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Kuratorin Julia Schopferer in der Ausstellung der Frankfurter Stadtbibliothek.

Ausstellung

Eine Idee aus der Badewanne lockt Zehntausende Besucher

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Jubiläumsausstellung zeigt Hintergründe zu „Frankfurt liest ein Buch“.

Glaubt man Klaus Schöffling, entstand die Idee zu „Frankfurt liest ein Buch“ in der Badewanne. Dort nämlich lag der Verleger nach eigener Aussage, als ihm der Gedanke kam, Valentins Sengers längst vergriffene „Kaiserhofstraße 12“ neu aufzulegen. Auf der Suche nach einer öffentlichkeitswirksamen Präsentation erinnerte sich Schöffling an das US-amerikanische Konzept „one city – one book“, das 1998 in Seattle seinen Ursprung fand.

Solche und andere Details erfahren Besucher der Jubiläumsausstellung „Frankfurt liest ein Buch“, die seit heute und noch bis zum 18. Mai in der Frankfurter Stadtbücherei zu sehen ist. Kuratiert hat die Ausstellung zum zehnten Jubiläum Julia Schopferer. Die Historikerin kam 2011 nach Frankfurt und wurde bald darauf aus persönlichem Interesse Mitglied des Fördervereins „Frankfurt liest ein Buch“. Als der Vorstand bei der Hauptversammlung im vorigen Jahr andere Mitglieder um Hilfe bat, weil der Verein mit den vielen Veranstaltungen zu Anna Seghers’ „Das siebte Kreuz“ an seine personellen Grenzen stieß, bot Schopferer sich an und erwähnte nebenbei, sie arbeite für das Museum für Kommunikation. „Ich dachte eigentlich, ich sollte eine Lesung organisieren“, erinnert sich Schopferer. Doch der Vorstand freute sich im Hinblick auf die geplante Jubiläumsausstellung natürlich über ihre museale Erfahrung.

Der Eintritt in die Ausstellung im Untergeschoss der Zentralbibliothek, Hasengasse 4, ist kostenlos.

Geöffnet ist die Ausstellung genau wie die Bibliothek selbst montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 17 Uhr. (ote)

Die Besucher der Zentralbibliothek in der Hasengasse dürfen sich wiederum schon im Erdgeschoss über eine „Lauschinsel“ freuen, die der Hessische Rundfunk zur Verfügung gestellt hat. Zu hören sind Ausschnitte aus Lesungen der zehn Bücher und ein Interview mit Initiator Schöffling. Die eigentliche Ausstellung ist im Untergeschoss zu finden. Ein großes Plakat grüßt mit den Fakten seit 2010: 115 000 Besucher, 4859 gelesene Seiten und knapp 1000 Veranstaltungen. Entlang einer Wand stellen sich die Macher der Veranstaltungsreihe selbst vor. Dazu werden vier für „Frankfurt liest ein Buch“ typische Formate präsentiert. „Die Besonderheiten sind die Stadtspaziergänge, denn nur in Frankfurt hat das Buch immer einen Bezug zur Stadt“, betont Schopferer.

Als „Herzstück“ der Ausstellung bezeichnet die Kuratorin die Ecke, in der an die bisherigen Bücher erinnert wird. Jedem ist eine eigene Vitrine gewidmet. In einer weiteren Vitrine werden die Bezüge der Autoren zu Frankfurt dargestellt. Der Überblick verdeutlicht, dass mittlerweile nur noch drei der zehn Autoren leben. Zuletzt waren kurz hintereinander im Dezember 2018 Wilhelm Genazino und im Januar Mirjam Pressler gestorben. „Das war ein Schlag“, sagt Schopferer. Denn sie hatte schon Kontakt zu den Schriftstellern aufnehmen wollen, um deren Unterstützung anzufragen. Aus dem Nachlass von Genazino hat es aber immerhin ein roter Schal in die Ausstellung geschafft. In Sengers Vitrine steht ein Samowar, dem der Autor große Bedeutung beimaß und der auch eine Rolle spielt in „Kaiserhofstraße 12“, dem Buch, mit dem alles begann.

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