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Emotionale Achterbahnfahrt: Eintracht-Fans verfolgen das Spiel der SGE gegen Donezk.

Fans von Eintracht Frankfurt

Singend durch den Europapokal

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Hurra, die Eintracht spielt europäisch - aber bis nach Donezk fahren? Knapp 1000 Fans verfolgen das Spiel am Riederwald. 

Das ist kein Freundschaftsspiel. Das ist der Anfang der Endrunde des Europapokals. Da wird keinem was geschenkt. Und das ist auch kein Public Viewing, auch wenn es so aussieht. Die knapp 1000 Gäste, die am Donnerstagabend in die Vereinsgaststätte „Diva“ im Riederwald gekommen sind, sind handverlesen, Eintracht-Mitglieder, haben vorher an einer Verlosung teilgenommen und daher bereits gewonnen, bevor das Spiel überhaupt angepfiffen wird. Nun muss die Eintracht nur noch gegen Schachtar Donezk nachziehen. Es wird ein heißes Spiel.

In der Ostukraine ist es aber bitterkalt. In der Elf von Schachtar, hatte der Reporter von HR-Info vor dem Spiel informiert, kicken ausschließlich „ukrainische Nationalspieler und Brasilianer“. „Ich kann nicht verstehen, wie ein Brasilianer in Donezk leben kann“, wunderte sich der Reporter, da sei es nämlich tierisch kalt, lieferte dann aber selbst die einzig logische Erklärung: „Es gibt ja eine Rasenheizung!“

Eine Rasenheizung brauchen die Fans, die am Donnerstagabend in die Vereinsgaststätte „Diva“ im Riederwald gekommen sind, nicht. Zum einen ist es nicht kalt. Zum anderen gibt es Ebbelwei. Und wie üblich jede Menge Riesenbildschirme in der Kneipe und den dahinter aufgebauten Bierzelten. „Die Körpergröße müsste für die Hessen sprechen“, mutmaßt der Reporter von RTL Nitro, aber am Riederwald besorgen die Hessen das zum Glück noch selbst. Und sie sprechen nicht nur, sie singen sogar. „Im Herzen von Europa“ vor dem Spiel, „Europapokal“ während des Spiels, zeitgleich mit den Eintracht-Fans, die den Weg in die Ukraine nicht gescheut haben.

So schön, so verbindend kann Fußball sein. Erst recht, als Hinteregger in der 7. Spielminute die Eintracht in Führung schießt. Spielt ja auch einen gepflegten Ball, der brasilianische Ukrainer, gibt da auch der Hesse gerne zu, denn neben der Körper- besticht er auch durch Herzensgröße. Als Marlos kurz danach ausgleicht, lässt der Hesse dann aber doch ein wenig Luft aus Herz und Lunge. Und als Stepanenko wegen wiederholten Foulspiels vom Platz fliegt, wird er mit einem vielstimmigen „Dumme Sau!“ verabschiedet. Mitunter lässt der Hesse nämlich auch seinen inneren Kinski sprechen. Und außerdem ist das kein Freundschaftsspiel. Auch wenn Schachtar Donezk derzeit so ziemlich der einzige europäische Verein zu sein scheint, der uns Jovic nicht ausspannen will.

Vielleicht überlegen die es sich aber noch mal, denn es ist Jovic, der Kostics erneuten Führungstreffer in der zweiten Halbzeit vorbereitet. 1000 Kehlen sind sich einig: Wir holen den DFB-Pokal. Und werden Deutscher Meister. Aber erst mal: Europacup, dieses Jahr. Der Nitro-Reporter lobt Trapps präsente Körpergröße im Eintracht-Tor und wie dieser „aus der kalten Hose so einen Reflex rausholt“, und das trotz Rasenheizung. Dann fällt der Ausgleich. Die Eintracht versemmelt etliche Dickchancen. Gegen Ende der Partie brennen in Donezk ein paar Pyros und in den „Diva“-Zelten ein paar Kippen, man einigt sich auf Unentschieden, vielleicht war das ja doch so eine Art Freundschaftsspiel.

Aber das war nur der Anfang des Anfangs des Europapokals, und darum verlassen die Fans die „Diva“ relativ wohlgemut. Nächste Woche empfängt die Eintracht die Donezkis im Waldstadion, und da wird ein rauer Wind wehen, das wird kein Freundschaftsspiel, und auch keins mit Rasenheizung, aber mit Körpergröße. Und wenn es den ukrainischen Brasilianern zu kalt werden wollte, können sie sich ja an Trapp reiben. Der hat schon die Hosen an.

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