Ausschreitungen im Westend und in Sachsenhausen.

Frankfurt – Die Vorfreude ist in der ganzen Stadt spürbar. Für Eintracht Frankfurt ist es eines der größten Heimspiele in der Vereinsgeschichte. Schon ein Unentschieden gegen West Ham United würde reichen, um erstmals seit 1980 wieder in ein europäisches Pokalfinale einzuziehen. Dementsprechend groß ist das Fußballfieber in der Stadt. Fankneipen sind ausgebucht, Trikots ausverkauft. „Wir freuen uns auf einen tollen Europapokal-Abend und eine grandiose Stimmung. Wir wollen mit unseren Fans im Rücken ins Endspiel einziehen“, sagt Eintracht-Sprecher Bartosz Niedzwiedzki.

In den Eintracht-Fanshops der Stadt brummt das Geschäft. Besonders gut gehen weiße Trikots und T-Shirts. Im Fanshop im My Zeil waren die Trikots am Dienstag bereits ausverkauft. Fan Konrad Renke begnügte sich deshalb mit einem T-Shirt. „Ich habe erfahren, dass wir alle in Weiß kommen sollen“, erklärt der Banker die Wahl. „Ich möchte im Fanblock nicht als Einziger anders gekleidet sein.“

Eintracht Frankfurt gegen West Ham United: Vorfreude bei Polizei hält sich in Grenzen

Bei der Polizei hält sich die Vorfreude indes noch in Grenzen. Denn das Spiel der Spiele, hat auch eine Vorgeschichte. Als die Eintracht in der vergangenen Woche bei West Ham United zu Gast war, erwiesen sich Verein und Fans nicht unbedingt als gute Gastgeber. In neutralen Bereichen des Olympia-Stadions werde kein Gäste-Fan geduldet, teilte der Verein vorab mit.

Ganz in weiß wie hier in London wollen die Eintracht-Fans auch am Donnerstag wieder jubeln. Ein paar schwarze Schafe gibt es aber.
Ganz in weiß wie hier in London wollen die Eintracht-Fans auch am Donnerstag wieder jubeln. Ein paar schwarze Schafe gibt es aber. © dpa

Diese Vorgabe nutzten die heimischen Zuschauer offensichtlich als Freibrief, um die wenigen Eintrachts-Fans, die Tickets in neutralen Bereichen ergattert hatten, unverhohlen zu attackieren. Auf Videos im Internet sind Szenen zu sehen, wie als Eintracht-Fans enttarnte Menschen geschubst und geschlagen werden. Selbst zwei Hörfunkreporter des Hessischen Rundfunks waren davor nicht gefeit und wurden auf der Pressetribüne attackiert, weil sie offenbar den frühen Führungstreffer der Eintracht zu emotional kommentierten.

Nun ist es nicht so, dass es ohne die Vorgeschichte in London zu Verbrüderungsszenen in Frankfurt gekommen wäre. Eine respektvolle Abneigung hat zwischen deutschen und englischen Fußballfans Tradition. Allerdings nimmt die Abneigung in diesem Fall schon zwei Tage vor dem Spiel überhand. So berichtete die Polizei am Mittwoch von zwei Vorfällen, in denen Eintracht-Anhänger auf britische Fans losgegangen seien. In Sachsenhausen wurden am Dienstag erst zwei junge Briten und wenig später eine Schülergruppe aus Kroatien von einer Gruppe mutmaßlicher Eintracht-Anhänger angegriffen. Bei den sechs Angreifern, die auf der Alten Brücke festgenommen wurden, handele es sich um „polizeibekannte Problemfans“, so ein Polizeisprecher. Dabei seien weder die beiden Briten noch die Schülergruppe als West-Ham-Fans zu erkennen gewesen.

Europa League: Fan-Überfall vor Spiel von Eintracht Frankfurt gegen West Ham

Ein zweiter Vorfall ereignete sich am Mittwoch kurz nach Mitternacht im Westend-Pub „The Fox and Hound“. Überfallartig seien zwei Kleintransporter vorgefahren, 15 bis 20 Personen in den Pub gestürmt und hätten West-Ham-Fans in der Kneipe attackiert. Ein 36-Jähriger musste mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus. Wirt Anthony Thornley hofft am Donnerstag beim Spiel dennoch auf einen friedlichen Verlauf. „Ich erwarte 150 Engländer und 150 deutsche Fans“, sagt er. „Meinem Eindruck nach wollen sie friedlich feiern.“

Die Polizei ist sich da nicht so sicher. Neben den 2400 englischen Fans mit Tickets werden etwa 1500 bis 3000 ohne Tickets erwartet. Von denen sollen laut Polizei etwa 500 als Risikofans gelten. West Ham hat den eigenen Fans den Römerberg und das Pub O´Reillys als Treffpunkte zum Vorfeiern ausgegeben. Vom Römer und dem Pub sollen die Fans dann ab Hauptbahnhof mit Sonder-S-Bahnen zum Stadion gebracht werden. Ein bisschen Sorge hat die Polizei noch, ob denn alle englischen Fans so zeitnah wie gewünscht in Richtung Stadion aufbrechen. Der englische Fußballfan geht gemeinhin erst recht kurz vor Anpfiff ins Stadion, soll gegenüber der Polizei aber kooperativ sein. Vielleicht wird es ja doch ein friedliches Jahrhundertspiel für die Eintracht. (Oliver Teutsch)

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