RÖMERBRIEFE

Der Eintracht sei dank

  • Claus-Jürgen Göpfert
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  • Georg Leppert
    Georg Leppert
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Fußball und Politik passen prima zusammen. Sie werden es im Römer erleben. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Göpfert:Also, wann willst du dann heute ins Stadion fahren?

Leppert:Na ja, das Spiel beginnt um 18.55 Uhr …

Göpfert:18.55 Uhr? Da beginnt im Römer gerade die heiße Phase.

Leppert:Hallo? Die Eintracht spielt, und es gibt doch noch dich und Christoph Manus und Sandra Busch und Florian Leclerc, und zusammen werden wir eine ganz tolle Zeitung machen.

Das ist wieder mal eine furchtbare Terminkollision, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. Zum einen spielt heute Abend die Eintracht gegen Gib-mal-Reis. Also auf Schwäbisch spricht der Gegner sich so aus. Total wichtig. Ein Sieg und wir, äh, die Eintracht ist in der nächsten Runde. Zum anderen aber tagen heute auch die Stadtverordneten. Und die Sitzung hat es ebenfalls in sich. Es geht um den AWO-Skandal im Allgemeinen, Peter Feldmanns Rolle darin im Besonderen, der Haushalt wird eingebracht, und, wer weiß, vielleicht gibt es noch andere tolle Diskussionen.

Peter Feldmann: Das alles ist unverzeihlich

Nun sind wir als Zeitung ja in einer komfortablen Lage, wie Sie unserem Dialog zum Einstieg entnehmen können. Der eine geht halt etwas früher in den Römer, fährt dann ins Stadion und kommt später wieder. Der andere unter uns Römerbrief-Schreibern hält Kevin Trapp für ein neues Mausefallenfabrikat, insofern tut es ihm nicht weh, während des Spiels zu arbeiten, und überhaupt sind wir bestens aufgestellt. Unsere Politikerinnen und Politiker haben es da schon schwerer, für die gilt Präsenzpflicht. Aber womöglich lässt sich das Spiel ja auch nutzen, um in den Reden die eigene Position zu stärken. Wir haben uns mal überlegt, welche Beiträge heute durch die Eintracht an Fahrt gewinnen könnten.

OB Peter Feldmann (SPD): „Meine Damen und Herren, natürlich habe ich einen entsetzlichen Fehler gemacht. Sagte ich einen? Ich meine natürlich: viele. Ich hätte jede Gehaltsabrechnung meiner Frau genau studieren müssen, und den Ford Focus hätte ich zurück zur AWO schieben müssen, ja, schieben, damit ja kein Benzin der AWO verbraucht wird. Das alles ist unverzeihlich. Das großartige Amt des Oberbürgermeisters ist total beschädigt, ganz Frankfurt ist durch mich beschädigt, ich übernehme die volle Verantwortung und trete hiermit … Leute, 1:0 für die Eintracht, durch Hinti, Euopapooookaaal. Was wollte ich eben sagen? Voll vergessen. Egal, die Eintracht führt. Nächster Tagesordnungspunkt.“

Verschärfte Regeln im Römer

Kämmerer Uwe Becker (CDU): „Liebe Kolleginnen und Kollegen, eine Minute vor Schluss ist die Eintracht in Rückstand geraten, Lüttich führt gegen Arsenal, sorry, aber wir sind raus (dramatische Pause, Ursula auf der Heide schluchzt laut), hahaha, voll verarscht, es steht 3:0 für die Eintracht, aber jetzt seid ihr so erleichtert, dass ihr die vielen Schulden, die ich euch jetzt präsentieren werde, gar nicht mehr so schlimm findet.“

Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU): „So, liebe Leute, normalerweise drehe ich Kolleginnen und Kollegen, die zu lange reden, das Mikro ab. Heute verschärfte Regeln, um den Gruppendruck zu erhöhen: Nach zehn Sekunden Überschreitung kappe ich den Handyempfang. Dann ist nichts mehr mit Liveticker.“

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppertberichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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