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Eva Raabe leitet jetzt das Museum Weltkulturen.

Personalie

Eine ruhige Kämpferin wird Museumschefin in Frankfurt

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Eva Raabe, die kommissarische Leiterin, wird ordentliche Direktorin des Museums der Weltkulturen.

Eva Raabe hat im Museum Weltkulturen der Stadt Frankfurt schon viele Wechselfälle erlebt, Rückschläge wie Erfolge. 1985 kam sie als junge Ethnologin in das damalige Völkerkunde-Museum. Jetzt hat der Magistrat die 62-jährige zur ordentlichen Direktorin des Hauses bestellt. Seit mehr als vier Jahren führte sie es schon kommissarisch.

Raabe ist eine Frau, die sich durch die schwierigen äußeren Umstände im Haus nicht erschüttern lässt. 1992 hatte sie erlebt, dass die Stadtregierung den geplanten, 160 Millionen Mark teuren Neubau des Museums in letzter Minute kippte. Im Park am Frankfurter Museumsufer waren die Bäume für das Baugrundstück schon gefällt worden. Doch der damalige rot-grüne Magistrat musste wegen großer Haushaltslöcher drastisch sparen – und entschied sich gegen das Museum.

Zwanzig Jahre später hatte Eva Raabe ein Déja-vu-Erlebnis. 2012 waren die Pläne für eine unterirdische Erweiterung des Weltkulturen Museums fertig. Nur die Bäume waren noch nicht gefällt, aber bereits markiert. Eine Bürgerinitiative kämpfte engagiert gegen die Erweiterungspläne, weil sie darin einen überzogenen Eingriff in den Park sah. Wieder strich der Magistrat das Projekt, wieder wegen der Kosten.

2015 entließ die Stadt die damalige Museumsdirektorin Clémentine Deliss fristlos, warum, ist bis heute nicht geklärt. Raabe wurde kommissarische Direktorin. Sie versucht, das Haus unter den schwierigen äußeren Umständen zu stabilisieren. Ihr Kurs ist ganz klar: Sie sieht die Ethnologie als Gesellschaftswissenschaft.

Brennende Fragen der Gegenwart

Das heißt: Raabe und ihr Team thematisieren brennende Fragen der Gegenwart. Zum Beispiel die große Migrationsbewegung. Am 24. Oktober startet die Ausstellung „Weltenbewegend“. Sie blickt international auf Völker, auf Minderheiten auch, die vertrieben und zur Flucht gezwungen werden.

Die Situation des Hauses, das in den drei Villen Schaumainkai 29, 35 und 37 zusammengedrängt ist, bleibt schwierig. Die finanzielle Ausstattung ist schlecht. Gerade einmal 100 000 Euro im Jahr stehen für alle Ausstellungen zur Verfügung – das reicht in anderen Häusern noch nicht einmal für eine Schau. Nur winzige Teile der ethnologischen Sammlung mit mehr als 60 000 Exponaten können überhaupt gezeigt werden.

Die Besucherzahlen klettern. 2015 verloren sich gerade einmal 6000 Menschen in den Villen am Schaumainkai, dieses Jahr sind es jetzt bereits mehr als 23 200. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) würdigte am Freitag die „außerordentlich positive Entwicklung“ des Hauses. Die Stadträtin hält die neue Direktorin für befähigt, den heiklen Umgang mit Objekten aus der Kolonialzeit und eine mögliche Restitution zu bewältigen.

Raabe hat im Gespräch mit der FR keinen Hehl daraus gemacht, dass sie noch immer für eine Erweiterung ihres Museums eintritt. Sie ist keine Lautsprecherin, keine Dampfplauderin, aber eine ruhige und strategisch denkende Kämpferin.

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