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Lea Knott, Jana Misof und Niels Happ (v. l.) wohnen in der WG der Hartmann-Ibach-Straße.
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Lea Knott, Jana Misof und Niels Happ (v. l.) wohnen in der WG der Hartmann-Ibach-Straße.

Frankfurt-Nordend

Eine besondere WG

  • Nadine Benedix
    VonNadine Benedix
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Drei mehrfach Behinderte beziehen eine eigene Wohnung im Nordend. Zwölf Pädagogen und Pfleger stellen die Betreuung sicher.

Aufgeregt deutet die 19-jährige Jana Misof auf einen Schlüssel an einem gelben Band: „Da ist mein eigener Haustürschlüssel“, sagt sie stolz. Vor knapp zwei Wochen ist sie mit Niels Happ und Lea Knott in eine Wohngemeinschaft gezogen. Für die drei ist das keine Selbstverständlichkeit: Aufgrund ihrer schweren geistigen und körperlichen Behinderungen brauchen sie rund um die Uhr Betreuung.

„Wir haben darum gekämpft, unseren Kindern die Möglichkeit zu geben, trotz ihrer Behinderung selbstbestimmt zu leben“, sagt Irmgard Wieczorek-Happ, die Mutter des 28-jährigen Niels. Die WG ist ein frankfurtweit einmaliges Projekt, organisiert von den Eltern und dem Alfred-Delp-Haus Oberursel.

In der WG an der Hartmann-Ibach-Straße werden die jungen Erwachsenen medizinisch und pädagogisch betreut – in ihrem eigenen Zuhause. „Es ist allerdings schwierig, die Bedürfnisse der drei immer aufeinander abzustimmen“, sagt Pädagogin Isabell Katrusa.

 Wenn Niels Happ, Jana Misof und Lea Knott, die tagsüber in den Praunheimer und Oberurseler Werkstätten arbeiten, am Nachmittag heimkommen, nimmt sie Barbara Schwan in Empfang. „Wir setzen uns in die Küche und erzählen von unserem Tag“, sagt Schwan. Schwan sei die gute Seele der WG, sagt Isabell Katrusa. „Wie eine Mutter ist sie ist jeden Tag da, kocht und unterhält die Bewohner.“

Bis zum Abendessen ist Freizeit. „Ab und an gehen wir in den benachbarten Günthersburgpark oder machen Musik zusammen“, sagt Schwan. Niels Happ, der sich nur nonverbal äußern kann, zeigt den Daumen nach oben: Ihm gefällt das neue WG-Leben. Ab und an sei es ihm allerdings noch ein bisschen zu trubelig, übersetzt seine Mutter die Zeichen, die er gibt.

Zwölf Fachkräfte arbeiten in der WG. Zu den vier Pädagogen kommt ein Pflegedienst. Um die Bewohner leichter an die neue Situation zu gewöhnen, sind sie an den Wochenenden bei ihren Eltern. „Das soll bis Oktober so bleiben, dann können die drei entscheiden, wann sie heimfahren“, sagt Pädagogin Katrusa.

Die Idee stammt von Irmgard Wieczorek-Happ: „Für uns war es wichtig, dass wir Niels gut versorgt wissen, falls er irgendwann auch mal ohne uns klarkommen muss.“ Häufig müssten Erwachsene, die sich nicht selbst versorgen können, in Pflegeheimen unterkommen – eine Vorstellung, die der Mutter nicht gefällt. Es gäbe zwar noch andere Wohngemeinschaften für Menschen mit Behinderung – allerdings müsse man sich dafür teilweise selbst versorgen können.

Schon vor vier Jahren fing Wieczorek-Happ an, nach einer Wohngemeinschaft zu suchen. Da sie nicht fündig wurde, nutzte sie schließlich die familieneigene Immobilie, als zwei Wohnungen im Haus frei wurden. Auch bei der Suche nach einem sozialen Träger wurde sie fündig: „Das Alfred-Delp-Haus Oberursel hat uns die pädagogische Unterstützung zugesichert“, so Wieczorek-Happ. Über den Verein Lebenshilfe suchte sie schließlich nach anderen Familien. Von 13 Interessenten blieben am Ende zwei übrig.

Wieczorek-Happ wünscht sich, ein integratives Projekt aus dem Haus zu machen. „Die Idee ist, dass in die anderen Wohnungen Studenten einziehen, die sich auch um Niels, Lea und Jana kümmern können.“

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