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Der 62-Jährige Direktor geht im Sommer in den Ruhestand.
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Der 62-Jährige Direktor geht im Sommer in den Ruhestand.

Dornbusch / Ginnheim

Eine Schule für alle

  • Fabian Scheuermann
    VonFabian Scheuermann
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Seit 30 Jahren setzt die Integrative Schule in der Platenstraße Maßstäbe in Sachen Inklusion. Im Sommer geht der Schulleiter Lutz Kunze in den Ruhestand.

Nelson Mandela ist gleich mehrfach zu sehen. Und auch Mahatma Gandhi ist abgebildet. So, wie man ihn kennt: mit runder Brille und breitem Lächeln auf den Lippen. Die beiden fallen sofort ins Auge, wenn man die Integrative Schule in der Platenstraße betritt. „Im Religionsunterricht haben wir Frieden durchgenommen“, erklärt Schulleiter Lutz Kunze. Deshalb wurde eine Säule im Foyer mit den Bildern von Friedensstiftern gestaltet. Jeder Schüler konnte sich einen aussuchen und ein paar Zeilen dazu schreiben.

Das Thema passt gut zu einer Einrichtung, in der das Miteinander ganz vorne auf der Tagesordnung steht. Seit 30 Jahren werden in der Schule Grundschüler mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet. Zunächst waren es 80, mittlerweile sind es 160 Kinder, die die ehemalige „primary school“ der US-Amerikaner besuchen. Von 21 Schülern pro Klasse haben vier eine oder mehrere Behinderungen.

„In den 80er-Jahren war das Thema Inklusion noch absolutes Neuland“, sagt Kunze rückblickend. Damals waren es vor allem engagierte Eltern, die dafür eintraten, neue pädagogische Wege jenseits der reinen Förderschulen zu gehen. Mit dem evangelischen Regionalverband und der Französisch-reformierten Gemeinde Frankfurt fanden sie Partner, die diesen Weg mitgehen wollten. 1985 wurde dann die Integrative Schule in der Nordweststadt eröffnet – vor zehn Jahren zog sie wegen der größeren Räume in die Platensiedlung.

Drei Erwachsene begleiten an der liebevoll „Inti“ genannten Schule in der Regel den Unterricht: Neben einem Grundschullehrer und einem Förderpädagogen ist das zumeist ein Absolvent des Freiwilligen Sozialen Jahres – nachmittags kommt eine sozialpädagogische Fachkraft hinzu. Außerdem bietet der Verein Arbeits- und Erziehungshilfe Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie an.

Drei Erwachsene pro Klasse

„Wir wollen Therapie und Pädagogik eng verzahlen“, sagt Kunze. Dazu kommt die Schulhündin Confetti, in deren Beisein die Schüler den „Umgang mit der Schöpfung“ lernen, wie der 62-Jährige es ausdrückt: „Alleine wegen Confetti“ seien die Kinder während des Unterrichts schon etwas leiser.

Kunze, der Ende Juli in Ruhestand geht, weiß, in welch privilegierter Stellung sich die Schule befindet. Jenseits der staatlichen Förderung gibt es Zuschüsse der Stadt und von der Kirche – dazu kommen Elternbeiträge.

„Andere Grundschulen ätzen und stöhnen oft“, weiß Kunze. Denn die müssten mit dem Schulamt verhandeln, wie viele sonderpädagogische Förderstunden sie bezahlt kriegen. Mitunter seien das nur vier bis fünf pro Kind und Woche. „Heftig“, wie Kunze findet. Um „jedem Kind gerecht zu werden“ reiche das kaum aus. Vom Land müsse es mehr Unterstützung geben.

Das Konzept der Inti hat sich wohl herumgesprochen – 85 Anmeldungen gab es zuletzt für 42 Plätze. Der größte Vorteil des inklusiven Konzepts liegt für Kunze auf der Hand: Alle Schüler würden quasi nebenbei in Empathie und Toleranz geschult.

Einen Blick auf 30 Jahre Inklusion werfen Fachleute am Donnerstag, 2. Juli, 19.30 Uhr an der „Inti“, Platenstraße 75. Der Eintritt ist frei.

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