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Eine Hotelerweiterung sorgt für Unmut

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Von: Brigitte Degelmann

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So sollen die Anbauten am Interconti einmal aussehen.
So sollen die Anbauten am Interconti einmal aussehen. © Interconti/Archiv

Für Änderungsvorschläge des Ortsbeirats beim Interconti-Umbau am Mainufer sieht die Stadtregierung keine Notwendigkeit

Dass das Hotel Intercontinental am nördlichen Mainufer erweitert werden soll, sehen viele kritisch. Auch der Ortsbeirat 1 (Altstadt, Bahnhofsviertel, Europaviertel, Gallus, Gutleutviertel, Innenstadt). In einer Anregung an den Magistrat schlug er deshalb etliche Änderungen vor. Die Stadtregierung sieht dafür jedoch offenbar keine Notwendigkeit, wie aus einer kürzlich veröffentlichten Stellungnahme hervorgeht.

Auf beiden Seiten des Hotels sollen sechs- bis siebengeschossige Anbauten entstehen für Wohnungen und Büros. Nach den Vorstellungen des Ortsbeirats soll diese Blockrandbebauung unterbrochen werden, „um wirksam die Frischluftzufuhr ins Bahnhofsviertel gewährleisten zu können“. Der Magistrat räumt zwar ein, dass es durch das Vorhaben zu einer „Modifizierung der bodennahen Windfelder“ kommen werde. Diese wirke sich aber in südlicher Richtung auf die Verkehrsflächen beziehungsweise Freiflächen aus und sei „nicht von hervorgehobener Bedeutung“. Zwischen dem Plangebiet und den bestehenden Bauten blieben Freiräume, „die ein Durchdringen der Windanströmung ermöglichen“. Nur am nordöstlichen Rand des Projekts würden die „Durchlüftungsverhältnisse etwas eingeschränkt“, wovon benachbarte Gebäude teilweise betroffen seien, heißt es in der Stellungnahme.

Die Sorge, dass die historische Villa Bonn durch das Projekt beeinträchtigt werden könnte, weist die Stadtregierung ebenfalls zurück. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts sei der Bau zurückversetzt in der zweiten Reihe gestanden: „Die Villa Bonn war daher stets nur teilweise aus dem Straßenraum des Untermainkai sichtbar.“ Die neue Bebauung knüpfe an die historische Situation an „und gleicht sich von der Höhe an die Bebauung Untermainkai 40 an“, schreibt der Magistrat.

Abgelehnt wird auch der Vorschlag, die geplante Blockrandbebauung zur Wilhelm-Leuschner-Straße nur für Wohnungen zu nutzen. „Attraktive, innerstädtische Flächen zeichnen sich durch ihre Nutzungsvielfalt und damit ihrer Belebung aus“, heißt es in dem Papier. Dieses Ziel verfolge man auch im Bahnhofsviertel. Deshalb beabsichtige man hier eine Kombination aus wohnbaulichen und gewerblichen Nutzungen. „Die Umwandlung des Bürogebäudes ist des Weiteren aufgrund der geringeren Besonnungen sowie der Schallbelastung aus den bestehenden Konferenz- und Ballsaalnutzungen nicht anzustreben“, erklärt die Stadtregierung.

Eine Absage erteilt sie außerdem der Anregung, neben dem Interconti deutlich mehr Sozialwohnungen als geplant zu schaffen, ebenso gemeinschaftliche und genossenschaftliche Wohnprojekte. Denn durch das Bauvorhaben würden bereits 30 Prozent geförderter Wohnraum sowie die Übernahme der Folgekosten für die soziale Infrastruktur umgesetzt. Für Forderungen, die darüber hinaus gehen, fehle die Rechtsgrundlage, informiert der Magistrat.

Darüber hinaus hatte der Ortsbeirat vorgeschlagen, auf die geplante Hotelzufahrt zu verzichten, weil diese den stark befahrenen Radweg zweimal queren würde. Bei dem Hotel Interconti handle es sich jedoch um ein Fünf-Sterne-Haus „mit hohem Komfortanspruch“, gibt die Stadtregierung zu bedenken. „Um ein unkontrolliertes Halten im öffentlichen Straßenraum zu vermeiden und die Benutzer des Radfahrstreifens in hohem Maße zu schützen, halten wir die Anlage der geplanten Pkw-Vorfahrt für sinnvoll und notwendig.“

Verworfen wird auch die Forderung, dass in Zusammenhang mit der Baumaßnahme keine Bäume gefällt werden. Denn, so der Magistrat, „die vorliegende Planung zeigt, dass kein Baum erhalten werden kann“ – auch wegen der beengten Platzverhältnisse. Außerdem sei das Grün ohnehin in einem schlechten Zustand. Zielführender sei deshalb die Neupflanzung von sieben Bäumen und acht Großsträuchern, wie geplant. Den Hinweis auf das Turmfalkenpärchen, das auf dem Hoteldach brüten soll, lässt die Stadtregierung ebenfalls nicht gelten: „Im Zuge der durchgeführten faunistischen Untersuchung im Jahr 2021 konnte kein brütendes Turmfalkenpaar nachgewiesen werden. Diese Aussage wurde zudem im November 2021 durch den Nabu Frankfurt bestätigt.“

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