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Vorsicht: Bombe an Bord.
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Vorsicht: Bombe an Bord.

Hanauer Landstraße

Von einer Bombe, die keine mehr war

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Ein Fundstück aus dem Zweiten Weltkrieg verursacht Aufregung in der Hanauer Landstraße. Doch wie sich herausstellt, völlig grundlos. Beide Zünder sind aus dem Sprengkörper bereits ausgebaut.

Die Aufregung war groß auf dem Schrottplatz in der Hanauer Landstraße. Zunächst sah an diesem Freitagmorgen alles nach Routine aus. Ein Kunde hatte eine größere Lieferung Schrott auf dem Hof von „ABContainer“ abgeladen. Beim Sortieren der angekauften Ware stutzten die Mitarbeiter dann aber. „Das ist eine Gasflasche“, sagten die einen. „Das glaube ich nicht“, sagte Andy Biedermann. Der Chef des Schrotthandels fotografierte die vermeintliche Gasflasche und recherchierte mit Hilfe des Bildes im Internet. Dann griff er zum Hörer und alarmierte die Polizei. Die verständigte den Kampfmittelräumdienst. Verdacht auf Fund einer Fliegerbombe.

Die Arbeit auf dem Schrottplatz muss ruhen, bis Klarheit herrscht. Der riesige Innenhof mit den Kundenparkplätzen ist wenig später bis auf ein paar Einsatzkräfte leer. Die neun Mitarbeiter und einige Kunden harren vor einem Absperrband im Regen aus. Drei Meter weiter braust der ahnungslose Verkehr über die Hanauer Landstraße stadteinwärts. Wiederum nur ein paar Meter weiter auf der Gegenseite war der Verkehr noch bis vor kurzem wegen eines Wasserrohrbruchs gesperrt.

Der Experte vom Kampfmittelräumdienst ist eingetroffen. Rudi Reitz ist sich sicher, dass es sich um eine 50 Kilo schwere US-amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg handelt. Nicht ganz sicher ist er sich, welche Gefahr von der rund 70 Jahre alten Bombe ausgeht. Er findet keinen Zünder an der Bombe. Er will sich eine zweite Meinung einholen und ruft Gerhard Gossens an, den Leiter des Kampfmittelräumdienstes beim Regierungspräsidium in Darmstadt.

Bombe nicht als solche erkannt

Die Stimmung vor dem Absperrband ist derweil erstaunlich gut. Die Arbeit ruht nun schon seit gut drei Stunden. „Der Arbeitstag für heute ist rum“, sagt Biedermann. Doch dass ihm ein Kunde eine Bombe auf dem Hof abgeladen hat, nimmt er diesem nicht krumm: „Das hat er bestimmt nicht absichtlich gemacht, niemand lädt sich doch freiwillig eine Bombe ins Auto.“

Rudi Reitz schon. Die Beratung ist abgeschlossen, die Bombe ungefährlich. „Jemand hat beide Zünder ausgebaut“, konstatiert der Truppführer. Wäre die Bombe scharf gewesen, hätte das weitreichende Konsequenzen gehabt. „Wir hätten im Umkreis von 500 Metern alles absperren müssen“, betont Reitz. Der Bahnverkehr zwischen Frankfurt und Hanau wäre genauso betroffen gewesen wie der Verkehr auf der Hanauer Landstraße.

Doch so dürfen die Arbeiter wieder auf das Gelände. Ihr erster Auftrag: beim Verladen der Fliegerbombe helfen. Drei Männer wuchten das zentnerschwere Zäpfchen in den Laderaum des Kleintransporters. Die Bombe wird später fachgerecht aufgeschnitten, der Sprengstoff abgebrannt und die Hülle entsorgt. Diese Arbeit hätte schon früher erledigt gehört, aber immerhin.

Die Bombe hatte zuvor Jahrzehnte in Hainburg (Kreis Offenbach) im Erdreich gelegen und war bei Erdhubarbeiten aufgetaucht. Biedermanns Kunde hatte nicht bemerkt, dass es sich dabei um eine Bombe handelt. „Das kommt sehr häufig vor, dass Sprengkörper nicht als solche erkannt werden“, sagt Gossens vom Regierungspräsidium Darmstadt.

Lange vorher hatte aber wohl jemand erkannt, dass es sich um eine Bombe handelt und die beiden Zünder ausgebaut. Auch hierfür hat Gossens eine Erklärung: „Im Krieg wurden häufig die Zünder bei Blindgängern ausgebaut, aber die Sprengkörper liegen gelassen.“ Offenbar gab es im Krieg andere Sorgen. 70 Jahre später bringt dieses Vorgehen dann zumindest einen Vormittag Aufregung auf einem Schrottplatz in der Hanauer Landstraße.

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