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Eintracht-Fans müssen auch hart im Nehmen sein.

Fußball

Fans aus aller Welt für die Eintracht

Die „Eagles around the World“ sind der internationalste Fanclub des Fußballvereins.

Mitten in der Nacht in einem dunklen Keller in Afghanistan schaute Florian Schmidbauer 2015 mit Kollegen aus der Entwicklungsarbeit ein Spiel von Eintracht Frankfurt, erzählt er. Da sei ihnen die Idee gekommen, einen internationalen Eintracht-Fanclub zu gründen. „Vielleicht hat mich auch der Apfelwein inspiriert“, der von der Bundeswehr-Feldpost importiert worden sei, sagt er und lacht.

Die Idee: „Ein Fanclub, der sich aus Mitgliedern weltweit zusammensetzt und dabei ganz bewusst Menschen aus verschiedenen Ländern, Herkünften, Identitäten und Kulturen eine Heimat geben will.“ Kurze Zeit und etliche Formalitäten später seien die „Eagles around the World“ offiziell angemeldet gewesen.

Alles das, wofür der „Eagles“-Fanclub eigentlich steht, ist derzeit wegen der Corona-Krise nicht machbar. Keine Treffen vor dem Spiel, keine Treffen nach dem Spiel, keine Feiern, keine Stadionbesuche, keine Auswärtsfahrten, kein internationaler interkultureller Austausch geschweige denn Reisen. Normalerweise wären die Mitglieder genau jetzt zur inoffiziellen Fan-Europameisterschaft „Eurofanz“ in die West-Ukraine gereist, auf die man, einmalig in der Geschichte des Turniers, zum zweiten Mal eingeladen wurde.

Die Serie

Die Autorin besucht das Fortbildungsprogramm Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität Frankfurt. Der Beitrag ist im Rahmen eines Kurses entstanden, den FR-Redakteur Florian Leclerc leitet.

Schweren Herzens wurde das Fanclubturnier in Lviv abgesagt. Im vergangenen Jahr kickte „Eagles“-Mitglied Kirsten Schreiber dort als eine der wenigen Frauen mit. „Jeder kannte Kirsten, jeder wusste, dass sie Fußball spielen kann, also warum soll sie nicht mitspielen“, sagt Florian. Kirsten hat bereits mit neun Jahren angefangen, im Verein zu spielen. Jetzt wäre die 22-Jährige, die eine Zeit lang in Myanmar lebte, froh, wenn sie überhaupt mal wieder ins Stadion dürfte. „Im Großen und Ganzen vermisse ich auf jeden Fall die Eintrachtspiele, auch den Fanclub, vorher das Treffen, mit allen sich einfach mal auszutauschen“, sagt sie.

Auch „Eagles“ Gründungsmitglied Kai Shahamat teilt diese Liebe zur Frankfurter Eintracht. An vielen Samstagen habe sich der in Frankfurt geborene Halb-Iraner, als er im Ausland lebte, wegen der Zeitverschiebung morgens aus dem Bett gequält, um seinen Lieblingsverein anzufeuern, erzählt er. Unter anderem reiste er aus Chicago für das DFB-Pokalfinale nach Berlin. Gemeinsam mit den „Eagles“, seiner mittlerweile 134 Mitglieder starken „Zweitfamilie“, wie er sagt, reiste er der Eintracht auch schon durch Europa hinterher, nach Charkiw, Lissabon, Mailand, Rom oder Tallinn. Höhepunkt sei das Europa League-Halbfinale in London gegen den FC Chelsea gewesen.

Derzeit muss man sich stattdessen mit Geisterspielen begnügen. Normalerweise sind Geisterspiele laut Florian in der aktiven Fanszene gleichzusetzen mit Bestrafung, allerdings momentan das einzige Mittel, um überhaupt Fußball schauen zu können. „Aber es ist natürlich nicht der Fußball, den wir kennen und lieben“, sagt Florian. Regulierte Teil-öffnungen von Stadien ohne Schreien und Singen lehnt er zusammen mit den meisten anderen „Eagles“ jedoch kategorisch ab.

Die eigens für den Fanclub angefertigten Corona-Schutzmasken verziert ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen, der einen Globus in den Fängen hält, das Logo der „Eagles“. Sie werden hoffentlich bald unnütz in den Schubladen liegen und eine ewige Erinnerung an diese verrückte Zeit sein.

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