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Gedenken in der B’nai-B’rith-Schönstädt-Loge.

Eintracht Frankfurt

Erinnerung an deportierte Eintrachtler

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Zum Holocaust-Gedenktag präsentiert die Eintracht Biografien jüdischer Mitglieder, die von den Nazis ermordet wurden oder die die Konzentrationslager überlebt haben. Bis zum 70. Jahrestag des Kriegsendes im Mai 2015 soll die Dokumentation „50 Eintrachtler“ abgeschlossen sein.

Sichtlich gerührt waren einige ältere Gäste, als „Ani Ma’amin“ am Dienstagabend in der B’nai-B’rith-Schönstädt-Loge erklang. Als Teil der Gedenkzeremonie anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung aus Auschwitz erinnerten die hoffnungsvollen Worte des hebräischen Liedes die Zeitzeugen und geladenen Gäste aus Politik und gesellschaftlichem Leben an finstere Zeiten, als jüdische KZ-Häftlinge die Hymne auf ihren Todesmärschen anstimmten.

Der internationale Holocaust-Gedenktag war für Ralph Hofmann, den Präsidenten der Frankfurter B’nai-B’rith-Loge, zugleich auch Anlass, um ein gemeinsames Projekt mit dem Eintracht-Museum vorzustellen. 50 Lebensläufe von Frankfurtern jüdischer Abstammung, die dem Sportklub nahestanden, sammelt derzeit das Museum. Teil der Zusammenarbeit sind neben B’nai B’rith das Pädagogische Zentrum Frankfurt, das Leo-Baeck-Programm und die Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft.

„Es reicht nicht, nur zu erinnern und zu beklagen“, sagte Peter Fischer, wiedergewählter Präsident von Eintracht Frankfurt, der als Gast und Redner zu der Gedenkveranstaltung des jüdischen Ordens in der Liebigstraße eingeladen war. „Man muss auch etwas tun“, ergänzte er.

Die Liebe zum Verein

29 Biografien von Profisportlern und Fans des Clubs hat das Eintracht-Museum unter der Leitung von Matthias Thoma bisher gesammelt. Dabei handelt es sich um Lebensläufe von Ermordeten und von Überlebenden. Gemeinsam hätten all diese Frankfurter die „Liebe für die Eintracht“ gehabt. Nach 1933 sei der Verein verpflichtet gewesen, Mitgliedschaften aufzuheben. Die biografischen Daten erarbeitet das Museum sowohl aus Archivmaterial als in direkten Gesprächen mit Zeitzeugen und deren Kindern, die teils im Ausland lebten, wie Thoma berichtet.

Bis zum 70. Jahrestag des Kriegsendes im Mai 2015 soll die Dokumentation „50 Eintrachtler“ abgeschlossen sein. Die Ergebnisse stellt das Eintracht-Museum in der Commerzbank-Arena schon jetzt vor. „Das ist ein laufendes Projekt“, sagt der Museumsdirektor. Die Dokumentation soll anschließend auf „100 Eintrachtler“ erweitert werden.

Das Projekt geht auf die 2004 ins Leben gerufene Fan-Aktion „Nie wieder!“ zurück, durch die eine offensive Gedenkkultur für ein Stadion ohne Diskriminierung initiiert wurde. Jährlich veranstaltet der Club seitdem Aktionen, um zu einer Kultur der Toleranz beizutragen.

Stadtkämmerer Uwe Becker lobte das Projekt. Der Schrecken der Vergangenheit dürfe nicht in Starre übergehen; daher sei es wichtig, die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nationalsozialisten zu suchen.

„Auschwitz und Treblinka sind auch Teil der Geschichte Frankfurts“, sagte Becker. Die Lehren aus dieser Vergangenheit müssten Menschen als Orientierung für die Zukunft wahrnehmen. Denn „vom Menschen zum Unmenschen und vom Familienvater zum Schlächter“ sei es im Nationalsozialismus nur ein kurzer Weg gewesen. Mit den Tausenden Frankfurter Juden, die deportiert wurden, sei auch ein Stück Seele der Stadt zerstört worden.

Die Gedenkveranstaltung fand unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen der Polizei statt.

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