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Ultras haben Peter Beuth als Gegner ausgemacht.

Eintracht Frankfurt

„Aufenthaltsverbot für Beuth“ - Eintracht-Fans im Clinch mit der Polizei

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Eintracht-Frankfurt-Anhänger durften nicht in die Nähe des Stadions und reagieren mit scharfer Kritik am Innenminister Beuth.

Der Container, an dem die Frankfurter Ultras vor Heimspielen der Eintracht regelmäßig ihre Devotionalien verkaufen, blieb am Samstag als Zeichen des Protests geschlossen, und in der Nordwestkurve, in der die besonders treuen Fans stehen, hing ein Transparent: „Aufenthaltsverbot für Beuth“. Der seit Monaten an Schärfe gewinnende Konflikt zwischen der aktiven Frankfurter Fanszene und der Polizei wurde beim Spiel der Eintracht gegen Borussia Dortmund öffentlich sichtbar. Dabei geht es vor allem um Aufenthalts- und Betretungsverbote, die die Polizei regelmäßig gegen Fußball-Fans ausspricht, die in der Vergangenheit bei Spielen auffällig geworden sind.

SGE-Ultras gegen Innenminister Peter Beuth

Auf einem Aushang rund ums Stadion bezeichneten die Ultras die Polizisten als „Schergen von Peter Beuth“. Diese hätten „sinnlose und willkürliche Betretungsverbote“ ausgesprochen. Und das nicht zum ersten Mal, wie ein Sprecher der Fan-Organisation „Der 13. Mann“, die Eintracht-Anhänger unter anderem in Rechtsfragen berät, im Gespräch mit der FR beklagt. Regelmäßig gingen bei Fans Verfügungen ein, wonach sie sich am Spieltag nicht rund ums Stadion aufhalten dürften. Diese beträfen Fans mit und ohne Stadionverbot, sprich: Auch Leute, die eine Dauerkarte für Eintracht-Spiele hätten, würden daran gehindert, die Partien zu besuchen. Ein System sei nicht erkennbar. „Mal trifft es diese, mal jene“, so der Sprecher.

Viele Eintracht-Fans vermuten hinter dem Vorgehen ein politisches Statement. Innenminister Peter Beuth hatte mit seiner Forderung, das Abbrennen von Pyrotechnik mit Haftstrafen zu ahnden, viele Fans gegen sich aufgebracht. Beuth suche den Konflikt mit den Ultras regelrecht, das Verhältnis zur Polizei habe sich in den vergangenen Monaten dramatisch verschlechtert, so der Sprecher des „13. Mannes“. Bei einer Partie im Herbst seien Einsatzkräfte in voller Montur in die Fankurve marschiert. Viele Anhänger sähen das als Provokation.

Auch Eintracht-Fans mit Dauerkarten erhalten Verfügungen

Tatsächlich hätten 15 Eintracht-Fans für den vergangenen Samstag Aufenthaltsverbote erhalten, sagte ein Sprecher der Polizei. Zu diesem Mittel greife man vor allem bei Risikospielen, wenn also Krawalle befürchtet würden. Jeder Fall werde einzeln geprüft, Ziel des gesamten Einsatzes sei die „strikte Fantrennung der jeweiligen Problemfangruppen“. Das sei am Samstag gelungen, auch weil 65 Dortmunder Anhänger auf ihrem Weg von der S-Bahn-Station zum Stadion vorübergehend gestoppt wurden – ein Einsatz, gegen die die Dortmunder Fanhilfe protestiert.

Lesen Sie hier unseren Spielbericht zur Partie der SGE gegen St. Pauli

Die Frankfurter Strafverteidigerin Waltraut Verleih, die regelmäßig Fußball-Fans vertritt, sieht die Betretungsverbote kritisch: „Wie nicht ungewöhnlich, löst die Polizei Kommunikationsdefizite mit Gefahrenabwehrmaßnahmen in bedenklicher handwerklicher Qualität“, sagt sie. Oft würden in den Verfügungen falsche Behauptungen über Straftaten gemacht. Zudem prüfe die Polizei nicht, ob es auch ein milderes Mittel gebe, etwa eine Gefährderansprache. Das widerspreche aber dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.

Von Georg Leppert

In der Länderspielpause sind zwölf Adler mit ihren Nationalmannschaften auf Reisen. Der Rest testet am Donnerstag, 14.11.2019, ab 14 Uhr unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegen den SV Sandhausen. Verpassen Sie nichts in unserem Live-Ticker. 

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