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Abends kann es im Park kühl werden. Decken gibt es zum Ausleihen.

Einstiegsdroge im Grüneburgpark

Dramatische Bühne Frankfurt spielt Goethe-Medley

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Die Dramatische Bühne spielt 29 Theaterstücke beim ältesten Frankfurter Freilichtfestival. Ein Abend voll Kostüm, Kulisse und Theaterzauber. 

Man muss sich ein wenig durchkämpfen durch das Labyrinth des Grüneburgparks, den Schildern folgen bis ganz nach oben. Dann, inmitten von Menschen, die den Sommerabend mit Bier und Wein auf Liegestühlen einläuten, mit Picknickkörben auf Picknickdecken, taucht Goethe auf, der nichts Geringeres vorträgt als seine „Leiden des jungen Werther“.

Doch wer befürchtet, ein solch vermeintlich düsteres Stück könne die Sommerstimmung am Mittwochabend in Frankfurt trüben, kennt die Interpretation der Dramatischen Bühne nicht, die diese bei ihrem Freilichtfestival vorführt. Hier erzählt ein gealterter Goethe persönlich, und zwar am letzten Tag seines Lebens. Nicht nur er lacht über die schmalzige Sturm-und-Drang-Rhetorik des jungen Werther/Johann, auch das Publikum amüsiert sich hörbar. Das Stück entpuppt sich als eine Art Best-of- Goethe, ein Medley der bekanntesten Zitate und Phrasen. Ein bisschen Faust, ein paar Gerüchte, Mephistopheles taucht auf, Lotte und Albert, ein bisschen Dichtung, ein bisschen Wahrheit. Viel Humor und komischer Kitsch, ganz nach der selbst erklärten Vision der Dramatischen Bühne Frankfurt: „Eine Wiederbelebung des aberwitzigen, tolldreisten Theatertraums, wie er seit Shakespeares Zeiten kaum mehr geträumt wird: Geschichten voller Alberei und Tiefsinn zugleich, reich an Kostüm, Kulisse und (faulem) Theaterzauber“. Das Motto des Theaters, „So wie wir lieben, lügen wir und dies ist eine Narrenbühne hier“, scheint Programm.

Sebastian Huther zögert mit seiner Funktionsbezeichnung „Geschäftsführer oder Bürohilfe oder Organisationstalent – und, genau, Schauspieler.“ Er betont: „Die Dramatische Bühne ist wahres Volkstheater. Auch oder gerade für Leute, die nicht theateraffin sind, ist es wie eine Einstiegsdroge. Manchmal bleibt es auch die einzige Erfahrung mit Theater.“

Dramatische Bühne: Jeden Sommer im Grüneburgpark

Die freie Theatergruppe mit festem Ensemble – manche sind schon seit über 20 Jahren dabei – spielt eigentlich in der Exzess-Halle auf der Leipziger Straße. Jeden Sommer führt die Dramatische Bühne ihr Repertoire fast zwei Monate lang im Grüneburgpark auf. Das älteste Freiluftfestival Frankfurts bietet an die 400 Sitzplätze. Aber „an einem guten Tag kommen über 500 Leute mit eigenen Picknickdecken“, sagt Huther. Manche hätten sich schon mal Essen anliefern lassen.

Huther bezeichnet das Festival als „feste Größe in Frankfurt“. Er sagt: „Wir haben eben ein ganz besonderes Flair, besonders, wenn die Sonne untergeht.“ Schon im Januar bekomme er Mailanfragen, wann sie dieses Jahr spielten. Der Abendbesuch stehe und falle jedoch mit dem Wetter. Und es stelle sich auch das Problem der Finanzierung. Laut Huther ist das Theater auf den Umsatz durch Eintrittskarten und Getränke angewiesen. Die städtische Förderung von 30.000 Euro, die weit weniger als bei anderen Festivals betrage, reiche gerade einmal für den Auf- und Abbau. Das Gelände müsse aber rund um die Uhr bewacht werden. Hier lagern Requisiten, Kostüme, die Bühnenbilder. Auch die Stromkosten seien fünfmal höher als in der Exzess-Halle.

Das Theater sammelt wie 2018 Geld über Crowdfunding. Bisher sind 120 Euro zusammengekommen. Das liegt weit entfernt von den 1500 Euro, die als erstes Ziel zur Erneuerung von beschädigter Technik sowie Zelt- und Kostümreparaturen angesetzt sind. Geschweige denn vom zweiten Ziel, 2800 Euro, die zum Bau weiterer Toiletten, zur Erneuerung der Soundanlage und der Reparatur von Bühnenbildern notwendig wären. Huther bezeichnet das Crowdfunding aber lediglich als „Sahnehäubchen“. Viel wichtiger seien die ehrenamtlichen Helfer, der Förderverein und eben die Eintrittskarten. Das Publikum hier sei „noch durchmischter“, ein weiterer Anspruch. „Hier kommen generell gediegenere Leute, wobei das Exzess auch in den letzten Jahren seinen Schrecken verloren hat“, sagt Huther.

Thorsten Morawietz, der das Theater 1987 im Kollektiv gründete, bewirbt das Festival in einem Trailer: „Geben Sie Ihr Geld nicht für Drogen aus, geben Sie es lieber für uns aus. Sinnlos ist beides, aber bei uns ist es wenigstens nicht so gesundheitsschädlich.“ Auch wer kein Geld habe, sei herzlich willkommen, müsse das nur am Einlass kundtun. Huther bestätigt, so habe jeder die Chance, Theater zu erleben. „Dann gibt’s auch keine Ausreden mehr.“

Programm

Die Dramatische Bühne Frankfurt veranstaltet noch bis 18. August ihr Freilichtfestival im Frankfurter Grüneburgpark . Gezeigt werden 29 Inszenierungen, darunter vor allem klassische Stücke von Shakespeare über Goethe, Schiller, Dostojewski und Thomas Mann hin zu Patrick Süskind.

Für Kinder wird am 27. und 28. Juli um 16 Uhr „Die Piraten der Karibik“ aufgeführt, das Schiff und die Kostüme können vor und nach der Vorstellung selbst getestet werden.

Kartenreservierung und weitere Infos unter: www.diedramatischebuehne.de 

Vorverkaufstickets sind über Frankfurt-Ticket erhältlich oder unter Telefon 069-13 40 400.

Die Abendkasse öffnet um 19 Uhr.

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