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Mit dem Fahrrad nach Sevilla: SGE-Fans helfen Kollegen aus der Patsche

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Von: Thomas Stillbauer

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Auf dem Weg zum Europa-Pokal-Finale strandet Dirk Moll in Madrid. Doch auf die Eintracht-Gemeinschaft ist Verlass.

Frankfurt/Sevilla – Wenn alle so reisen würden wie Dirk Moll, hätten wir ein Klimaproblem weniger – und womöglich viel breitere Radwege. Außerdem zeigt seine Geschichte wieder einmal, welch großes Herz die Fans von Eintracht Frankfurt haben.

Moll twitterte Anfang Mai: „Wenn unsere Eintracht die Hammers zurück auf die Insel geschickt hat, starte ich am Freitag meine @RadtournachSevilla.“ Die Eintracht hat geliefert. Und Moll kommt aus der Nummer nicht mehr heraus: „Tja Leute, da muss ich jetzt wohl durch“, heißt es am 6. Mai auf seinem Account. In Bad Nauheim geht es los, vor der Eintracht-Geschäftsstelle am Waldstadion, Adresse: Im Herzen von Europa 1, gibt es noch ein Foto mit Stürmer Sam Lammers. Und am Abend ist Moll schon in Grünstadt in der Pfalz. „Rollt gut.“

So rund läuft nicht die ganze Tour. Erst eine Panne mit der Kette seines Rennrads, dann plötzlich Fieber in Heidelberg. Aber Moll beißt sich durch, durchquert das Elsass und nutzt in Frankreich die Bahn für den Transfer nach Toulouse – „wie bei der Tour de France“.

Eintracht Frankfurt: Fan strandet zwei Tage vor Europa-League-Finale in Madrid

„Hab’ eben gedacht, Dirk, du fährst am Canal du Midi entlang Richtung Mittelmeerküste, um in Sevilla Eurobabogal zu gucken, das ist nicht so schlecht grad“, schreibt er am 13. Mai. Kurz darauf liegt sein Fahrrad im Canal. Aber auch das ist noch nicht die größte Schwierigkeit. Zwei Tage vor dem Finale sitzt er in Madrid fest, keine Kreditkarte, kein Geld mehr, und weiß nicht, wie er die letzte Strecke bewältigen soll.

Dirk Moll beim Start nach Sevilla am Waldstadion.
Dirk Moll beim Start nach Sevilla am Waldstadion. © Dirk Moll

Aber dies wäre nicht Eintracht Frankfurt, wenn sich nicht spontan Hilfe fände. Nur Minuten nach einem Aufruf der FR meldet sich Twitter-User @SGE_Papa und verspricht, das Bahnticket nach Sevilla zu bezahlen. Wer ihn kennt, weiß: Das ist nicht seine erste gute Tat. Weitere gutherzige Adler schließen sich an.

Eintracht Frankfurt: Kein schlechtes Gewissen wegen Flug nach Sevilla

Derweil haben es die meisten anderen Fans viel einfacher. Sie steigen gleich in Frankfurt in den Zug, ins Auto oder ins Flugzeug. Die Bundespolizei berichtet von mehr als 35 Sonderflügen. Das ruft bei Mitbürgerinnen und Mitbürgern gemischte Gefühle hervor: Gerade erst haben wir das Klimaziel gerissen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, und jetzt jetten Horden von Fußballfans durch Europa? Es sei ja schließlich nicht das erste Spiel – auch nach Barcelona, London und im März schon einmal nach Sevilla flogen Zehntausende Adler ja nicht auf Attilas Schwingen, sondern mit viel Kerosin.

Ja, schlecht für die Umwelt, geben die Fans zu, mit denen die FR sprach, und wollen ihre Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. Aber das sei ein absoluter Ausnahmezustand. „Wann steht die Eintracht denn schon mal in einem Europapokal-Endspiel? Wann haben wir denn die Gelegenheit, nach Sevilla, nach Barcelona zu reisen, um unseren Verein gegen die Besten spielen – und gewinnen! – zu sehen?“

In der Tat: selten. Dagegen stiegen im Jahr 2018 insgesamt 14,3 Millionen Fluggäste auf deutschen Airports in Passagierjets, um in Spanien zu landen, selbst im Corona-Jahr 2021 mehr als sechs Millionen. Da machten die Eintrachtfans den Stier auch nicht fett, argumentieren sie.

Eintracht Frankfurt: Nächste Saison wieder viel unterwegs?

Und ganz nebenbei: Dass man Klimaschäden, die durchs Fliegen entstehen, lindern kann, indem man etwa bei Non-Profit-Organisationen wie Atmosfair eine Summe in Relation zu den geflogenen Kilometern bezahlt, haben einige Fans erst bei der Gelegenheit erfahren. Spricht sich das herum, hilft es gewiss bei künftigen Gelegenheiten. Könnte ja sein, dass die Eintracht auch nächste Saison viel unterwegs ist. Unter bestimmten Umständen. (Thomas Stillbauer)

Sollte Eintracht Frankfurt den Europapokal mit nach Hause bringen, herrscht in der Mainmetropole Ausnahmezustand. Die Planungen für die Feierlichkeiten laufen schon auf Hochtouren.

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