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Mitarbeiterin Kathrin liefert Mitglied Franziska die Lebensmittel an die Haustür.  

Lieferdienst

Die Eintracht bringt das Essen

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Den ehrenamtlichen Einkaufsservice des Vereins nutzen viele Mitglieder regelmäßig. Zweimal pro Woche fahren Mitarbeiter die Lebensmittel im ganzen Stadtgebiet aus.

Dass Eintracht-Torhüter Kevin Trapp persönlich Lebensmittel vorbeibringt, dieses Vergnügen hatte ein Vereinsmitglied in der vergangenen Woche nur ausnahmsweise. Da war der Keeper als Überraschungsgast auf einer Tour des Einkaufsservices dabei, den Eintracht Frankfurt seit vier Wochen anbietet. Das war Teil der „Auf jetzt!“-Kampagne, die der Bundesligist in der Corona-Zeit neu aufgelegt hat. Aber auch bei den regulären Auslieferungen ist die Freude und Dankbarkeit bei den Belieferten groß.

So auch am gestrigen Donnerstag. Mitarbeiterin Kathrin fährt kurz nach 13 Uhr im Gallusviertel vor. Eintracht-Mitglied Franziska hat sie schon erwartet. An der Tür im vierten Stock erfolgt die Übergabe der Lebensmittel in zwei Tüten; unter anderem Bananen, Butter und Toastbrot wechseln den Besitzer.

Franziska ist der Service des Vereins eine große Hilfe. Die 28-Jährige, die seit sieben, acht Jahren regelmäßig ins Stadion geht und seit drei Jahren Mitglied ist, zählt zur Risikogruppe, sie ist nach einer Krebserkrankung in Chemotherapie. „Ich gehe so wenig wie möglich raus, das wäre ein zu großes Risiko.“ Normalerweise geht sie jeden Tag einkaufen, verbindet das mit einem Spaziergang. Nun die völlige Umstellung: Ihre Bestellung an die Eintracht muss sie so planen, dass die Lebensmittel für mehrere Tage reichen. Wobei sie diese Woche an beiden Tagen den Service genutzt hat.

Jeden Dienstag und Donnerstag fahren Kathrin und ihre Kollegen die Bestellungen aus, im ganzen Stadtgebiet. Rund 40 Mitglieder haben das Angebot bisher genutzt, „die meisten von ihnen sind schon Stammkunden“, sagt Kathrin. Die Arbeit fängt aber schon vor den Touren an.

Rund zwei Stunden dauert der Einkauf, weitere knapp eineinhalb Stunden die Sortierung. Dabei muss auf viele Kleinigkeiten geachtet werden. Manche Mitglieder wollen explizit Biobananen, „bitte nicht zu reif“. Andere wollen Erdbeeren, „aber nur aus Deutschland“. Die Bestellungen gingen vorher per E-Mail oder Telefon ein, gezahlt wird später per Rechnung, nur der Warenwert selbst. Der Service ist kostenlos, als Angebot der Eintracht in der Corona-Zeit. „Wir bekommen dabei so viel Liebe zurück“, sagt Henning Schwarz, Geschäftsführer der Fanabteilung innerhalb des Vereins.

Zum Beispiel von Christine. Die 55-Jährige ist die zweite Empfängerin auf der Tour von Kathrin, auch sie zählt wegen einer Krebserkrankung zur Risikogruppe. Sie ist „total froh“, sagt sie am Fenster ihrer Wohnung im Nordend, durch das die Waren diesmal gereicht werden. Eier, Zitronen, Bananen, Kartoffeln und einiges mehr, auch bei Christine müssen die Einkäufe jetzt für einen längeren Zeitraum reichen.

„Ich bin eigentlich immer nach der Arbeit einkaufen gegangen, jeden Tag. Jetzt mache ich Homeoffice, gehe zwar noch an die Luft, aber eben nicht in Geschäfte.“ Das Angebot der Eintracht, der sie seit Kindesbeinen verbunden ist, nutzt sie von Anfang an; ihre Dankbarkeit zeigt sie unter anderem dadurch, dass sie Kathrin jedes Mal ein bisschen Kuchen schenkt.

Die fährt derweil weiter, zu Senioren, zu anderen Menschen mit Vorerkrankungen, zu Vereinsmitgliedern eben, die auf diesen Service angewiesen sind. Und dann muss auch nicht zwingend ein Kevin Trapp dabei sein.

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