Eugen Eckert (links) begrüßt den Eintracht-Adler Attila.
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Eugen Eckert (links) begrüßt den Eintracht-Adler Attila.

Frankfurt

„Lieber Gott, lass’ die Eintracht gewinnen“

  • Denis Hubert
    vonDenis Hubert
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Die Kapelle im Waldstadion verbindet seit zehn Jahren die Themen Religion und Sport. 105 Taufen und 27 Hochzeiten wurden dort bislang gefeiert.

Es gibt ein Gebet, das in der Kapelle im Waldstadion häufiger gesprochen wird als das „Vater Unser“: „Lieber Gott, bitte lass’ die Eintracht heute gewinnen.“ Das weiß Patrik Meyer vom örtlichen Stadionmanagement ganz genau. Und so begrüßt er die Gäste am Sonntagnachmittag auch herzlich im „schönsten Stadion Deutschlands“.

Seit Januar 2007 gibt es den speziellen Raum in der Haupttribüne des Waldstadions. 105 Taufen und 27 Hochzeiten wurden dort bislang gefeiert. „Das ist Kirche an einem ganz besonderen Ort, an dem man nicht damit rechnet“, sagt Stadionpfarrer Eugen Eckert beim einstündigen Jubiläumsgottesdienst. Er ist der einzige Stadionpfarrer Hessens und von Anfang an dabei.

Die Kapelle ist schlicht: Es gibt einen hölzernen Altar, ein Rednerpult und rot-schwarze Stühle. Dass die Sitzmöbel damit die Farben von Eintracht Frankfurt tragen, ist zufällig. Der Stuttgarter Bildhauer Werner Pokorny wählte das Rot als Farbe von Leben, Leidenschaft und der Dynamik des sportlichen Wettkampfs.

„Fußballstadien bezeichnet man als Kathedralen des Sports“, sagt Patrik Meyer. Insofern nennt er die Stadionkapelle eine „Krypta“. Sie ist eine von vieren, die es in Deutschland gibt. Weitere Standorte sind Berlin, Wolfsburg und Gelsenkirchen. Der göttliche Beistand habe den Gelsenkirchenern aber nichts genützt, sagt Meyer mit Blick auf die jüngste Schlappe des FC Schalke 04 gegen Eintracht Frankfurt.

Viele Tausend Konfirmanden, Firmlinge, Schüler- und Erwachsenengruppen aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet haben die Stadionkapelle im Waldstadion nicht nur besucht, sondern sich auch inhaltlich mit Themen an der Schnittstelle von Kirche und Sport beschäftigt. Dazu gehören Fragen zu Fairplay und Gewalt, Integration und Korruption.

Der Geschäftsführer des Eintracht-Museums, Matthias Thoma, rückt die Ersatzreligion in den Fokus. „Hier gibt es Fußballgötter, Prozessionen zum Stadion und den heiligen Rasen“, sagt er. Er vergleicht die zwölf Apostel mit dem Publikum, dem sogenannten zwölften Mann. Fazit: „Es gibt viele Dinge, die Fußball und Religion gemeinsam haben.“

Dazu trägt auch Stadionpfarrer Eckert bei, der eigenen Angaben zufolge ein gefürchteter Linksaußen beim FSV Frankfurt war. Seit Januar ist er Referent für „Kirche und Sport“ der Evangelischen Kirche. Er soll Kontakt zu den deutschen Sportverbänden herstellen, von denen viele ihren Sitz in der Otto-Fleck-Schneise am Waldstadion haben.

Der Stadionpfarrer ist auch Botschafter des Fairplay-Forums des Hessischen Fußballs. Das sei eine „Graswurzelbewegung“, sagt Eckert, da man Kindern von klein auf deutlich mache, dass Diskriminierung unfair sei. Da muss schließlich auch Stadionchef Patrik Meyer eingestehen: „Das Wichtigste ist nicht immer nur der Fußball.“

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