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Die Antirassismus-T-Shirts gibt?s in allen Größen - auch Kevin Reinhold hat ein passendes gefunden.

Aktion gegen Rassismus

Eintracht-Fans setzen Zeichen gegen Rassismus

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Rassismus hat im Fußball nichts verloren: Die Eintracht-Fans bekennen sich bei der Aktion "United Colors of Bembletown" zu multikultureller Vielfalt. Der Erlös geht an Obdachlose.

Schuld an allem ist irgendwie Badesalz. 1991 hielt das Komiker-Duo den Eintracht-Fans den Spiegel vor. Mit dem Ghanaer Anthony Yeboah war ein Heilsbringer vom 1. FC Saarbrücken zur Eintracht gewechselt. Vorher in den beiden Relegationsspielen gegen Saarbrücken noch verunglimpft, wurde Yeboah nach seinem Wechsel zur Eintracht zum Helden bei den Fans.

In ihrem Sketch „Anthony Sabini“ griffen Gerd Knebel und Henni Nachtsheim eben diese Pikanterie auf und machten viele Eintracht-Fans nachdenklich. Darunter war auch Ina Kobuschinski. „Das war für uns der Anlass zu sagen, wir müssen was machen“, erinnert sich die Frau, die seit über 20 Jahren in der Fanszene der Eintracht aktiv ist. In Anlehnung an einen Slogan des Modelabels Benetton schufen die Eintracht-Fans daraufhin die T-Shirt-Aktion „United Colors of Bembletown“. 

Eigenständige Aktion der Eintracht-Fans 

24 Jahre später wird die Antirassismus-Aktion wiederholt, zum zweiten Mal nach 2008. Fast zeitgleich läuft die DFB-Kampagne „Strich durch Vorurteile“. Doch Kobuschinski, mittlerweile im Vorstand des Fanclubverbandes von Eintracht Frankfurt, betont, dass beide Aktionen nichts miteinander zu tun haben. „Wir haben unsere Aktion schon vor fast einem Jahr geplant.“

Nach dem Pokalfinale in Berlin sei es gewesen, als die Idee aufkam, den positiven Rückenwind, den die furiose Anfeuerung in der breiten Öffentlichkeit gebracht hatte, mitzunehmen. Es folgten Gespräche mit Eintracht Frankfurt und dem neuen Hauptsponsor, ob der sich wohl vorstellen könne, für ein Bundesliga-Spiel auf seinen Schriftzug auf den Trikots der Spieler zu verzichten. Konnte er. Also laufen die Eintracht-Spieler am Sonntag gegen Hoffenheim mit dem Schriftzug der neuen Aktion auf: „United Colors of Frankfurt – Eintracht lebt von Vielfalt.“

Vor dem Spiel wollen die Fans versuchen, rund ums Stadion möglichst viele der insgesamt 11.500 T-Shirts an die Anhänger zu bringen. Da das an einem Spieltag allein organisatorisch unmöglich ist, riefen die Fans auch den gestrigen Abend zum Verkaufstag im Fanhaus Louisa in Sachsenhausen aus. Mit großem Erfolg. Mit den vorbestellten T-Shirts auswärtiger Eintracht-Fan-Clubs sind bereits 5000 T-Shirts zum Selbstkostenpreis von zehn Euro verkauft worden.
In dem Nebenraum des Fanhauses stapeln sich die Kartons bis unter die Decke. Einige Fans stehen Schlange, um die T-Shirts zu ergattern.

Spenden kommen Obdachlosen zugute

Unter ihnen ist auch Mischa Zöller vom Eintracht Fanclub (EFC) Fiftyniners. Zöller holt 16 vorbestellte T-Shirts ab. Den fälligen Betrag von 160 Euro rundet er großzügig auf 200 Euro auf. Denn die Verkaufsaktion haben die Eintracht-Fans mit dem Aufruf verbunden, doch bitte ein bisschen mehr Geld zu geben, das dann der Teestube Jona zugutekommen soll, die sich im Bahnhofsviertel um Obdachlose kümmert. „Wir wollen zeigen, dass man immer was machen kann“, sagt Zöller, der die Spende von 40 Euro auf seine Fanclub-Mitglieder umlegen will und keine Proteste seiner Freunde erwartet. „Die Eintracht gehört zu Frankfurt und das Bahnhofsviertel auch“, sagt Zöller. 

So wie er denken viele. „Wir wollen zeigen, dass wir ein bunter Verein sind“, begründet Niklas Schmidt vom EFC Olé aus Schlüchtern seine Spende. Niko Turkowski vom Fanclub-Verband, der in dieser Woche viele Stunden mit der Abwicklung des Verkaufs zugebracht hat, ist guter Dinge, einen ansehnlichen Betrag für die Teestube zusammenzubekommen. „Von denen, die überwiesen haben, gingen die Spenden von einem bis 300 Euro.“ 

11.500 T-Shirts wohl schnell ausverkauft 

Kollegin Kobuschinski wiederum ist zuversichtlich, nach dem Heimspiel gegen Hoffenheim alle 11.500 Beweise für eine tolerante Frankfurter Fanszene verkauft zu haben. „Es ist T-Shirt-Wetter am Sonntag“, womit sich die Überlegung, die Aktion zum Saisonende hin in den Frühling zu legen, ausgezahlt hat.

Am Mittwochnachmittag ist das Wetter noch ein bisschen durchwachsen. Dennoch stehen einige Fans im leichten Nieselregen vor dem Treff und nutzen die außerplanmäßige Zusammenkunft für einen Plausch. Ein paar Meter weiter beginnt die Unterführung zur S-Bahn-Station Louisa. Der Tunnel ist flächendeckend mit Graffiti besprüht und dadurch ebenso bunt wie die Frankfurter Fanszene. „Gegen Rassismus und Stadionverbote“, lautet einer der vielen Slogans und zeigt, dass sich seit dem Badesalz-Sketch Anfang der 90er Jahre einiges in der Frankfurter Fanszene getan hat.

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