Interview

„Einfach umgefallen“

Der Frankfurter Stadtverordnete Manfred Zieran über seine Corona-Erkrankung.

Der Stadtverordnete Manfred Zieran (Ökolinx) berichtete bei der vergangenen Sitzung des Stadtparlaments über seine Corona-Erkrankung. Der 68-Jährige widersprach aufgrund seiner überstandenen Krankheit heftig dem BFF-Stadtverordneten Patrick Schenk, der Corona-Infektionen als eine Form der Grippe abtun wollte.

Wie stellten Sie fest, dass Sie an Corona erkrankt waren?

Irgendwie einfach umgefallen, große Schwäche, Fieber. Das war am 17. März.

Welche Symptome hatten Sie?

Fieber, große Mattigkeit, starken Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, tagelang Übelkeit, zeitweilig Geschmacksverlust, dann Atembeschwerden.

Wie schwer war Ihre Erkrankung?

Ziemlich heftig. Zeitweilig wollte ich weder essen noch trinken, dämmerte wohl so vor mich hin. Dann bekam ich diese Atembeschwerden und war knapp davor, ins Krankenhaus eingeliefert zu werden. Das konnten wir eben noch abwenden.

Wie hoch war ihre Temperatur?

Tagelang um 39 Grad.

Wie lange hatten Sie mit der Erkrankung zu kämpfen?

Mehr als drei Wochen, aber dann braucht man noch Rehazeit. Man schleppt so einen Corona-Schatten mit sich.

Haben Sie noch Nachwirkungen? Viele klagen über Geschmacksverlust.

Geschmacksverlust nicht mehr, aber kleinere andere Probleme. Ich bin jetzt, nach sieben bis acht Wochen, wieder einigermaßen fit, aber schneller müde als sonst.

Patrick Schenk (Bff) verglich in der Debatte des Stadtparlaments Corona mit Grippe und meinte, die Sterblichkeit sei deutlich geringer als bei Grippe? Was halten Sie davon?

Er ist auch in dieser Hinsicht ein politischer Trickbetrüger und rechtsradikaler Wissenschaftsfeind.

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hat gesagt: „Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären – aufgrund ihres Alters und Ihrer Vorerkrankungen.“ Was halten Sie von dieser Aussage?

Palmer hat sich, nachdem er jahrelang rassistische Sprüche von sich gab, nun auch als Sozialdarwinist herausgestellt. Wie die Leute auf den verschwörungsideologischen Corona-Querfront-Demos ist er wohl der Meinung, dass viele andere sterben müssen, damit er und andere Menschenfeinde sich „frei bewegen“ können. Als ob ältere, kranke Menschen „unwertes Leben“ sind, das weg kann.

Sind Sie nun nach überstandener Erkrankung immun, oder haben Sie Angst erneut zu erkranken?

Ich habe mich jetzt zweimal im Abstand von 14 Tagen auf Antikörper testen lassen. Die Werte waren hoch und sie stiegen noch. Meine Hausärztin sagt, ich sei für mindestens ein Jahr immun gegen Covid-19.

Ihre Ökolinx-Kollegin Jutta Ditfurth ist ebenfalls an Corona erkrankt. Wie geht es ihr?

Auch bei ihr verlief es ziemlich scheußlich. Sie erholt sich sehr langsam. Aber auch sie ist jetzt erst einmal für mindestens ein Jahr immun.

Interview: Thomas Remlein

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