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Politiker im Römer. (Archivbild)

Römerbriefe

Frankfurt: Für eine freie Presse

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    Georg Leppert
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Unsere Politiker sollten sich vor Zensur hüten. Die Abende im Rathaus könnten sonst auch recht lang werden. Die FR-Glosse aus dem Römer.

Leppert: Die Pressekonferenz der Römer-Koalitionen zum Haushalt begann ja mit Verspätung. 

Göpfert: Das wird zensiert. 

Leppert: Zu spät kam nämlich der Herr XXX, der arbeitet ja jetzt in XXX, und da gibt es diese kaputte XXXbrücke, die… hey, hörst du gefälligst auf, meinen Text mit XXX zu überschreiben. 

Göpfert: Gewöhn’ dich daran, wir dürfen eben nicht alles schreiben, was wir wissen.

Zensur, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik, ist eine schlimme Sache. Wir kennen das von autoritären Regimen – und auch bei uns wird darüber diskutiert. Ein Unternehmen soll Journalisten gesagt haben: Leute, ihr könnt über unser Produkt schreiben, aber eure Texte legt ihr vor der Veröffentlichung der Presseabteilung vor. So schreiben es zumindest diverse Medien, wir können das nicht prüfen, die Römerbriefe sind ja recherchefreie Zone.

Auf Facebook aber diskutierten jetzt Baudezernent Jan Schneider und Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (beide CDU), ob Zensur nicht auch ein Mittel für die Kommunalpolitik sei. Natürlich nur aus Spaß, der Schneider verbietet ja nicht einmal dem Rennbahn-Grafen den Mund. Aber trotzdem wollen wir uns zur Abschreckung mal ausmalen, was passiert, wenn unsere Texte von den Politikern vor Veröffentlichung geprüft werden. Dieses Recht müssten dann natürlich alle Herrschaften im Römer bekommen. Und so würde man sich nach der Plenarsitzung zu später Stunde im Ratskeller treffen und darüber diskutieren, in welcher Form unsere Artikel erscheinen dürfen. Wir stellen uns das so vor…

Peter Feldmann (SPD):„Leute, im zweiten Absatz, das ist doch wieder die pure Häme gegen Martin Wimmer, das kommt raus.“

Michael zu Löwenstein (CDU):„Nee, Witze über den Hauptstadtbeauftragten werden grundsätzlich veröffentlicht und in der Überschrift aufgegriffen. Aber was heißt das denn am Ende? Über meine Nachfolge wird diskutiert? Christoph Schmitt, Nils Kößler, warum gehen Sie ausgerechnet jetzt aufs Klo?“

Jutta Ditfurth (Ökolinx):„Statt des Bildes zum kostenlosen Schwimmen hätte ich gerne ein Foto vom Fastnachtsumzug mit der Bildunterschrift: ,Zu diesem sagenhaften Schwachsinn hat OB Feldmann auch die Stadtverordnete Jutta Ditfurth eingeladen. Dabei müsste Feldmann doch wissen, dass Ditfurth noch nie auf einer Ehrentribüne saß.‘“

Annette Rinn (FDP):„Wir kommen in den Texten wieder nicht vor, weil die Koalition bis zum Redaktionsschluss nur über belanglosen Quatsch geredet hat.“

Ursula Busch (SPD):„Apropos: Hier steht ein Zitat von Löwenstein: ,Wichtig ist, dass alle Kinder schwimmen können.‘ Und eines von Stock von den Grünen: ,Dass alle Kinder schwimmen können, ist wichtig.‘ Aber was ich gesagt habe, kommt wieder nicht vor.“

Rinn:„Was hast du denn gesagt?“

Busch:„Die Schwimmfähigkeit aller Kinder ist von Bedeutung.“

Horst Reschke (AfD):„Hier steht: ,die AfD und sonstige Nazis‘. Darauf habe ich das Copyright. Ich verklage die linksversiffte FR.“

Feldmann:„Leute, wo sind eigentlich die FR-Schreiber.“

Nico Wehnemann (Die Fraktion):„Kneipe. Texte stehen längst im Internet. Unzensiert.“

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppertberichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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