Klimawandel

Eine Sache des Kopfes

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Jürgen Trittin und Frankfurter Forscher bilanzieren Klimaschutz.

Die Lösungswege sind längst auf der Weltkarte eingezeichnet – wir müssen sie nur gehen: Das ist eine Erkenntnis des Kongresses „Update Energiewende – Wie Forschung den Ballungsraum rockt“ vom Mittwoch in der Fachhochschule. An der Umsetzung sollen die Forschenden mitwirken, die in Frankfurt lernen.

„Wir wissen genug“, sagt der prominenteste Redner Jürgen Trittin, Ex-Umweltminister, „wir müssen endlich handeln, um diesen Planeten lebenswert zu erhalten.“ Momentan wiesen die Daten auf eine Klimaerwärmung von 2,6 Grad hin, was Dürre, Flut und Hunderte Millionen Klimaflüchtlinge zur Folge hätte.

Mitschuldig daran: die Bundesregierung, die Konsequenz vermissen lasse, etwa darin, Häuser wärmetechnisch sanieren zu lassen. Eine Sanierungsquote von drei Prozent jährlich würde so viel Gas zum Heizen einsparen, „wie wir heute aus Russland beziehen“, sagt Trittin. Ein anderes Beispiel: die „Diesel-Logik“. Die höheren Steuern für Dieselfahrer würden mit dem Hinweis verteidigt: „Aber je mehr du fährst, desto mehr holst du über den Literpreis wieder rein.“ Erheiterung im Saal. Trittin stellt klare Forderungen für die Anpassung an den Klimawandel auf: Deutschland müsse den Anteil an erneuerbaren Energiequellen erhöhen, mehr Gebäude sanieren, „und wir brauchen den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor – wir brauchen eine Verkehrswende“.

E-Mobilität hinkt hinterher

Die Kriterien sind den Kongressteilnehmern geläufig – sie waren Teil eines Zehn-Punkte-Plans, den das Frankfurter Forschungsinstitut für Architektur, Bauingenieurwesen und Geomatik vor sechs Jahren entwickelte. Zu vergleichen, was daraus geworden ist, sei Inhalt der Tagung, sagt Fachhochschul-Vizepräsidentin Martina Klärle. Resultat, grob gesagt: Beim Anteil erneuerbarer Energiequellen wird die angestrebte Quote weit übertroffen, bei Elektromobilität noch weiter unterschritten.

Die Umweltwissenschaftlerin fährt seit acht Jahren, wenn sie Auto fährt, „ausschließlich elektrisch“. Dazu brauche es ein wenig Erfahrung, etwa was den Akkuverbrauch bei Winterfrost im Gegensatz zum Sommer angehe, aber es sei nicht zu verstehen, dass der Anteil an Elektroautos immer noch so gering sei. Auf vielen Gebieten müsse sich unsere Gesellschaft vorhalten lassen: „Wir haben zu lange zu wenig gemacht – auch hier an der Hochschule –, um den Klimawandel einzudämmen.“ Klärle wäre gerne mit ihrer Tochter zur Fridays-for-Future-Demo gegangen. Die Tochter lehnte ab: „Nee, du hattest genug Zeit, etwas zu tun.“

„Es geht nur über Elektrifizierung“, sagt Karsten McGovern, Leiter der Landesenergieagentur Hessen. Nur mit dem massiven Ausbau der Windkraft- und Solaranlagen seien die Klimaschutzziele zu erreichen, was ebenfalls längst bekannt sei. Vermittlung an die Bürger sei vonnöten: „Es ist keine Sache der Technik, sondern eine Sache des Kopfes.“ Ob man sich etwa ein Auto mit Vierradantrieb kauft, um damit in Frankfurt herumzufahren.

Für die Energiewende, sagt Martina Klärle, „brauchen wir die richtigen Maschinen und die richtigen Häuser“. Die Grundlagen dafür vermittele die Ausbildung an der Fachhochschule. Möge sie auch vermitteln, bei Kongressen zum Klimaschutz künftig die Milch zum Kaffee nicht mehr in Plastikportiönchen anzubieten.

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