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Einfach blamabel

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Von: Sandra Busch, Georg Leppert

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Echte Freund:innen: Sylvia Weber, Jan Schneider und der Roboter
Echte Freund:innen: Sylvia Weber, Jan Schneider und der Roboter © Michael Schick

Verrückte Zeiten: Sylvia Weber bricht ein Bundesgesetz, und Peter Feldmann trägt beim Impfen kein Unterhemd. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Römer.

Busch: Trägst du eigentlich Unterhemden?

Leppert: Die Frage ist mir deutlich zu intim.

Busch: Wieso denn, wir wissen doch jetzt auch, dass der Oberbürgermeister keine trägt.

Leppert: Stimmt. Auf dem Foto aus dem Impfzentrum ist zumindest keines zu sehen.

Was Sie gerade gelesen haben, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik, das nennt sich: angetäuschter Dialog. Weil Sie nämlich jetzt bestimmt denken, dass wir heute über Peter Feldmann schreiben. Der hat sich impfen lassen. Mit Astrazeneca. Das tun wir aber gar nicht, denn eigentlich können wir dazu nicht mehr sagen, als dass der OB jetzt eben geimpft ist, was uns in jeder Hinsicht freut. Und dass er Astra genommen hat... ja, nun, halb England ist damit geimpft.

Wir schreiben in Wahrheit über den Skandal der Woche, ach Quatsch: des Jahres. Weil nämlich: Bildungdezernentin Sylvia Weber von der SPD wollte das Gesetz brechen. Nein, nein, sie wollte nicht etwa Steuern hinterziehen oder den Kindern von der IGS Nordend heimlich Sodexo-Essen auftischen. Viel schlimmer. Sie wollte Schulen und Kitas eine Woche später schließen als im Infektionsschutzgesetz vorgesehen. Damit – jetzt wird es völlig absurd – die Eltern sich besser darauf vorbereiten können. Ja, geht’s noch? Als ob Eltern wichtig wären. Der Vorsitzende der größten Oppositionspartei in Frankfurt, Jan Schneider (CDU), hat gesagt, das sei eine landesweite Blamage. Klar. Mindestens. Aber es geht noch schlimmer, wie unsere frei erfundenen Beispiele zeigen.

Der Mietendeckel wurde ja bekanntlich für rechtswidrig erklärt. In Berlin. Aber Berlin ist weit weg, sagt sich Planungsdezernent Mike Josef (SPD) und verkündet: Fünf Euro pro Quadratmeter, mehr darf die Miete nicht kosten. Jan Schneider schäumt, beklagt eine Gängelung von Vermietern (Vermieterinnen sind mutmaßlich auch gemeint, aber das weiß man bei Schneider nie so genau), und spricht von einer bundesweiten Blamage.

Ein generelles Tempolimit auf Autobahnen? Ist gesetzlich nicht vorgesehen. Was Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) nicht daran hindert zu verfügen, dass Wagen mit Frankfurter Kennzeichen künftig nur noch 100 fahren dürfen. Eine Sauerei, findet Jan Schneider. Freie Fahrt für freie Bürger, ruft er. Für Bürgerinnen könne man über ein Tempolimit reden. Wegen der Unfallgefahr und so. Jedenfalls sei Klaus Oesterlings Vorstoß eine europaweite Blamage.

Bleibt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Der darf in den Koalitionsrunden ja nicht mehr am Tisch sitzen, hat die neue Stadtregierung beschlossen. Tut er aber trotzdem. Ein Rechtsbruch, findet Jan Schneider. Der Koalitionsvertrag sei heilig und müsse haarklein umgesetzt werden, auch wenn das weder sinnvoll noch von der Mehrheit gewünscht ist (vgl. Mainkai-Sperrung, 2020). Dass sich der OB darüber hinwegsetze, sei eine Beleidigung für alle Frankfurter (ohne :innen). Und dass er beim Impfen kein Unterhemd trage, darüber müsse man auch noch reden. So oder so: eine weltweite Blamage.

Sandra Busch und Georg Leppert gehören zum Römer-Team der FR, das aus dem Frankfurter Rathaus berichtet. Frühere Römerbriefe gibt es in unserem Dossier Römerbriefe

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