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Justin Gremeri (Mitte), Nico Heby (links), zwei der drei Gründer, und die Mitarbeiter Paul Rosorius und Amber De Waal (links) sowie Irina Leon.

Unternehmen in Frankfurt

Marktplatz für Ideen

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Das Frankfurter Start-up Ekipa bringt Unternehmen mit Studierenden zusammen, um im Team kreativ Probleme zu lösen.

Hätten Sie spontan eine Idee, wie man Museumsbesuche in Hessen attraktiver gestalten kann? Welche Zusatzangebote würden Sie sich als Besucher wünschen, wenn sie die Burg Frankenstein, das Kloster Lorsch oder das Eintracht Frankfurt Museum besichtigen? Um solche Innovationen, wie etwa das Museum 4.0 aussehen kann, anzuschieben, haben Absolventen  der  Frankfurter Goethe-Universität ein neues Format entwickelt, um Organisationen mit Studierenden zusammenzubringen. 

Beim so genannten „University Battle“ entwickeln Teams verschiedener Hochschule im Wettkampf untereinander kreative Ideen und Problemlösungen. Die Fragestellung – echte Probleme aus der Praxis - liefern die Auftraggeber. Die erfolgreichen Teams bekommen ein Preisgeld, treten dafür allerdings die Nutzungsrechte ihrer Idee an die Firmen ab. 

Der Frankfurter Wirtschaftswissenschaftler Justin Gemeri hat zusammen mit befreundeten Mitstreitern das Start-up Ekipa gegründet: „Seit August 2017 geben wir Vollgas, um aus unserer Idee ein Geschäftsmodell zu entwickeln.“ Zunächst nahmen sie sich ein Jahr Zeit, eine Online-Plattform aufzubauen.  

Finanziell lebten sie in der Startphase von ihren Ersparnissen, auch ihre Familien unterstützten sie. „Ich habe Tag und Nacht gearbeitet“, berichtet Gemeri. Günstige Büroräume auf dem Campus Bockenheim, im sogenannten Gründerzentrum Unibator, vermietet die Universität an das Team. Das bietet laut Gemeri viele Vorteile: „Wenn wir eine Frage haben, gehen wir eine Tür weiter zu einem anderen Start-up, die das Problem auch schon mal hatten.“

Zunächst dachten die jungen Gründer daran, „Studierende Werbetexte für Firmen schreiben zu lassen“. Doch dann veränderten sie ihr Konzept noch einmal : „Junge Menschen sollen Zukunftslösungen für wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme entwickeln“, betont der 25-Jährige Gemeri, der dynamisch und selbstbewusst auftritt. „Es geht uns dabei nicht darum, das große Geld zu machen. Wir wollen etwas Nachhaltiges schaffen.“ Sein Ziel, hinter dem er auch persönlich stehe, sei „dass unsere Kunden echte Innovationen erhalten und die Studierenden ihr kreatives Potenzial entfalten können“.

In seinem Bachelorstudium habe er selbst erfahren, wie viel Wissen Studierende anhäufen, doch das Gelernte in die Praxis zu transferieren, komme oft zu kurz. An diesem Punkt setzt Ekipa an: „Wir wollen, dass das Potenzial dieser jungen Köpfe nicht verloren geht“, betont Gemeri. 
Derzeit laufen noch zwei andere „Challenges“: Mit dem Darmstädter Pharmakonzern Merck sowie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Gesucht werden bei „The Frontier of Food“ Lebensmittelprodukte, die bislang ungedeckte Verbraucherbedürfnisse stillen. „Erwartungen an beispielsweise vegane oder glutenfreie Ernährung müssen  Teilnehmer anhand von Artikeln, Forschungsergebnissen oder Umfragen belegen.“ Merck erhofft sich Anregungen, um innovative Biotech-Produkte etwa für die Agrarwirtschaft zu entwickeln. 

Die FAZ möchte angesichts sinkender Auflagezahlen digitale Medienprodukte für jüngere Zielgruppen auf den Markt bringen. „Die Studierenden entwerfen Konzepte, welche Inhalte wie aufbereitet werden könnten“, sagt Gemeri. Ende Januar entscheidet eine Jury, wer aus diesem University Battle als Sieger hervorgeht. 

 Zu Beginn in der Qualifikationsphase entwerfen Teams von zwei bis fünf Personen kurze Ideenskizzen. Ins Finale können bis zu acht Teams kommen. Neben Auftaktveranstaltungen werden teils auch Bootcamps organisiert, um gemeinsam mit Mentoren die Lösungen noch zu verbessern. Für die besten Problemlöser gibt es Preisgelder. „Wir stehen mit den Präsidien und Pressestellen von 20 Hochschulen im Kontakt sowie mit Professoren und Career Center von zehn weiteren“, berichtet Gemeri. Die Vermarktung laufe über Social Media, Rundmails, aber auch Live-Auftritte in Vorlesungen. 

Einen Mehrwert für andere zu schaffen – an dieses Credo glaubt Justin Gemeri. Und diese Überzeugung helfe ihm auch, Gespräche mit potenziellen Geschäftspartnern zu führen. Aufgeregt sei er nicht, „auch wenn es anfangs ein Kaltstart war, als uns noch niemand kannte“. Zuvor habe er durch einen Job bei einer Personalberatung ein Training durchlaufen: „Das war die Hölle, ich musste Leuten Jobs verkaufen, die gerade damit gar nicht gerechnet haben“, erinnert sich Gemeri. Er habe sich schließlich bewusst dafür entschieden, sich beruflich selbständig zu machen. 

Da die Gründer keinen Investor ins Boot zu holen, haben sie sich vorgenommen, ab dem kommenden Jahr genug zu verdienen, um ihre Gehälter und Büroräume zu finanzieren. Um das zu erreichen, sollten wir mindestens zwölf Ideenwettbewerbe konzipieren. „Das Schwierigste dabei ist, gesund zu wachsen. Denn die Kunden sollen zufrieden sein und auch unsere Teilnehmer sollen das Projekt toll finden.“ 

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