Lernen, wo es am schönsten ist. Samira (14) macht Homeschooling auch gerne außerhalb der eigenen vier Wände.  
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Lernen, wo es am schönsten ist. Samira (14) macht Homeschooling auch gerne außerhalb der eigenen vier Wände.  

Bildung

Eine Stiftung hilft in Hessen pfiffigen Kindern mit Startschwierigkeiten

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Die Roland Berger Stiftung fördert Talente wie Samira aus Frankfurt. Dazu gehört fit sein im Online-Lernen. In Corona-Zeiten macht sich das bezahlt.

Für Samira ist das Homeschooling so ziemlich das Selbstverständlichste überhaupt. Das liegt daran, dass das Lernen und Arbeiten mit digitalen Medien, wie es in der Corona-Krise plötzlich so wichtig geworden ist, für die 14-Jährige lange schon zum Alltag gehört. Das Beispiel Samira zeigt zugleich, was alles nötig ist, damit Homeschooling wirklich gelingen kann.

„Ich wollte schon immer etwas lernen, bei dem ich Menschen helfen kann“, erzählt die junge Frankfurterin. Jura will sie studieren, Richterin werden. Und wenn man Samira so erlebt, kann man sich auch gar nicht vorstellen, dass es anders kommen könnte.

Dabei hätte es auch viel schlechter laufen können. „Meine Eltern hatten häufig Streit, zu Hause war oft ein bisschen viel Stress“, sagt sie. Auch in der Schule lief es damals nicht rund. Doch ihre Grundschullehrerin erkannte, welch wacher Geist in Samira schlummerte, und empfahl sie der Roland-Berger-Stiftung als Stipendiatin. Samira wurde angenommen.

Die Eltern leben heute getrennt, Samira und ihre Schwester sind bei der Mutter geblieben. Samira besucht das Adorno-Gymnasium in Frankfurt, spielt Geige, hat ihr Praktikum am Amtsgericht in Darmstadt absolviert und hat – das ist gerade in jüngster Zeit so wichtig gewesen – im Stipendiat die vielfältigen Möglichkeiten kennengelernt, routiniert mit Laptop und Tablet umzugehen.

Das Deutsche Schülerstipendium wird von der Roland Berger Stiftung seit 2008 vergeben. Mehr als 1000 Kinder und Jugendliche haben es durchlaufen, aktuell werden rund 700 Stipendiaten von 7 bis 18 Jahren gefördert. 


Ziel ist es, begabten und fleißigen jungen Menschen mit schwierigen Startbedingungen das Abitur zu ermöglichen. Die Stipendiaten erhalten Förderung in Form von Einzelunterricht, Workshops, Seminaren und Ferienakademien und haben einen ehrenamtlichen Mentor an ihrer Seite.

Die Roland Berger Stiftung arbeitet mit 55 Partnerschulen im ganzen Bundesgebiet zusammen, davon fünf in Hessen. Im Rhein-Main-Gebiet erhalten zur Zeit 18 Schülerinnen und Schüler ein Stipendium.

Das Ippen-Stipendium ist ein Stipendium speziell für Grundschüler, das seit 2019 im Rahmen des Deutschen Schülerstipendiums vergeben wird. Aktuell gibt es 42 geförderte Kinder. Die Roland Berger Stiftung arbeitet eng mit der Ippen-Stiftung zusammen. 

„Neben den regelmäßigen Treffen halten wir mit unseren Stipendiaten auf digitalem Weg engen Kontakt“, erzählt Annika Schmidt, regionale Projektleiterin der Roland-Berger-Stiftung. Zusammen mit einer Kollegin betreut sie 64 junge Menschen in Hessen und Nordrhein-Westfalen. „Als jetzt Corona kam, haben wir viele Seminarangebote ganz schnell auf online umgestellt, was auch deshalb so gut funktioniert hat, weil unsere Stipendiaten mit solchen Formaten bereits umgehen konnten“, berichtet sie.

Seit drei Jahren kann Samira Bettermarks nutzen, eine Lernplattform für Mathematik. Die alltägliche Kommunikation mit den Betreuerinnen erfolgt stets online, sie weiß, wie man eine E-Mail verschickt, eine pdf-Datei erzeugt, Dokumente ausdruckt oder einscannt und wie eine Video-Konferenz läuft. Weil das alles zum normalen Geschäft innerhalb des Stipendiums gehört. Als jetzt von der Schule die ersten Aufgaben nach Hause kamen, musste Samira nicht lange überlegen, was sie zu tun hatte, um diese erledigen zu können. Anlaufschwierigkeiten – jedenfalls auf ihrer Seite – gab es dabei keine.

Die Stiftung überweist den Familien kein Geld, aber sie sorgt dafür, dass alles vorhanden ist, was die jungen Leute für ihre Entwicklung brauchen. Dazu gehörten vor allem die Seminarangebote wie etwa das zur Europäischen Politik, das Samira in Vor-Corona-Zeiten in Wien absolvieren durfte, der Programmierkurs, das Power-Point-Seminar. Oder die Kontakte mit anderen Stipendiaten, die Besuche im Theater oder im Museum. Auch den Laptop und das Tablet hat die Stiftung finanziert. „Meine Eltern sind nicht so vertraut mit diesen Dingen, die hätten das alles mit mir nicht machen können“, sagt Samira.

„Wir fördern Kinder, die etwas erreichen wollen, aber schwierige Startbedingungen haben“, sagt Ellen Daniel, Pressesprecherin der Roland-Berger-Stiftung. Schwierige Familienverhältnisse, Krankheit, Sprachschwierigkeiten seien häufig die Gründe. „Wenn dann eine Lehrerin oder ein Lehrer zu uns kommt und sagt, das Kind ist so pfiffig, das könnte viel mehr erreichen, wenn es von zu Hause mehr Unterstützung hätte, ist das genau ein Kandidat für uns.“

Für Samira wie für rund 700 weitere Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland hat das geklappt. Doch auch Ellen Daniel weiß, dass viele Schülerinnen und Schüler und auch viele Schulen auf Homeschooling und das damit verbundene Lernen nicht wirklich vorbereitet sind. Damit es für möglichst alle funktioniert, müsse noch eine Menge getan werden. Was dazugehört, scheint ihr klar: eine technische Basis an den Schulen mit Rechnern und WLAN, Laptops als Leihgeräte für Lehrkräfte und Schüler, datensichere Plattformen und Kommunikationsprogramme, technischer Support an den Schulen und genügend Weiterbildungen für Lehrer.

„Wegen Corona wurden wir ins kalte Wasser geworfen, jetzt müssen wir alle lernen, auch zu schwimmen“, sagt sie. Lernen auf Distanz könne die unmittelbare Begegnung von Lehrern und Schülern nicht ersetzen. Aber es kann – und muss nun auch – diese Begegnung ergänzen.

Weitere Informationen unter www.rolandbergerstiftung.org.

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