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Ute Wittich hat Pläne fürs Klima und für die Natur. Die dürften auch bei Fischen gut ankommen. 

Klimaschutz

Eine Oase für Hummeln und Bienen

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Die Frankfurter Gartenarchitektin Ute Wittich gründet einen Verein und will Oberrad klimafreundlich machen. Wer dabeisein will, ist willkommen.

Die Klimawette ist vorbei – es lebe das Klima. Was FR-Leserinnen und -Leser im Januar und Februar zu der gemeinsamen Aktion von Energiereferat und Frankfurter Rundschau beigetragen haben (fast 400 Tonnen Kohlendioxid-Einsparung), wird immer mal wieder Thema in der Zeitung sein. Heute listen wir weitere Ergebnisse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf („Feine Einzelleistung“).

Bereits in einem Klimawette-Bericht erwähnt war die Frankfurter Gartenarchitektin Ute Wittich. Mit vielen verschiedenen Ideen – von Kleidung über Ernährung und Mobilität bis hin zu „Fridays for Future unterstützen und zu Demos gehen“ – brachte es ihr Beitrag allein auf 5034 Kilogramm CO2-Einsparung. „Und dann hat die Oberräderin Wittich noch einen besonderen Plan“, hieß es seinerzeit in der FR, „aber dazu ein andermal mehr.“

Einen Impuls setzen

Voilà, der Plan: „Ich will in meinem Stadtteil einen Impuls setzen“, sagt sie: „Ich will hier in Oberrad etwas anstoßen.“ Natürlich etwas für die Natur.

„Baum Grow Up!“ nennt sich das Projekt, und so soll auch der zugehörige Verein heißen. Auf Deutsch: Baum wachse! 10 000 Euro stellt Ute Wittich als Startkapital bereit und hofft auf viele Engagierte, die mitmachen. So wie Bäume am Anfang noch ganz klein sind, soll auch ihre Initiative wachsen und sich ausbreiten.

„Ich habe gesehen, wie viele Brachflächen es hier in Oberrad gibt“, erzählt sie. „Ich dachte: Das kann doch nicht wahr sein!“ Als sie dann begann, mit den Oberrädern über ihre Idee zu sprechen, fand sie schnell offene Ohren. Eine Frau stellte ihr gleich ein kleines Grundstück an der Wehrstraße zur Verfügung, genau gegenüber der Stelle, an der im Sommer immer der Spargelstand steht. Wartende Autofahrer in der Rushhour können das Transparent gar nicht übersehen, das dort hängt: „Baum Grow Up! Hier entsteht eine insektenfreundliche Grünfläche.“

FEINE EINZELLEISTUNG

So viele Kilogramm CO2 sparen die
Beiträge von FR-Teams aus der Klimawette ein:

Heide Reinhardt: 80 Kilogramm CO2
Anonym: 4165
Ursula Heidrich: 100
Silvia Planz-von Hein: 1445
Ruth Nee: 1590
Anonym: 1793
Michael Gnewikow: 7500
Brigitte Seifert: 1412
Karin Wörther und Gerd Hauser: 8012
Roswitha Wächter: 2133
Joachim Kienast: 5998
Klaus Auls: 3100
Marlies Hanfland-Hilt: 4771
J.Ehemann, pme Familienservice: 6600
Bianka Schlun: 5447
C.D.: 2017
Bernfried Kleinsorge: 3200
Angelika Halama: 2367
Georg & Gudrun Günther: 1787
Ramona Habel: 5929
Karin Brüggemann: 1787

Auch das ist, wegen der Vielzahl der Zuschriften, nur ein Zwischenergebnis; die Tabelle müssen wir aus Platzgründen später fortsetzen.
Jeder Beitrag ist ein Gewinn fürs Klima. Herzlichen Dank an alle!

Blühen soll dort alles, was dem vom menschlichen Raubbau gebeutelten Gefleuch guttut. Sonnenblumen, Mohn, Rittersporn, Schnittlauch – „wenn er blüht, sieht das aus wie ein Lavendelfeld in der Provence“ – und auch Bienenbäume, die im August blühen, wenn den Honigtieren sonst kaum noch etwas bleibt.

Wobei die Bäume erst im zweiten Schritt kommen werden. Das Areal an der Wehrstraße ist zunächst ein „Leuchtturmprojekt“ und soll neugierig machen; die dauerhaften Grundstücke sollen überall im Stadtteil entstehen. Freundliche Oberräder haben dafür mehrere weitere Flächen in Aussicht gestellt, wenn der Verein Fuß fasst.

Ziel sind nicht nur Oasen für die Bienen und Hummeln, Schmetterlinge und Libellen, auch das menschliche Auge wird etwas davon haben. Bernhard Jäger, Oberräder Künstler und Wittichs Ehemann, schaltet sich in die Gestaltung ein. Farblich abwechselnde Pflanzstreifen in Gelb, Rot, Orange werden gewiss für Aufsehen sorgen.

Zwischenfrage: Oberrad? Ist es da nicht ohnehin schon grün? Wachsen da nicht die Kräuter für die Grüne Soße? Liegen da nicht die ausgedehnten Felder der Gärtner – wäre es nicht sinnvoll, anderswo in der Stadt für Pflanzenwuchs im Steindickicht zu sorgen? O ja, sagt Ute Wittich, und da hat sie auch längst eingegriffen, verschiedentlich. Am Rand des Europaviertels etwa half sie einsichtigen Bauherrn, wenigstens einem Teil des Quartiers echtes Leben einzuhauchen. Jetzt aber soll es um ihr direktes Umfeld im Frankfurter Süden gehen: „Weil ich hier lebe. Ich bin Laie, was das Gärtnern angeht, aber es ist ein Thema, das mich brennend interessiert, und ich möchte auch andere mitziehen.“

Als Nächstes will sie nun die Vereinsgründung angehen, die erforderlichen sieben ersten Mitglieder hat sie schon im Kopf, und dann geht es um tatkräftige und finanzielle Unterstützer. Jeder soll einbringen, was er kann, um Oberrad zu einem „Vorreiter in Sachen Klima“ zu machen. Eine Internetseite für den Verein ist in Planung und soll in Kürze ans Netz gehen.

„Sie sind ja sehr hartnäckig“, hörte Ute Wittich in letzter Zeit oft von ihren Gesprächspartnern. Sie lächelt. „Ich setze auf den Schneeballeffekt. Es muss nicht gleich ein Großprojekt sein – mit kleinen Schritten kann man viel bewirken.“

Kontakt:Wer sich für den Verein „Baum Grow Up!“ engagieren will, erreicht die Gründerin Ute Wittich unter der Rufnummer 069 / 65 38 82.

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