1. Startseite
  2. Frankfurt

Einfach Fee.

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Kathrin Rosendorff

Kommentare

Einzimmerwohung heißt die Single, die Fee am 26. Mai veröffentlicht.
Einzimmerwohung heißt die Single, die Fee am 26. Mai veröffentlicht. © Andreas Arnold

Die Frankfurter Singer-Songwriterin trat schon als Vorgruppe von Nena auf. Dann löst sie sich von der Band. Am Freitag erscheint ihre Single.

Fee spielt Gitarre und singt dabei über diesen „Jacky-Cola-Champagner-Vodka-Latte- Macchiato-Zigaretten-Geruch“. Und zwar in ihrem Lied „Smarte Karowesten“. „Es geht um die Zeit, in der die Plattenlabels, uns Honig um den Mund schmierten, damit wir bei ihnen den Vertrag unterschreiben“, sagt Fee. „Sie luden uns zu diesen angeblich so hippen Getränken wie Jacky Cola und Latte Macchiato in Bars ein und versprachen uns die schönsten Dinge wie: ‚Bei uns sind euch Goldene Schallplatten sicher.‘“ Das war im Jahr 2012 und die Frankfurter Singer-Songwriterin war gerade 22 Jahre alt und die Frontfrau der Gießener Band NEOH.

Sie unterschrieben bei Universal und spielten bald darauf als Vorband bei Konzerten von Culcha Candela, Wir sind Helden, Christina Stürmer und sogar Nena. „Nena haben wir aber leider nicht persönlich kennengelernt. Sie wurde direkt mit einer Polizei-Eskorte von der Bühne in ihr Hotel gebracht. Das war krass“, erzählt Fee beim Interview im Café Klatsch in Bornheim und lacht. Mittlerweile ist sie 26 und arbeitet an ihrem Solo-Debütalbum. Ihre Single und das passende Musikvideo dazu „Einzimmerwohnung“ erscheint am 26. Mai. Einen Tag zuvor tritt sie beim Frankfurter W-Festival auf dem Roßmarkt auf.

Seit 2010 lebt die gebürtige Marburgerin in Frankfurt. Immer in einer WG, gerade teilt sie sich eine Wohnung mit einer Freundin in Bornheim. „Als Musikerin ohne festes Monatseinkommen bekommst du in Frankfurt keine Wohnung allein. Du wirst meist nicht mal zum Besichtigungstermin eingeladen.“ Sie lacht, meint es aber ernst. Ihre lange braune Mähne trägt Fee offen. Sie ist der Typ, der kein bis kaum Make-up trägt, und trotzdem hübsch aussieht.

Sie erzählt, warum sie damals beschloss, ohne großes Label weiterzumachen. „Dieses fremdbestimmte Song-Schreiben, bei dem nur zählte: Hauptsache poppig und radiotauglich, fühlte sich für mich total aufgesetzt an. In anderthalb Jahren schrieb ich mit Co-Writern 60 Songs. Irgendwann wusste ich nicht mehr: Was ist eigentlich unser Band-Sound?“, sagt Fee.

Sie stieg nicht nur aus dem Vertrag aus, sondern auch am Ende aus ihrer damaligen Band. „Ich klimperte auf meiner Akustik-Gitarre und merkte, dass meine neuen Singersong-Writer-Titel irgendwie nicht mehr zur Band passten. Also entschloss ich mich, solo weiter zu machen. Keiner sollte mehr mitmischen. Fee und Punkt.“ Deshalb schreibt sie sich selbst auch mit Punkt: „FEE.“.

Ihre schöne klare Stimme hat tatsächlich etwas Feenhaftes. Das ist aber nicht der Grund für ihren Musikernamen. Auch nicht, dass sie großer Fan von dem einstigen Teenie-Idol „La Fee“ war. In ihrem Pass steht: Felicitas Mietz. „Mein Vater wollte, dass ich Felicitas heiße, aber meine Mutter fand den Namen etwas zu lahm und spießig. Und alle nannten mich von Anfang an immer nur Fee.“

Schon als Mädchen sang sie im Kinderchor und bekam Solo-Parts. „Meinen ersten Auftritt hatte ich mit dem Chor in der Marburger Stadthalle. Auf meinem Pulli stand: „Cool.“ Sie lacht. Die Frage, was sie werden will, habe sie sich bis auf ein Mal nie gestellt. „Nur kurz wollte ich mal Busfahrerin werden, weil ich das große Lenkrad toll fand.“ Ansonsten habe sie einfach immer Musik gemacht. „Meine Oma ist 87 und singt noch im Chor in Duisburg. Sie behauptet: Ich habe das Singtalent von ihr“, sagt sie und grinst. „Gitarre habe ich mir selbst beigebracht, und ich hatte Klavierunterricht.“ Sie sang erst in der Schulband, dann in einer eigenen, die aber nie bekannt wurde.

Fee schreibt ihre Songs selbst, aber Noten lesen habe sie nie interessiert. „Ich weiß auch nie, wie der Akkord heißt, den ich gerade spiele: Aber wenn er gut klingt, nehme ich ihn.“ An der FH Frankfurt studierte sie trotz Plattenvertrags Sozialarbeit. „Aber nicht als Plan B, sondern, weil ich die finanziellen Vorteile wie das Semesterticket als junge Musikerin brauchte.“ Ihren Abschluss schaffte sie mit 1,7.

An der Popakademie in Mannheim lernte sie zusammen mit ihrer damaligen Band den da noch unbekannten Sänger Max Giesinger (EM-Hit „80 Millionen“) kennen. Zusammen schrieben sie ihren Song „Süden“. „Dieser wird auch auf meinem Debütalbum zu hören sein.“ Im Oktober soll dieses erscheinen. Von der „Initiative Musik“ wird sie momentan finanziell gefördert.

Der Anfang als Solo-Künstlerin sei hart gewesen. Nicht nur wegen des Geldes. Weg von den großen Bühnen mit ihrer Band hin zu Straßenfest-Auftritten wie bei der Open Stage in Marburg.

„Das schlimmste Konzert hatte ich in Köln. Da war ich für das Jubiläum einer Salatbar-Kette gebucht, und obwohl null Zuschauer da waren, musste ich im Laden spielen. Irgendwann kam von draußen ein betrunkener Mann rein. Und das einzige, das ihn interessierte, war: „Gibt es hier Schnaps zu kaufen?“ Sie lacht. Aber es ging vorwärts. Vor zwei Jahren gewann sie das Nachwuchscasting des W-Festivals. Im Jahr 2016 brachte sie ihre erste EP „Lieber Liegen“ raus und spielte im Sommer als Support Act von Katie Melua. Bei ihrer Reihe „Fee.Sessions“ lädt sie an unterschiedlichen Orten einmal im Monat Gäste aus dem Bereich Musik, Poetry Slam oder Comedy ein und interpretiert Lieblingslieder neu.

Seit sechs Monaten hat sie nun wieder eine Band, die sie begleitet und mit der sie gerade im Tonstudio unweit der Konstablerwache mit der Album-Arbeit in den letzten Zügen liegt. Musikalisch sei es mal nur ein Klavier, mal ein Streichquartett, das sie begleitet. Der Song „Irgendwen anders“ erzähle von peinlichen Momenten bei One Night Stands, bei denen man sich erzählt, wie schön und toll der andere ist, sich gegenseitig anlügt, um nicht allein zu sein. „Dabei ist man für den Moment gerade gut genug für den anderen.“

Das Streichquartett, das eigentlich zu einem „kitschigen Disney-Moment“ passe, sei in dem Fall ein gewollter Widerspruch zur wenig romantischen Realität eines One Night Stands.

Klar, sei ihr Weg ohne großes Label ein langsamerer, aber das sei nicht schlimm. Kürzlich sang sie ein Wohnzimmer-Konzert in Hamburg; „Das war wunderschön. Man baut dabei doch eine ganz andere Bindung auf, als wenn die Leute nur zum Konzert kommen, weil sie mal ein Lied im Radio gut fanden.“

Auch interessant

Kommentare