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Alon Meyer (46) ist Präsident des jüdischen Sportvereins TuS Makkabi und zugleich Vereinspräsident von Makkabi Frankfurt. Foto: privat
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Alon Meyer (46) ist Präsident des jüdischen Sportvereins TuS Makkabi und zugleich Vereinspräsident von Makkabi Frankfurt.

Antisemitismus

Antisemitische Hetze in Frankfurt und Deutschland: „Eine nie dagewesene Eskalation“

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Alon Meyer, Präsident des jüdischen Sportvereins Makkabi, spricht im Interview über antisemitische Hetze auf dem Sportplatz und die demokratische Kraft des Sports.

Herr Meyer, es gibt aktuell viele antisemitische Vorfälle in Deutschland. Was bekommen Sie bei Makkabi davon mit?

Leider ist es schon seit Jahren so, dass wir als jüdischer Verein für den einzigen jüdischen Staat in Mithaftung genommen werden. Wenn im Nahen Osten die Situation eskaliert, wird die Gewalt auch hier auf deutschen Straßen und Sportplätzen ausgetragen. Die Korrelation ist unmittelbar: Wenn es in Israel am Montag losgeht, ist am Wochenende zu 100 Prozent mit einem Vorfall zu rechnen, vor allem im Herren- und Jugendbereich im Fußball und besonders bei Sportlern mit arabisch-muslimischem Hintergrund.

Sehen Sie eine Verschärfung?

Es ist momentan eine noch nie da gewesene Eskalationsstufe, das muss man einfach so benennen. Unser Glück liegt, so hart das klingt, darin, dass durch die Pandemie derzeit kein Spielbetrieb stattfindet und es nicht zu Ausschreitungen und körperlichen Attacken auf dem Fußballplatz kommen kann. Die gäbe es ansonsten ganz sicher.

Was erleben Sie stattdessen?

Vor allem Hass und Hetze im Netz, massiv und auf allen Kanälen. Aber auch ungenierte und antisemitische Parolen auf unseren Straßen.

Es war zu hören, dass einige Kinder und Jugendliche momentan aus Angst nicht zum Training kommen. Stimmt das?

Ja, das erleben wir. Viele Eltern lassen ihre Kinder aus Sorge zu Hause, sagen uns das aber selten so offen. Oft sagen sie, das Kind sei krank oder müsse sich auf die Schule konzentrieren. Wir können das verstehen, obwohl es eigentlich ein Armutszeugnis für die Gesellschaft ist.

Sie haben schon früher berichtet, dass ihre Sportler:innen sich nicht trauen, in der Stadt ihr Makkabi-Trikot zu tragen …

Das ist jetzt bei vielen noch ausgeprägter. Wir erleben das ja auch bei proisraelischen Demonstrationen, dass dazu geraten wird, Israel-Fahnen beim Weg nach Hause einzustecken. Was das Tragen der Trikots angeht, waren wir zuletzt eigentlich auf einem guten Weg. Aber daran merkt man, wie labil solche Erfolge sind und wie stark die radikalen Kräfte sind, die auf Menschen mit muslimisch-arabischem Hintergrund einwirken. Man kann die Anteilnahme mit Zivilisten, die im Nahen Osten sterben, natürlich verstehen. Wir haben Mitleid mit und trauern um jeden getöteten Zivilisten, egal auf welcher Seite. Aber mit hasserfülltem Auftreten ein demokratisches Land wie Israel in Gänze an den Pranger zu stellen und dann Juden und Jüdinnen weltweit in Mithaftung zu nehmen, jüdische Einrichtungen anzugreifen, das ist inakzeptabel und ganz klar purer Antisemitismus.

Was muss jetzt passieren?

Wir müssen unser Demokratieverständnis, zu dem auch das Existenzrecht Israels gehört, besser vermitteln, vor allem bei unseren Jugendlichen. Oft wird gesagt, man solle die Politik aus dem Sport raushalten. Da sage ich: Nein, im Gegenteil. Die radikalen Gruppen missbrauchen den Sport. Und wir demokratischen, friedensliebenden Menschen, die wir doch in der Mehrheit sind, tun offenbar nicht genug, um unsere Werte zu vermitteln. Gerade im Sport, wo alle zusammenkommen, kann man diese Werte im Vorbeilaufen mitgeben. Sie sind für unsere Gesellschaftsordnung essenziell. Darauf zielt auch unser gerade gestartetes Projekt „Zusammen1 – Für das, was uns verbindet“ ab. Wir wollen alle Akteur:innen des organisierten Sports ermutigen und bestärken, Antisemitismus offen anzugehen und zu bekämpfen.

Interview: Hanning Voigts

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