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Auf die Größe alleine kommt es nicht an: Istanbul.
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Auf die Größe alleine kommt es nicht an: Istanbul.

Europa League

Frankfurt gegen Istanbul: Knapper Sieg für Mainmetropole

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
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  • Thomas Stillbauer
    Thomas Stillbauer
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Der total objektive Städtevergleich vor dem Europapokalspiel gegen Fenerbahçe Istanbul: Bei Türmen, Liedern und Tieren sind wir einfach nicht zu schlagen.

Frankfurt - Hier ist er! Der große Städtevergleich der FR vor dem Europa League Spiel von Eintracht Frankfurt gegen Fenerbahçe Istanbul (heute live um 21 Uhr im TV und Livestream). Gegen die Metropole am Bosporus gelingt der Mainmetropole ein denkbar knapper Sieg. Doch lesen Sie selbst:

Umwelt: In Istanbul und Umgebung wachsen etwa 2500 Pflanzenarten (Quelle: Internet; wir haben ausnahmsweise nicht nachgezählt wie sonst immer). Nicht schlecht. Eine halbe Million Störche fliegt jährlich über den Bosporus hin und wieder zurück (haben die Schwalben für uns gezählt, vielen Dank). Wovon freilich einige in Frankfurt geschlüpft sein könnten. Das wollen wir bitte nicht unterschlagen. Es gibt in der Istanbuler Gegend Wildschweine, Füchse, Hirsche (ham wir auch), Wölfe (ham wir auch bald wieder), Delfine (na gut) und gelegentlich Erdogane (nehmen wir zur Kenntnis).

Sie alle müssen jedoch mit äußeren Umständen leben, die von enormer Luftbelastung durch Verkehr und Industrie geprägt sind. Hinzu kommt, wie man hört, ein LÄRM, DASS MAN SEIN EIGENES WORT nicht versteht. Das kennen wir in Frankfurt nicht. Okay, doch, das kennen wir in Frankfurt auch, jaha, wir haben einen Flughafen, und einen Haufen PS-Protze haben wir auch. Vor allem aber haben wir, was sonst niemand auf der ganzen Welt hat: das Grüngürteltier. Punkt für Frankfurt. 1:0

Eintracht Frankfurt empfängt Fenerbahçe Istanbul in der Europa League

Stadtname: Stellen Sie sich bitte vor, Frankfurt hätte einst Willibaldshausen geheißen, dann Sonnenuntergangsbrück oder Karldergroßestadt und dann plötzlich Frankfurt. Wie käme das bei Ihnen an? Ziemlich seltsam. Das wäre ja so, als hätte Sankt Petersburg vorher Leningrad geheißen oder New York hätte unter New Amsterdam firmiert (oder Manhattan unter „Frankfurt on the Hudson“, was nach dem Krieg übrigens tatsächlich der Fall war).

Istanbul aber hieß vor knapp 2700 Jahren Byzantion, dann einige Jahrhunderte später auf einmal Konstantinopel, aber auch dies war nicht genehm, so dass schon 1600 Jahre darauf wieder ein neuer Name her musste, diesmal also Istanbul. Mal sehen, wie lange der jetzt hält. Wir wünschen den Istanbulern, dass er eine Weile Bestand hat. Ganz anders Frankfurt: Hier gibt man auf seinen Namen acht, feilt vielleicht hier und da mal ein bisschen an den Konsonanten, variiert in der Zahl der Vokale (Franconofurd, Franggfodd), aber alles in allem ist diese Stadt seit mehr als 1200 Jahren unverwechselbar, weil sie eben heißt, wie sie heißt. Punkt für Frankfurt. 2:0

Eintracht gegen Fenerbahçe: Mehr Fraktionen in Frankfurt, doch Niederlage gegen Istanbul

Kommunalpolitik: Im Stadtparlament von Istanbul sitzen 300 Politikerinnen und Politiker. Klingt beeindruckend, aber jetzt setzen Sie das mal ins Verhältnis zur Zahl der Einwohner:innen (15,5 Millionen). Da steht Frankfurt mit seinen 93 Stadtverordneten für knapp 750 000 Menschen aber besser da. Außerdem gibt es im Stadtparlament von Istanbul nur vier Fraktionen (AKP, CHP, IYI und MHP). Im Römer hat es zehn Fraktionen plus den Mann von der Gartenpartei.

Dennoch verliert Frankfurt in dieser Kategorie. Weil nämlich: Im März 2019 wurde Ekrem Imamoglu von der CHP zum Bürgermeister gewählt. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan fand das etwas unglücklich. Auf Antrag seiner AKP wurde das Wahlergebnis im Mai 2019 wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten annulliert. Und was macht Ekrem Imamoglu? Gewinnt auch die Wiederholungswahl im Juni, nur noch deutlicher als drei Monate zuvor. Punkt für Istanbul. 2:1

Turmhoch überlegen und gratis zu besuchen: Goetheturm.

Frankfurt oder Istanbul: Wie steht es um die Brücken?

Brücken: Ein Lied kann eine Brücke sein, wie wir seit Joy Fleming wissen. Hab etwas Mut und stimm mit ein/Und ist dein Herz bereit/Komm über diese Brücke/Her aus deiner Einsamkeit. Nun haben schon viele Leute am Mainufer gestanden und gesungen, doch nach wie vor ist der sicherste Weg, um trockenen Fußes nach Sachsenhausen und zurück zu kommen, der Eiserne Steg, die Friedens-, Flößer- oder Osthafenbrücke. Gute, alte Frankfurter Brückentradition, nach der auch eine Straße und sogar ein Viertel benannt sind.

Hat Istanbul da auch etwas zu bieten, auf dem Brückensektor? Schon. Wenn wir mal schnell die sechs wichtigsten Brücken der Stadt zusammenzählen, also Galata-, Atatürk-, Bosporus-, Haliç-, Fatih-Sultan-Mehmet- und Yavuz-Sultan-Selim-Brücke, kommen wir auf eine Gesamtlänge von gut sieben Kilometern. Das schaffen wir in Frankfurt nicht. Selbst wenn wir die Bonameser Robert-Gernhardt-Brücke und den Nieder-Eschbacher Jägersteg dazuzählen, wäre es wohl etwas albern, den Punkt nicht nach Südosten zu vergeben, oder? Punkt für Istanbul. 2:2

Frankfurt ist stolz auf seinen Döner - Istanbul hat keinen Handkäs im Angebot

Zisternen: Machen wir es kurz. Die Cisterna Basilica in Istanbul ist ein beeindruckendes Bauwerk, das man zu Recht auch als „Versunkenen Palast“ bezeichnet. Millionen schauen sich die Sehenswürdigkeit jedes Jahr an. Ab dem sechsten Jahrhundert diente die Zisterne für die Wasserversorgung der kaiserlichen Paläste. Mit Frankfurt und dem Trinkwasser ist das ungleich schwieriger. Man klaut es sich hier gerne aus dem Vogelsberg, wo es im Sommer aber ebenso benötigt wird. Und über den Abfluss („Kanal voll“) reden wir erst gar nicht. Punkt für Istanbul. 2:3

Essen: Frankfurt ist stolz auf seinen Döner Kebap, den Friedrich Stoltze 1852 in einer kleinen Garküche in der Altstadt erfand und fortan weltweit an die Freunde gehobelten Hammels verkaufte. Dagegen schätzt man in Istanbul einen mit Ruhe gereiften Handkäs, der in einer Marinade aus Essig, Öl und kleingehackten Zwiebeln erst seinen ganzen Zauber entfaltet. Jetzt haben wir Sie verwirrt, gell? Aber der kleine Rollentausch macht klar, wie nah die einst grundverschiedenen Kulturen einander mittlerweile sind. So erfreuen sich die Frankfurterinnen und Frankfurter heute nicht nur am Döner, sondern auch an Lahmacun, Börek und Baklava. Schon als Kinder schwärmten die Boomer vom Türkischen Honig. Und andersherum? Zugegeben: Der Handkäs hat sich in Istanbul noch nicht so richtig gegen all die frischen Meeresfrüchte durchgesetzt, auch das Schweinerippchen mit Kraut wird seinen Siegeszug am Bosporus wohl erst antreten, wenn die Stadt das nächste Mal umbenannt worden ist. Und dass die Grüne Soße bestens zum Döner passt, weiß man bisher nur rund um den Roßmarkt. Punkt für Istanbul. 2:4

In Frankfurt und Istanbul treffen Welten aufeinander

Kontinente: In Istanbul treffen sich zwei Kontinente. In Frankfurt auch: Hibbdebach und Dribbdebach. Um von einem Erdteil in den anderen zu gelangen, gibt es in Istanbul viele Wege: Brücken, Wassertaxis und den 2016 fertiggestellten Eurasien-Tunnel, der 5,4 Kilometer lang ist und die Stadtteile Fatih (Europa) und Üsküdar (Asien) verbindet. Das ist alles sehr schön. Aber: Zwischen Hibbedach und Dribbebach verkehrt seit dem Jahr 794 eine weiße Hirschkuh. Hinter der kann man herlaufen und gelangt auf die andere Seite. Zugegeben, in den vergangenen 1227 Jahren stand die Kuh oft nicht zur Verfügung. Trotzdem: So geht Interkontinentalität. Punkt für Frankfurt. 3:4

Frankfurt hat auch Brücken! Kurze halt.

Städtepartnerschaften: Istanbul pflegt 39 Städtepartnerschaften. Befreundet ist die Stadt am Bosporus unter anderem mit Berlin, Köln und Venedig – nicht aber mit Frankfurt. Macht aber nichts, weil Frankfurt eine Freundschaft mit Eskisehir unterhält, einer tollen Stadt in der Türkei, auf die seit kurzem auch ein toller Platz vor einer tollen Kneipe („Gaststätte Weida“) hinweist.

Allerdings hat Frankfurt nur 17 Partnerschaften, darunter auch eine mit Budapest. Da müsste man mal hinfahren, also OB Peter Feldmann, um in Sachen Rechte für Homosexuelle ein paar Takte zu reden – so unter „Freunden“. Also spricht eigentlich vieles für einen Punkt für Istanbul, aber: Istanbul hatte ursprünglich 40 Partnerschaften. Die Freundschaft mit Rotterdam wurde im Jahr 2017 einseitig gekündigt. Der Grund: Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich darüber geärgert, dass seine Leute in den Niederlanden keinen Wahlkampf machen durften. Das ist schäbig. Punkt für Frankfurt. 4:4

Zum Spiel

Eintracht Frankfurt trifft am heutigen Donnerstag um 21 Uhr in der Europa League auf Fenerbahçe Istanbul. Es ist das erste Europapokalspiel im Waldstadion seit dem 12. März 2020. Damals verlor die Eintracht gegen den FC Basel mit 0:3. Weil die Corona-Pandemie gerade Deutschland erreicht hatte, durften keine Fans ins Stadion.

Tickets für das heutige Spiel gibt es keine mehr. Wegen der Pandemie dürfen ohnehin nur 25 000 Zuschauer:innen ins Stadion (davon müssen 20 000 geimpft oder genesen sein, 5000 kommen mit einem Test in die Arena). Die allermeisten Karten gingen an Inhaber:innen von Dauerkarten. Auch einige Eintracht-Mitglieder dürfen rein. Die Fans von Fenerbahçe bekommen 1250 Karten.

Live-Bilder vom Spiel gibt es nur im kostenpflichtigen Internetangebot von RTL (TV Now) zu sehen. Viele Eintracht-Fans empört das. Sie diskutieren im Internet eine Alternative. Über einen VPN-Server wollen sie ihren Computer glauben lassen, sie seien in der Schweiz. Dort (aber auch nur dort) umfasst das kostenlose Angebot des Internetportals Zattoo auch den Sender TV 24, der das Spiel ebenso zeigt. geo

Kaffee: Seit mehr als 100 Jahren röstet die Frankfurter Firma Wacker einen Kaffee, für den die Leute stundenlang Schlange stehen, ohne zu meckern. Oder sagen wir, sie meckern halt so viel, wie Menschen aus Frankfurt eben meckern, egal, ob es etwas zu meckern gibt oder nicht. Etwas jünger ist die Bockenheimer Kaffeerösterei Stern, von den Eheleuten Hermann und Hertha Wissmüller 1948 gegründet und immer noch da, wenn auch inzwischen ohne Café. Wahre Frankfurterinnen und Frankfurter scheuen aber auch nicht davor zurück, in der heimischen Küche kochend’ Wasser über ein Häuflein Pulver durch einen Papierfilter zu schütten und das Resultat Kawwee zu nennen, die Betonung selbstverständlich auf der ersten Silbe. In Istanbul wird Türkischer Kaffee (mit großem T) serviert, zelebriert, und das Ganze ist seit 2013 von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannt. Vor allem aber möchten wir uns an dieser Stelle gern für das Lied „C-A-F-F-E-E“ entschuldigen, das uns noch in der Grundschule beigebracht wurde, nach wie vor ein schändlicher Gipfel an Rassismus. Özür dilerim. Punkt für Istanbul. 4:5

Frankfurt im Herzen von Europa – Istanbul nur am Rande

Türme: Es gibt ein paar Argumente, warum der Galataturm im Stadtteil Beyoglu gegen den Goetheturm im Stadtteil Sachsenhausen gewinnen könnte. Zugegeben: Auf dem Galataturm kann man essen (in einem schicken Restaurant). Auf dem Goetheturm aber auch (mitgebrachte Stullen). Der Galataturm (63 Meter) ist höher als der Goetheturm (43 Meter) – aber wenn es auf Größe ankäme, würde Frankfurt seinen Fernsehturm ins Rennen schicken. Und der Galataturm hat einige Jahre als Feuerwache gedient, der Goetheturm nicht. Wäre aber vielleicht ganz gut gewesen in jener verfluchten Nacht auf den 12. Oktober 2017. Aber damit sind wir beim Thema: Selten (noch nicht einmal bei Hintereggers Elfmeter in London) rückte die Frankfurter Stadtgesellschaft so zusammen wie nach dem Brand. Der Wiederaufbau des Turms wurde für die Frankfurter:innen zu einer gemeinsamen Aufgabe. Dieses Gefühl konnte der Galataturm den Menschen in Istanbul nicht vermitteln. Und außerdem kostet der Besuch auf dem „Galata“ auch noch Geld. Punkt für Frankfurt. 5:5

Lieder: Beiden Städten sind hervorragende Lieder gewidmet. Morrissey, der Sänger der britischen Band The Smiths, hat einen Song namens „Istanbul“, ein sehr schönes, aber auch sehr trauriges Lied, auf seinem 2014er Album „World Peace Is None Of Your Business“ (deutsch: Der Weltfrieden geht dich nix an) veröffentlicht. Mit der etwas komplizierten Namensgeschichte dieser Stadt beschäftigt sich ein Song der Band They Might Be Giants (Sie könnten Riesen sein) aus den USA. Auf diese Namenssache gehen wir in einem anderen Einzelduell ein. Aber mal ganz im Ernst, Leute: „Im Herzen von Europa liegt mein Frankfurt am Main/Die Bundesliga gibt sich hier gar oft ein Stelldichein/Hier gibt es eine Eintracht, die spielt Fußball ganz famos/Man kennt sie nicht nur am Mainestrand, nein auf der ganzen Welt.“ Hat man jemals ein besseres Lied gehört? Nein. Im Herzen von Europa! Wo der eine sein Mädchen liebt und der andere den Sport und wieder der nächste seinen Jungen. Istanbul dagegen liegt ziemlich am Rande Europas, und keine Bundesliga gibt sich dort ein Stelldichein (außer der Eintracht in Kürze). Punkt für Frankfurt. 6:5

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