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„Eine deutliche Besserung kann mitunter Monate dauern“

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Von: Steven Micksch

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Mit diesem Gerät wird gemessen, wie viel Luft in die Lunge gelangt.
Mit diesem Gerät wird gemessen, wie viel Luft in die Lunge gelangt. © AFP

Chefarzt André Althoff über die Ursachen für Long-Covid und den besten Schutz. Eines der häufigen Symptome ist die Luftnot, vor allem unter Belastung.

Herr Althoff, wie entwickelt sich der Wissensstand beim Thema Long-Covid?

Es ist natürlich ein Feld, in dem sehr viel geforscht wird. Bei uns am Sana-Klinikum in Offenbach behandeln wir schwerstbetroffene Menschen mit Covid-19 seit März 2020 stationär. Bei vielen dieser Patienten wurde deutlich, dass sie starke Lungenveränderungen haben, die eine Nachbetreuung benötigen. Zu diesem Zeitpunkt existierte der Begriff Long-Covid als solcher noch gar nicht. Durch entsprechende Publikationen in allen medizinischen Fachmagazinen ist das Wissen inzwischen sehr breit gestreut.

Wann spricht man von Long-Covid?

Die Long-Covid-Erkrankung tritt üblicherweise innerhalb von drei Monaten nach der akuten Covid-Infektion auf. In den meisten Fällen mit Long-Covid geht dieses unmittelbar nach der akuten Erkrankung direkt ineinander über. Wenn man den akuten infektiösen Teil überstanden hat und nach zwei Monaten immer noch Probleme hat, dann sollte man sich Hilfe suchen.

Welche Symptome treten dabei häufig auf?

Das ist in erster Linie eine Luftnot, vor allem unter Belastung, unter Sport oder beim Treppensteigen. Bei den meisten Menschen tritt auch eine Abgeschlagenheit, Erschöpfungssyndrome und eine schnelle körperliche, teilweise auch geistige Erschöpfung auf. Das heißt, diese Patienten haben Probleme im kognitiven Bereich, Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten. Es kann auch zu Schlafstörungen und Muskelschmerzen kommen.

Welche Ursachen hat die Erkrankung?

Man begreift diese Erkrankung als systemische Erkrankung, das heißt eine Erkrankung, die viele Organe beziehungsweise mehr oder weniger den gesamten Organismus betrifft. Ein Erklärungsansatz, bei dem man in der Forschung schon relativ weit ist, lautet, dass es mit dem im ganzen Körper vorhandenen Gefäßsystem zu tun hat. Man geht von Entzündungen der Gefäße aus, die dann zu diesen mannigfaltigen Symptomen führen.

Gibt es Therapien, die Besserungen bringen, oder ist es möglich, nie wieder gesund zu werden?

Bei den meisten Betroffenen verschwinden die Symptome langsam über wenige Monate. Wir haben eine sehr geringe Anzahl an Menschen in der Betreuung, die auch nach zwei Jahren noch betroffen sind. Es gibt bisher kein direktes Medikament zur Behandlung. Was wir aber sehen ist, dass die Menschen einen Anreiz zum körperlichen und geistigen Training und eine Begleitung in diesem Fortschritt brauchen. Wir sehen bei fast allen Patienten eine deutliche Besserung im zeitlichen Verlauf, das kann mitunter aber Monate dauern.

Was könnte am besten gegen einen Long-Covid-Verlauf schützen?

Einschränkungen und Maskenpflicht, um sich nicht zu infizieren, gelten ja nur noch an wenigen Orten. Insofern ist die Impfung der beste Schutz. Wir haben in unserer Behandlung noch keine schwerstbetroffenen zuvor Geimpften gesehen.

Existieren bei Long-Covid Unterschiede zwischen der Delta-Variante und Omikron?

Der klinische Eindruck ist, dass es mehr Patienten mit einer Long-Covid-Erkrankung gab, als Delta grassierte. Aber es gibt auch vereinzelte Long-Covid-Fälle nach einer Ansteckung mit Omikron. Dabei gehen Hand in Hand, dass die Impfquote jetzt mit Omikron höher ist als damals bei Delta, und dass die aktuelle Variante milder verläuft.

Gibt es eine Ungleichverteilung beim Geschlecht der Erkrankten?

Es sind statistisch betrachtet mehr Frauen als Männer betroffen. Man kann noch nicht sagen, ob dies etwas mit der Krankheit zu tun hat oder etwa damit, dass Frauen häufiger in Berufen arbeiten, die besonders gefährdet sind, sich zu infizieren, etwa in Pflegeberufen.

Interview: Steven Micksch

André Althoff (52) ist Chefarzt der Klinik für Lungenheilkunde am
André Althoff (52) ist Chefarzt der Klinik für Lungenheilkunde am © Sana Klinikum Offenbach

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