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Der 6-jährige Abraham ist einer der Menschen, deren Porträts auf die U-Bahn gedruckt sind.

„DiverCity-Bahn“

U-Bahn zeigt die Vielfalt des religiösen Lebens in Frankfurt

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Die VGF lässt einen Wagen mit Fotos von Rafael Herlich bedrucken – als Bekenntnis zu kultureller und religiöser Vielfalt.

Stolz sei er, sagt Rafael Herlich, „megastolz“ sogar. „Das zu sehen, in dieser Größe, ist für mich etwas ganz Besonderes.“ Bestens gelaunt steht der Fotograf, seit Langem bekannt als Chronist des kulturellen und religiösen, vor allem aber des jüdischen Lebens in Frankfurt, auf einem Betriebsgelände der Frankfurter Verkehrsgesellschaft (VGF) in der Sonne – hinter ihm eine 50 Meter lange U-Bahn, die auf ganzer Länge mit Herlichs Fotos bedruckt ist. Die großformatigen Bilder zeigen katholische Priester, Muslime beim Gebet, Hindus in ihrem Tempel, einen jungen Sikh oder eine Rabbinerin.

„DiverCity-Bahn“ heißt der Wagen, den die VGF am Montag der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Alle Fotos stammen aus dem Fotoband „DiverCity FFM“ über die Vielfalt des religiösen Lebens in Frankfurt, den Herlich bereits im vergangenen Jahr herausgegeben hat. Jetzt sollen die Bilder, versehen mit Begriffen wie „Toleranz“ oder „Verständnis“, per U-Bahn durch die Stadt fahren.

Sein Unternehmen stehe so wie Frankfurt insgesamt für Vielfalt und Toleranz, sagt Thomas Wissgott, der Geschäftsführer der VGF. Menschen aus 30 verschiedenen Nationen arbeiteten in seinem Unternehmen, mehr als zehn Prozent besäßen keinen deutschen Pass. „Umso mehr berührt es mich heute, diese fantastische Bahn auf die Schiene zu stellen“, sagt Wissgott.

Bilder von Rafael Herlich sind „ein Spiegel Frankfurts“

Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) bedankt sich bei Herlich für seine „Erzählkunst“, mit der es ihm gelinge, religiösen Alltag in authentischen Fotografien festzuhalten. Herlichs Bilder seien „ein Spiegel Frankfurts“, sagt Becker. In einer Zeit, in der viele Menschen auf Ängste und Abgrenzung setzten, sei die neue U-Bahn auch ein klares politisches Statement. „Diese Bahn ist mehr als nur ein Werbeträger, sie trägt das gesellschaftliche Miteinander in die Stadt.“

Die bunte U-Bahn vom Typ „U5-50“ kann in Zukunft auf allen neun Linien der VGF eingesetzt werden, ist aber zunächst am Betriebshof Ost stationiert. Von dort aus werden die Linien U4, U5, U6 und U7 bedient.

Er setze sich seit Jahren mit seiner Arbeit für Toleranz und gegen Rassismus oder Antisemitismus ein, sagt Rafael Herlich. Er gehe in Schulen, halte Vorträge, mache Ausstellungen mit seinen Fotos. „Für mich ist es ganz wichtig, zu zeigen, dass Juden, Christen und Muslime zusammen sind.“ Umso zufriedener sei er jetzt, dass nun sehr viele Menschen seine Fotos sehen würden – und hoffentlich auch miteinander ins Gespräch kämen. „Ich bin überzeugt, dass sich viele Leute die Bilder ansehen und sich Gedanken machen werden.“

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