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Die A661 wird zwischen Seckbach und Bornheim überdacht.

Verkehr in Frankfurt

Koalition beschließt Bau von A661-Tunnel

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Die Koalition im Römer einigt sich darauf, die Autobahn auf gut einem Kilometer Länge zwischen Bornheim und Seckbach zu überdachen.

Die Vertreter der Koalition sprudelten nur so vor Energie, als sie am Donnerstag ihren Beschluss für die Einhausung der Autobahn 661 im Frankfurter Osten vorstellten. Von einer „großen Richtungsentscheidung“ sprach Nils Kößler, der planungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion. „Ich bin geradezu euphorisch – das wird das Gesicht der Stadt verändern“, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Ursula Busch. „Es ist die Versöhnung der Stadt mit der Autobahn, um den Begriff aus Hamburg aufzugreifen“, sagte Jessica Purkhardt, die Fraktionschefin der Grünen im Römer.

Mit einem gemeinsamen Antrag hat die Koalition im Römer den Bau der Einhausung zwischen Friedberger und Seckbacher Landstraße nach Variante L2 beschlossen. Die Einhausung ist etwas kürzer als die Maximalvariante L1, welche die Lärmschutzgalerie Seckbacher Landstraße einbezogen hätte. Aus Kostengründen hat sich die Koalition aber gegen die Maximalvariante entschieden, für die sich mehrere Ortsbeiräte ausgesprochen hatten. Auch die Fraktion der Linken goss Wasser in den Wein. „Hier wird die Chance verpasst, die Bornheimer und Seckbacher Bevölkerung vor Lärm zu schützen“, sagte Martin Kliehm, der Vorsitzende der Linken im Römer.

Doch davon ließ sich die Stimmung im Römer nicht trüben. „Wir schreiben heute Geschichte, das ist ein städtebauliches Jahrhundertprojekt“, sagte Planungsdezernent Mike Josef, der auf die Entscheidung gedrungen hatte. Denn die Einhausung hängt mit der Verbreiterung der A661 zwischen Friedberger Landstraße und dem Autobahndreieck Erlenbruch zusammen, die Hessen Mobil vorantreibt. Es soll nun eine „Verwaltungsvereinbarung“ zwischen Stadt und Straßenbaubehörde geben, um Synergien bei Ausbau und Einhausung der A661 zu nutzen. Die Stadt erhofft sich eine Kostenersparnis um 20 Prozent. Ausgelegt ist der Autobahndeckel für drei Fahrspuren in jede Richtung. Der Magistrat erhält den Auftrag, die Vorplanung mit Kostenübersicht zu erstellen.

Die Koalition rang seit einem Jahr mit ihrer Entscheidung. Im Jahr 2018 besuchte der Stadtverordnete aus dem Planungsausschuss drei Einhausungen in Hamburg entlang der A7, um sich über die Hamburger Deckel zu informieren. Beim Expertengespräch vor zweieinhalb Wochen im Stadtplanungsamt erklärte ein Verwaltungsmitarbeiter aus Hamburg die Vorzüge der Deckel – aus Hamburg stammt auch der Slogan „Versöhnung von Stadt und Autobahn“. Die Einhausung der A661 schaffe Raum für Grün und Wohnen und betreibe Stadtreparatur, sagte Nils Kößler. „Wir gewinnen öffentliche Flächen zurück, die derzeit verlärmtes Terrain sind“, meinte Ursula Busch. Es sei wichtig gewesen, jetzt das Zeitfenster für die Planung mit Hessen Mobil zu nutzen, sagte Jessica Purkhardt.

Für März seien Gespräche mit der Straßenbehörde geplant, für Juli Gespräche mit dem Bund über die Beteiligung an den Kosten, ergänzte Stadtrat Josef. Denkbar wäre, dass der Bund den Bauunterhalt übernehme, wie bei der Einhausung in Sindelfingen an der A81. Geld ließe sich auch durch ein zentrales Belüftungssystem sparen.

An der Einhausung nach Variante L2 sei der Bau von rund 3000 Wohnungen möglich, so Josef weiter. Auf dem Deckel entstünden fünf Hektar Grün für Spiel- und Aufenthaltsflächen. Zusätzlich errichte die Stadt auf 80 Hektar eine Grünverbindung vom Günthersburgpark zum Lohrberg.

Hintergrund: Deckel drauf

Die Einhausung der Autobahn A661 zwischen Friedberger und Seckbacher Landstraße wird 1080 Meter lang. Die Planfeststellung soll im Frühjahr 2020 beginnen. Mit einer Planfeststellung rechnet die Stadt Ende 2021.

Gebaut werden soll die Einhausung von 2022 bis 2028. Sie ist für drei Fahrspuren pro Richtung ausgelegt, welche die A661 nach dem Ausbau durch Hessen Mobil auf diesem Abschnitt haben wird. Das Planänderungsverfahren will Hessen Mobil ebenfalls bis Frühjahr 2020 eröffnen. Die Stadt plant eine Verwaltungsvereinbarung, um beide Projekte zu bündeln.

Die Kosten liegen nach dem Preisstand von 2014 bei 151 Millionen Euro. Je länger die Zeit für Planen und Bauen dauert, desto höher werden sie steigen. Die Stadt rechnet mit einer Beteiligung von Land und Bund. Durch die Koordination der Baustelle mit Hessen Mobil könnten 20 Prozent der Kosten gespart werden. Bis zu zehn Millionen Euro, die Hessen Mobil für Lärmschutzwände vorgesehen hat, könnten ebenfalls in das Projekt fließen.

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