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Ein Teil der Waldstadion-Choreographie vor dem Spiel gegen Inter Mailand im März.

Eintracht - Chelsea

#Plastikmüll im Stadion: So geht nachhaltige Choreo zum Eintracht-Spiel

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Das Europa-League-Halbfinale Eintracht Frankfurt - FC Chelsea wird es wieder zeigen: So eine Fan-Choreografie ist die tollste Sache der Welt, macht aber auch viel Dreck.

Wie fängt man diesen Text jetzt an? So was kann ja total in die Hose gehen. Dann heißt es wieder: Der Affe von der Zeitung will uns die Stimmung kaputtschreiben, pfui, jetzt macht der vor so einem wichtigen Spiel hier einen auf Umweltapostel, raus mit dem blöden …

Also, erstens: Der Autor zählt sich seit annähernd 50 Jahren zum sogenannten zwölften Mann (Frauen sind ausdrücklich mitgemeint), der am Donnerstagabend Chelsea von den Zuschauerrängen aus niederringen wird, und er liebt das bunt geschmückte Stadion. Zweitens: Uns hat die Frage erreicht, was nach dem Spiel mit all dem Kunststoffkram von der Fan-Choreographie geschieht.

Der ist nämlich, rein umweltmäßig betrachtet, heikel. „Was passiert eigentlich mit dieser Masse an Plastikfahnen, die für die ,Choreo‘ genutzt werden?“, fragte auf Twitter einer, dessen Namen wir natürlich zu seinem Schutze hier verheimlichen, unter dem Hashtag #Plastikmüll vor dem Spiel gegen Benfica Lissabon.

Was die Choreo zum Eintracht-Spiel nachhaltiger machen würde

Etwa gleichzeitig meldete sich der Frankfurter Müllentsorger FES mit demselben Anliegen. „Wir finden das alles toll, was die Fans machen“, sagte FES-Sprecher Stefan Röttele. „Der zwölfte Mann, das sind stimmungsvolle Bilder, und das kann einer Mannschaft sicher Auftrieb geben.“ Andererseits: „Es fällt auf, dass diese Massen an Material nicht zu recyceln sind. Das ließe sich mit einfachen Mitteln auch nachhaltiger gestalten.“

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Die Fachleute bei der FES haben überschlagen, dass bei einer Choreographie ungefähr so viel Müll anfällt, wie in sechs 1100-Liter-Behälter passt; das sind die großen Mülltonnen, die vor Mietshäusern stehen. Der Inhalt unterteilt sich demnach je zur Hälfte in Papier und Kunststoffe. „Leider ist das größtenteils kein Polyethylen (PE), das wir wiederverwerten könnten“, sagt Röttele. Und das Papier sei mit Lacken beschriftet. Resultat: Beide Trägerstoffe sind sogenannter AZV, Abfall zur Verwertung – und rein damit in die Müllverbrennung.

Eintracht-Fahnen und Banner am besten wiederverwerten - beim DFB-Pokal-Banner hat‘s ja auch geklappt

Das Material wird von Reinigungskräften des Stadionbetreibers eingesammelt, draußen aufgehäuft, von der FES abgeholt. Die Verursacher – nein: Die grandiosen Künstler, die vor jedem Europacup-Heimspiel gänsehautträchtige Inszenierungen vorbereiten und denen Stadionbesucher bitte Geld in die Box „Choreo-Spende“ stecken sollten, sind sich der Tatsachen bewusst. Man versuche, möglichst viele Materialien wiederzuverwenden, heißt es. Das habe schön öfter geklappt – am besten mit dem Banner, das den fünften DFB-Pokal zeigt. 2017 noch mal eingemottet, 2018 wahr gemacht.

„Denkbar sind 70 bis 80 Prozent Kunststoffrecycling, sofern PE verwendet wird“, sagt Röttele, „beim Papier sogar 95 Prozent mit wasserlöslichen Farben.“ Ein Hinweis für die Zukunft.

Bis dahin darf als sicher gelten: Die Plastikfahnen vom Benfica-Spiel sind vermutlich nicht zuhauf im Müll gelandet, sondern massenhaft in den Wohnstuben der glücklichen Fans. Und ehe eine Choreo die Welt untergehen lässt, soll erst mal die Formel 1 auf Windkraftantrieb umstellen. Sebastian Vettel hat sicher Verständnis. Der ist Eintracht-Fan.  

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