+
Axel „Beve“ Hoffmann will nach Baku – und danach einen weiteren Pokal ins Eintracht-Museum stellen.

Porträt der Woche

Beve auf Europa-Reise

  • schließen

Der Moderator und Autor Axel Hoffmann ist viel mehr als nur Fan von Eintracht Frankfurt. Am Donnerstag hat er einen extrem wichtigen Termin in London.

Es ist noch nicht vorbei. Es ist noch alles drin. Natürlich kann Eintracht Frankfurt bei Chelsea in London gewinnen. Oder zumindest 2:2 spielen. Oder aber 1:1 und dann über das Elfmeterschießen weiterkommen. Doch, das geht. Wir… – Entschuldigung: Eintracht Frankfurt – die Eintracht also hat in Mailand gesiegt. Warum soll ihr das nicht auch in London gelingen? Es gibt überhaupt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass wir… dass die Eintracht am 29. Mai im Europapokal-Endspiel in Baku spielt.

Die Eintracht im Halbfinale

- Mit wackeligen Knien nach London
- Hoffen auf Rode und Haller

Wenn man sich mit Axel Hoffmann trifft, noch dazu am Tag nach dem Halbfinal-Hinspiel gegen Chelsea, sollte man diese Sätze verinnerlichen. Sie sind eine Art Gesprächsgrundlage. Denn Hoffmann, den alle Welt nur „Beve“ nennt, was an einem Fußball-Derby zwischen der Eintracht und Kickers Offenbach liegt, Hoffmann also ist Eintracht-Fan durch und durch. Und er möchte nicht, dass die Europa-Reise der Adlerträger jetzt endet.

Wobei Axel Hoffmann nicht einfach nur Fan ist. So ziemlich alles, was der 54-Jährige beruflich macht (und das ist einiges), hat mit der Eintracht zu tun. Hoffmann ist Moderator, Museumspädagoge und Journalist für verschiedene Eintracht-Publikationen, wobei er selbst den Begriff Autor bevorzugt. Der einstige Germanistik-Student schreibt eben gerne schöne Geschichten, durchaus etwas länger. „Eigentlich“, sagt Hoffmann, „bin ich Lebenskünstler.“

Am vergangenen Donnerstag, eine knappe Stunde vor Anpfiff des Halbfinals, steht der Lebenskünstler auf einer kleinen überdachten Tribüne, die vom Eintracht-Museum „Waldtribüne“ getauft wurde, und interviewt einen der Helden seiner Jugend. Lajos Detari ist gekommen, der überragende Spielmacher, der die Eintracht 1988 zum Sieg im DFB-Pokal schoss. Sein Auftritt ist Teil des Vorprogramms am Museum, das es zu jedem Heimspiel gibt. Fast jedes Mal kommt ein Eintracht-Promi von einst zum Interview mit Hoffmann auf die Bühne. Anfangs, so räumt er ein, sei er bei den Gesprächen nervös gewesen, doch mittlerweile ist „Beve“ routiniert. Auch die fünf oder sechs Fragen, die Hoffmann und seine Partnerin Pia Geiger an Detari richten, sitzen: „Für mehr ist ja leider eh keine Zeit.“

Lesen Sie zum Thema Eintracht Frankfurt
- Eintracht-Debakel in Leverkusen
- Klassenbuch Leverkusen - Eintracht
- Eintracht-Systemausfall in Leverkusen
- Eintracht-Kolumne Ballhorn

Einige Jahre lang war Hoffmann Stadionsprecher am Riederwald, wo die Jugendmannschaften der Eintracht ihre Heimspiele austragen. Heute arbeitet er vor allem im Museum des Vereins. Auch dort moderiert er regelmäßig Veranstaltungen. „Tradition zum Anfassen“, heißt die Reihe, die ihm schon Gespräche mit Jürgen Grabowski und Anthony Yeboah beschert hat. Zudem bietet er Führungen durchs Museum an und arbeitet in Projekten mit wie etwa dem Programm „Frankfurt – Theresienstadt – eine Spurensuche“. Dabei beschäftigen sich Fans mit dem Ort, „an dem auch Eintrachtler eingesperrt, entrechtet und ermordet wurden und der doch auch eine Fußballgeschichte hat“, wie es auf der Internetseite des Museums heißt. So gab es im Lager Theresienstadt eine eigene Fußball-Liga. Geplant sind mehrere Veranstaltungen und im Herbst eine Reise in das einstige Lager.

Die Eintracht spielt am Donnerstag, 9. Mai, bei Chelsea London. Bei einem Auswärtssieg stehen die Frankfurter im Finale, ebenso bei einem Unentschieden, bei dem sie mindestens zwei Tore erzielen. Bei einem 1:1 nach 90 Minuten gibt es Verlängerung.

Anpfiff ist um 21 Uhr. RTL überträgt das Spiel live.

Im Waldstadion gibt es ein Public Viewing. Tickets gibt es für zehn Euro unter www.commerzbank-arena.de.

Wer sich in diesen Tagen mit „Beve“ unterhält, spricht viel über Europa. Zu allen bisherigen sechs Auswärtsspielen der Eintracht im Ausland ist er gefahren, und selbstverständlich ist er auch am Donnerstag in London dabei. In seinem Blog „Beves Welt – ein Sammelsurium aus einem angebrochenen Leben“ erzählt er Geschichten von seinen Fahrten. Entstanden ist eine Sammlung, die zeigt, dass Europapokal für die Fans viel mehr bedeutet als ein paar zusätzliche Spiele auf internationaler Ebene.

Am eindrucksvollsten sind seine Schilderungen aus der Ukraine, die in der FR locker zwei oder drei Druckseiten gefüllt hätten. Die Eintracht spielte im Sechzehntelfinale gegen Schachtjor Donezk, doch wegen des Krieges in der Ostukraine wurde das Hinspiel in Charkiw ausgetragen. Hoffmann reiste zunächst nach Kiew, „und ich verliebte mich ein wenig in die Stadt“. Bei Schnee und Eis erkundete er die Hauptstadt der Ukraine auf eigene Faust.

Dann fuhr er mit dem Zug weiter nach Charkiw, wo die Straßen breit, die Plätze riesig und die Gehwege in der Regel nicht geräumt sind. Nach dem Spiel, das 2:2 endete, wollten viele der rund 3000 Eintracht-Fans eigentlich mit der U-Bahn zurück in die Innenstadt fahren, doch anders als die Ordner im Stadion behauptet hatten, fuhr die Metro nicht mehr. Auch Taxis ließen sich nicht blicken. Also liefen viele Hunderte Eintracht-Fans gegen halb zwei in der Nacht durch stockdunkle Straßen in die City. Bei minus zehn Grad legten sie Kilometer um Kilometer zurück.

Es sind solche Erinnerungen die bleiben werden, auch wenn die Europareise am Donnerstag enden sollte. „Diese Saison hat uns Fans extrem viel gebracht“, sagt Hoffmann – und meint nicht nur den Fußball. Die gemeinsamen Fahrten, die Begegnungen mit Fans in anderen Länder, „das waren großartige Erlebnisse“.

Am liebsten würde „Beve“ Ende Mai noch eine weitere weite Reise machen. Nach Baku, wo das Endspiel ausgetragen wird. Die Sehnsucht der Fans, nach 1980 wieder den Europapokal zu gewinnen, ist riesengroß – wie sich etwa beim FR-Fototermin vor dem Chelsea-Spiel am Stadion zeigte. Für das Bild holte „Beve“ den Europapokal aus dem Museum, und Dutzende Fans wollten ein Foto mit der Trophäe machen – darunter auch der Musiker Lotto King Karl, dessen Herz eigentlich dem Hamburger SV gehört.

Doch das Halbfinal-Rückspiel in London wird schwer, das räumt der Fan ein: „Chelsea hat schon extrem gut gespielt.“

Bleibt die Frage, wieso Hoffmann eigentlich alle „Beve“ nennen. Dazu müssen wir zurückgehen an den Anfang dieses Jahrtausends, als sich das Internet noch neu anfühlte, als es noch kein Facebook gab, und sich Gleichgesinnte vor allem in Foren unterhielten. Etwa auf der Website der Eintracht, wo jeder unter einem sogenannten Nickname schreibt. Hoffmann hätte sich „Grabi“ oder „Holz“ nennen können, er war einer der ersten im Forum, die Namen waren also noch frei. „Doch die allererste Reihe der Eintrachtler, das hätte nicht zu mir gepasst“, sagt er. Also erinnerte er sich an sein allererstes Eintracht-Spiel, das er besuchte. März 1976, Eintracht Frankfurt gegen Kickers Offenbach. Die Eintracht siegte 1:0, das Tor schoss Klaus Beverungen – den alle „Beve“ nannten. Wäre auch das geklärt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare